Biegehantel fürs Krafttraining zu empfehlen?

1 Antwort

Die Königsfeder ist durchaus ein gutes Produkt. Natürlich kann man damit keine heroischen Muskeln aufbauen, aber man kann damit vielseitiger trainieren als es auf den ersten Blick scheint. Alleine mit den standard Biegeübungen kann man Schultern, Arme, Brust und Lat trainieren. Vor allen Dingen die Unterarme reagieren gut.

Was kann man von einem antiquiertem Trainingsmittel wie diesem erwarten? Wenn man die Aussage ernst nimmt, dass ein Muskel über seine gesamte Bewegungsstrecke trainiert werden sollte, nicht viel - zunächst.

Die typischen Biegeübungen vor der Brust oder hinter dem Nacken erlauben keine großen Bewegungen. Will man mit dem Gerät effektiver trainieren muss man anders heran gehen - allerdings muss man dafür schon etwas kräftiger sein als der Anfänger für den das Teil wahrscheinlich schwer zu bewältigen ist. Da ich nun schon seit Jahrzehnten Krafttraining mache fand ich den Widerstand von Anfang an leicht. Ich würde aber deswegen nicht direkt behaupten man könne das Gerät vergessen und müsse in ein Studio gehen. Mit etwas Einfallsreichtum können auch starke Leute so einiges aus dem Gerät heraus holen.

Für den Anfänger ist es völlig ausreichend seine Biegeübungen zu absolvieren, und er wird schnell merken dass er stärker und muskulöser wird.

Ich behaupte aber darüber hinaus dass auch ein kräftiger Mensch davon provitieren kann wenn er isokinetisch trainiert.

Man liest ja in einschlägigen Foren dass solche Geräte nichts bringen und dass man ein Studio besuchen muss. Wenn jeder der sowas sagt auch nur annähernd so stark wäre wie die Jungs um die Jahrhundertwende, die mit Ketten und Eisenstangen trainiert haben und Trainingsmaschinen schon gar nicht kannten, würde ich das glauben. In Wahrheit ist es aber Quatsch, denn auch mit der mickrigsten Ausstattung kann man Wachstumsreize setzen - vorausgesetzt man weiß wie.

Und ich kann durchaus behaupten dass man als kräftiger Mensch einen Muskelkater erleben kann wie er im Buch steht.

Man drücke die Feder mit gestreckten Armen vor dem Oberkörper und führe dann kreisförmige Bewegungen aus. Die TUT (Time under Tension) - also die Zeit die ein Satz dauern sollte damit Muskelwachstum erzielt wird - liegt zwischen 40 und 60 Sekunden. Das bedeutet dann langsame Kreisbewegungen auszuführen die in diesen Zeitabschnitt fallen. Das sollte auch kräftige Leute anstrengen. Will man speziell die obere Brust trainieren drückt man das Gerät oben vor der Brust zusammen und pendelt von links nach rechts. Für Mitte und unten gilt das selbe. Schultern: Hantel vor Bauch zusammendrücken dass ein U entsteht und dann langsam die Hände bis über den Kopf heben und wieder senken. Es gibt noch viele Übungen dieser Art - man muss nur testen.

Und wer sagt dass man eine Biegehantel nur biegen kann? Ebenso kann man sie mit gestreckten Armen auf Zug belasten und sie dabei in einer Kreisbewegung vor dem Körper führen. Das kann man zwar auch mit einem Handtuch machen, aber der Vorteil der Spirale ist, dass sie etwas nachgibt. Hettingers Studien über isometrisches Training zeigten in der 60er Jahren dass ein fast unbeweglicher Widerstand - der ein wenig nachgibt - besser für den Kraftaufbau taugt als ein komplett unbeweglicher. So kann man also auch den Trizep trainieren wenn man das Gerät hinter dem Nacken auf Spannung zieht und die Arme von links nach rechts bewegt.

Verrückterweise ist das Trainingsgerät so alt, dass man noch nicht bemerkt hat dass man hiermit nach isokinetischen Methode trainieren kann.

Bauch geht auch gut zu trainieren. Man lege sich auf den Rücken und winkle die Beine an. Die Biegehantel hält man gegen einen Oberschenkel wie ein Stück Holz welches man zerbrechen will. Dann macht man Crunches - also richtet den Oberkörper gegen den Widerstand auf.

Es ist kein Problem den Oberkörper mit dem Gerät zu trainieren.

Für die Beine ist es allerdings kaum anwendbar. Man kann zwar - mit Unterstützung der Hände - die Hantel zwischen den Beinen biegen wenn man auf einem Stuhl sitzt, aber dann ist leider auch Ende. Ist einerseits ein Wehrmutstropfen andererseits nicht schlimm weil man gerade die Beine auch auf normalem Wege gut trainieren kann - wie zum Beispiel durch einbeinige Kniebeugen.

Abzug gibt es weil es keine guten Trainingsanleitungen gibt, mir sind keine bekannt. Auf Unfallgefahren sei noch hingewiesen. Wissen sollte man ferner dass jeder Stahl irgendwann ermüdet und bricht. Normalerweise ist das kein Problem weil die wenigsten Menschen so lange mit dem Gerät trainieren. Sollte aber jemand das Teil über lange Zeit benutzen muss er sich darüber klar sein dass sich auch der beste Stahl nicht unbegrenzt biegen lässt. Ferner sollte man in seine Überlegungen auch eine nicht geplante Materialschwäche einbeziehen - man sollte also immer damit rechnen dass das Ding brechen kann. Es ist zwar unwahrscheinlich aber möglich.

Was möchtest Du wissen?