Kann man Antizipation trainieren? (Badminton)

4 Antworten

Also, auch ich sehe das wie meine Vorredner. Man kann Antizipation "trainieren". In meinem Verein hatten wir richtige Trainingseinheiten diesbezüglich. Antizipation ist ja nichts anderes, als entweder aus der Bewegung des Gegners zu lesen, wo er hinspielt (Hinweise geben Blick, Fußstellung, Schlagarm- bzw. Schlägerbewegung). Letzteres kann man als guter Spieler wieder abbauen, indem man dann Finten lernt. Was du also "nur" machen musst, ist deinen Gegner zu beobachten. Ist im Spiel verdammt schwer, weswegen es am Anfang eigentlich auch so ist, dass der Trainer bei einem Spiel daneben steht und die ganze Zeit mal nur den Gegner beobachtet und dann dir dann vor dem 2. Satz sagt, was ihm halt an der Spielweise aufgefallen ist. Im 2. Satz kannst du dann darauf achten und hoffentlich feststellen, dass das wirklich so ist. So hast du nur wenige Punkte, auf die du dich zu Beginn fixierst (ohne nebenbei das eigentliche Spiel zu vergessen) und lernst langsam das Lesen.

Ansonsten gibt es auch die sogenannte 80:20 Regel. Meine Trainer hatten mal mit uns ein Training gemacht (gut, ist schon ein bisschen her, aber ich denke, das ist noch immer so), wo sie uns bewiesen haben, dass es zu jedem Schlag, den du machst eine bestimmte Antwort zu 80% eintritt. Die 20% werden dann von besseren Spielern immer häufiger angewendet (ja, damit verschieb sich das Verhältnis). Sprich die Steigerung deines Könnens in der Spielweise ändert sich in dem Sinne, dass du weißt, was dein Gegner eigentlich von dir erwartet und du versuchst das bewusst zu umgehen. So werden aus Anfängern Fortgeschrittene und aus Fortgeschrittenen Profis. Nun ist nur noch zu bedenken, dass es in jeder Leistungsklasse andere 80% Antworten sind. Sprich, ein relativer Anfänger beantwortet einen hohen, weiten Clear recht häufig mit einem kurzen Ball (weil er es tlw. nicht länger hinkriegt), ein etwas fortgeschrittener antwortet mit dem selben Clear (damit er Zeit hat) und ein noch fortgeschrittener Spieler antwortet dann mit einem Angriffsball. Du musst also schauen, in welcher "Liga" du spielst. Doch da kann dir eigentlich der Trainer helfen :-) Sprich mal mit ihm, lass dir die wahrscheinlichsten Antworten auf die verschiedenen Schläge sagen und versuch selbst immer etwas anderes zu tun ;-)

Achso, es ist aber schon ein bisschen ein Talent, ob du mehrere Sachen gleichzeitig machen kannst. Also ob du fähig bist während deines eigenen Spiels den Gegner überhaupt lesen zu können.

Hey, ich spiele zwar nicht Badminton, aber ich denke Antizipation kann man in jeder Sportart trainieren, bzw ich würde lieber das Wort entwickeln sagen. Das ganze kommt mit Routine und Spielverständnis! Wenn du die Möglichkeiten des Spieles kennst, kannst du drauf reagieren. Das ist in jeder Sportart so. Das beste Training ist also die Spielmethode. Nicht durch einfache Übungen, sondern einfach durch freie Spiel! Dann gehört auch ein bisschen Talent dazu sag ich mal, denn du musst schon etwas "Ahnung" und Auge mitbringen!

Ich spreche jetzt zwar nicht fürs Badminton, sondern fürs Tennis, aber ich denke es ist zu 100% übertragbar: man kann zwar nicht speziell Antizipation trainieren, aber eine gute Antizipation ist das Resultat aus einem guten technischen Verständnis für eine Sportart, einem reichen Erfahrungsschatz an Matchpraxis, und sicherlich einer Portion Talent. Alle drei Faktoren lassen mich in bestimmten Spielsituationen, aus der Beobachtung des Gegners, und dem eigenen Spielverständnis die Aktionen des Gegners vorausahnen, und ich kann mich einen Tick früher im Match darauf einstellen.

Ich spiele auch kein Badminton, aber ich kann dir aus dem Kampfsportbereich berichten, dass dass Antizipation zum gewissen Teil (wie alles) Talent und Veranlagung ist, zum anderen aber mit Sicherheit auch antrainiert werden kann. Wie immer wird der Sportler mit weniger Talent evtl. auch durch sehr viel Training nie das Niveau des Sportlers mit viel Talent+Training erreichen. Aber grundsätzlich: JA - man kann es erlernen - nicht durch spezielle Übungen, sondern nur durch Jahrelanges Training der gesamten Sportart. Lg Urs

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