Frage von JerryGarcia, 44

Muskelblockade unter Schulterblatt löst sich nicht?

Hallo Leute, Ich hab nun seit etwa 3 Monaten Schmerzen hinter der linken Schulter, fast im Rückenbereich, die ich nicht eindeutig beschreiben kann. Außerdem fühlt sich meine Schulter ziemlich instabil an.

DieVerletzung habe ich mir wohl bei zu exzessivem Kletter-/ Bouldertraining geholt. Zunächst hatte ich leichte Schmerzen und habe 1-2 Wochen einfach weitergemacht, da ich direkt beim Sport nichts merkte. Jedoch wurden die Schmerzen dadurch eher schlimmer. Ausgleichtraining und Dehnübungen habe ich eigentlich immer, wenn auch sporadisch durchgeführt.

Heute merke ich zusätzlich zu den Schmerzen, z.B. bei Klimmzügen deutlich, dass da was nicht stimmt. Deswegen mache ich seit den 3 Monaten kein bisschen Sport mehr, was mir echt auf die Laune schlägt...

Ich war auch vor knapp 2 Monaten beim Orthopäden und bin seit 2-3 Wochen bei einem Physiotherapeuten in Behandlung.

Der Orthopäde hat eine Muskelblockade diagnostiziert. Er hat mir auch empfohlen, die Muskeln mit einer Blackroll auszurollen. Das habe ich seitdem täglich getan, bringt leider außer kurzer Besserung nicht viel. Seit 3 Wochen bin ich auf einen Tennisball umgestiegen und wenn ich den linken Arm nach vorne rechts strecke und hinter dem Schulterblatt ausrolle, schmerzt es extrem und es sind verhärtete "Beulen" im gesamten Bereich zu fühlen, die auf der anderen Seite nicht vorhanden sind. Zusätzlich mache ich auch täglich eine Dehnübung, bei welcher ich meinen linken Arm um das linke, angezogene Bein lege und mit dem anderen Arm meine linke Hand hinter dem Rücken fasse (schwer zu erklären). Man spürt eine deutliche Dehnung an der schmerzenden Stelle. Als ich diese Dehnübung das erste Mal vor 3 Wochen durchführte, knackte es kurz und der Schmerz war auch für ca. 1-2 Stunden wie weggeblasen.

Die verhärteten Beulen sind auch dem Physiotherapeuthen aufgefallen. Er hat meinen Schulter/Rückenbereich bereits 2 mal massiert. Aber direkt nach der Massage tut es wieder leicht weh und am nächsten Tag ist es genauso schlimm, wie es sonst auch ist.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nafetsbln, 12

es ist ein bißchen durcheinander: du redest von einer Verletzung, aber keinem Verletzungsgeschehen. Hast du dich konkret verletzt (also z.B. beim Klettern), hat es geknackt oder wurde was spürbar gezerrt? Das könnte z.B. eine Band-, Muskel- oder Sehnenverletzung gewesen sein, die später deine als instabil empfundene Schulter mit verursacht. Das muss also zuerst abgeklärt werden, wozu mindestens Ultraschall und eine komplette sog. klinische Untersuchung der Schulterumgebung gemacht werden sollte. Wenn hier was vorliegt, muss entspr. therapiert werden.

Davon ausgehend, dass es eine Verletzung gab (im besten Falle eine Muskelzerrung), versucht der Körper bei weiterer Belastung den lädierten Teil zu schonen und die umgebenden Anteile die Arbeit machen zu lassen. Die werden dabei regelmäßig überfordert, es entstehen Spannungen verbunden mit Schmerz als Warnzeichen (Stopp mit der Belastung).

Die von dir als schmerzhafte Beulen beschriebenen Knoten sind Triggerpunkte, bestimmte Stellen der Muskelstränge, die verhärten können. Dafür gibt es (weil noch nicht völlig abgeklärt) verschiedene Theorien zur Ursache. Einmal eine Stoffwechselstörung des Muskels durch Unterversorgung mit Sauerstoff wegen Durchblutungsstörung (verursacht durch die Dauerspannung), dann reflektorisch direkt verursacht durch die Muskeldauerspannung an bestimmten Stellen (Hilus) im Muskel. Das wichtigste ist also die Reduktion der Spannung - bewusste Entspannung und Vermeiden von Training (Klettern, Rucksack tragen...) der betroffenen Bereiche. Solange eine Verletzung dabei ist (s.o.), gilt noch größere Vorsicht.

Die Verletzung (falls vorhanden) muss ausheilen. Die wird nämlich dann die Ursache für alles sein. Sollte eine weitere Heilung (z.B. Riß eines Bandes) nicht mehr möglich sein, musst du evtl. zukünftig die Belastung generell verringern, da sonst die Muskeln beim Klettern chronisch überfordert sind.

Leichtes Dehnen ist positiv und erzeugt ein Gefühl für Anspannung und Entspannung und sollte durchgeführt werden, allerdings nicht statisch (das vermindert die Durchblutung). Beobachte deine Haltung im Alltag, sind dein Kopf oder deine Schultern zu weit nach vorne geschoben? Das erzeugt Muskelanspannung im oberen Rücken. Mache Entspannungsübungen, immer wieder, kurz, über den Tag verteilt. Wärmeanwendungen (UV-Lampe) fördern das.

An sich, wenn keine Verletzung vorliegt, kann man sehr kraftvoll bis an die Schmerztoleranzgrenze des Triggerpunktes herangehen und wiederholt reindrücken. Sind die Triggerpunkte noch relativ frisch, bekommt man sie damit weg, günstig ist eine Massage danach. Wenn eine Verletzung vorliegt, muss das der Arzt entscheiden. Eine evtl. benachbarte Muskelzerrung darf man zumindest in der Anfangsphase (grob 3-7 Tage, je nach Schwere) nicht drücken, dehnen und nicht massieren, mit zunehmender Heilung sollte man das aber.

Kommentar von nafetsbln ,

es kann auch ohne wahrnehmbares Verletzungsgeschehen nur durch den Sport zu Triggerpunkten kommen. Dann ist i.d.R. eine überlastete Muskulatur die Ursache, hier treten Mikrotraumen auf (z.B. Muskelkater) und die kann man als kleine Verletzungen ansehen. Kleine Entzündungen entstehen. Hier sind Faktoren: zu häufiges Training, zu schwer, zu kurze Pausen, was zu vermeiden wäre. Zusätzlich besser aufwärmen und dynamisch Dehnen vor dem Training. Sportartspezifisches Abwärmen und gezielte Regeneration sind hilfreich.

Kommentar von JerryGarcia ,

Dankesehr für die ausführliche Antwort!

Tut mir leid, dass meine Beschreibung etwas undurchsichtig ist.

Ob es eine Verletzung war, kann ich leider nicht genau sagen. Ich weiß lediglich noch, dass ich mich zu der Zeit verletzte, aber ich meine dass es da die rechte Schulter war und die Schmerzen am nächsten Tag auch wieder weg waren. Sicher bin ich mir nicht.

Ich würde eher behaupten, die Schmerzen kamen schleichend.

Auch bei den Bewegungstests des Orthopäden schien alles einigermaßen in Ordnung zu sein. Nur bei starker Außenrotation und Heben des Armes nach oben waren die Schmerzen wirklich vorhanden. Im Alltag kann ich nicht hundertprozentig genau sagen, wann die Schmerzen am stärksten sind, nur dass langes Sitzen ohne Rückenlehne und Rucksacktragen das Ganze verstärkt.

Ich werde wohl mal zum Hausarzt gehen und nachhaken.

Was genau meinst du mit Entspannungsübungen?

Gibt es billigere Alternativen zur Rotlichtlampe, bspw. wärmende Salben. Lohnt es sich auch Geld in diese zu investieren?



Kommentar von nafetsbln ,

wenn eine starke Außenrotation am Schulterblatt schmerhaft ist, kann auch die Rotatorenmanschette bzw. der m. infraspinatus betroffen sein (Einriss). Ich würde, wenn nichts hilft, beim Arzt auf ein MRT dringen. Entspannungsübungen: wiederholt betroffene Muskulatur leicht kurz anspannen und danach länger bewußt entspannen (z.B 2Sek zu 10Sek). Oft bemerkt man erst durch diese Übung, wie verspannt man ist und kann das dann dadurch reduzieren. Du kannst natürlich Wärmesalben (z.B. mit Chiliextrakt) nutzen, musst aber an die rückseitigen Stellen gut rankommen und die Salben wirken nicht so tief. (Eine UV-Lampe kannst du auch gut für andere Zwecke verwenden, wie sich anbahnende Erkältung im Winter...), sehr angenehm ist auch ein elektr. Heizkissen - alles nicht teuer.

Antwort
von whoami, 18

Solche Muskelblockaden kommen meist von einer falschen Haltung im Alltag. Kenne ich. Bei einem Osteopathen bist du viel besser aufgehoben. Die meisten Physios sind Stümper - das kann ich aus Erfahrung behaupten!

Kommentar von JerryGarcia ,

Ich bin mir nicht sicher, ob es von einer schlechten haltung kommt. Laut arzt ist meine haltung völlig in Ordnung. Viel mehr ist es, so denke ich, durch den Sport entstanden. Aber ich schaue mal, ob ich denn einen guten osteopathen in der nähe finde. Vielleicht hilft es, wenn ich sage, dass rucksack tragen die schmerzen stark verstärkt.

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