Wadenmuskel zuckt mit anschließendem Wadenkrampf, was tun (Fussball)?

3 Antworten

Teil 2:

- Waden: Du könntest jetzt die Wade dehnen und stretchen (dazu unten
mehr), aber dann wäre es für den Muskel noch schwerer, die notwendige
Schutzspannung aufzubauen. Es würde auf Dauer schlechter, weil die
Fehlkräfte dann auf die Gelenke durchschlagen. Du musst in diesen Fällen
an die Gelenkgeometrie ran: Plattfüße, Sprunggelenk, Becken und Knie.


-
Plattfüße evtl. nicht ausschließlich mit Einlagen beantworten (das
macht die Fußgewölbemuskulatur vollends insuffizient), sondern
Fußgewölbemuskulatur trainieren. Ist langweilig aber abends nebenbei
vorm TV... und viel Barfuß laufen.

- Sprunggelenk: Mobilität erhöhen. Ostheopathen fragen.

- Becken:

a)
wenn die Einschränkungen in den Gelenken sind, dann versuchen, die
Mobilität zu erhöhen (soweit die individ. Geometrie das zulässt),

b)
wenn es durch einseitige Tätigkeiten (Arbeit/Sitzen) verkürzte Muskeln
sind, ist reines Dehnen/stretchen nicht sinnvoll. Beschäftige dich mit
Muskelarbeit im erweiterten ROM (range of motion), das dauert mind. 2
Monate, wirkt aber kausal und effektiv. Ich zitiere eine Kernausage zum
Dehnen:


"Muskelverkürzungen oder Muskelverlängerungen lassen sich durch solche Beanspruchungen vermeiden, die den betroffenen Muskeln regelmäßig möglichst über den gesamten zugehörigen Gelenkwinkelbereich beanspruchen." von Prof. Wiemann unter:

http://www.biowiss-sport.de/forschungsprojekte-arbeiten/muskeldehnung/muskelverkuerzung/


Also nicht nur Dehnen, sondern versuchen, in den Gelenkwinkeln zu beanspruchen/trainieren, die wegen Verkürzung schwer erreichbar sind.

- Adduktoren: hier trifft das gleiche wie bei den Waden zu. Sie sind wahrscheinlich nicht das Problem, sondern versuchen zu schützen und  deshalb überanstrengt. Das was du mit Dehnen versuchst ineffizienterweise zu erreichen, wäre kontraproduktiv.


- Knie: da dies alles nur Mutmaßungen sind, würde eine zusätzliche Ausführung zu  weit führen. Das soll im gegebenen Fall der Ostheopath machen, bzw, wenn das zutrifft, schreibe nochmal. Gut, dass du dranbleibst!

Teil 1:

Hi, (das wird jetzt länger, sorry)

wenn an der Problematik keine neurologische Störung beteiligt ist
(was ja ausgeschlossen wurde), würde ich von einem sich
entwickelndem, dann spontan auftretendem Energiedefizit in der Wade
ausgehen. Dies kann z.B. verursacht werden durch:


1. eine unterschwellige Stoffwechselstörung, die sich zuerst im am stärksten arbeitenden Muskel auswirkt,

2. durch im Laufe des Spiels sich zunehmend verhärtende Waden:

a) dadurch wird die Blutzirkulation graduell immer schlechter. Das bewirkt einen verringerten Abtransport von unerwünschtenStoffwechselendprodukten, verbunden mit geringerem Nachschub von Zucker, Sauerstoff usw...b) durch die Verhärtung selbst wird zuviel Energie (ATP) verbraucht. Der Muskel erschöpft und durch den ATP-Mangel verkrampft der Muskel schließlich.

Während Stoffwechselstörungen ein sehr weites Feld sind (MAD-Mangel oder 1000 andere Sachen; kannst ja mal hilfs- und testweise Kreatin ausprobieren), wäre es einfacher, sich zuerst mit einer Muskelverhärtung auseinander zu setzen. Deine Schlussbemerkung mit dem Plattfuß könnte ein Indiz sein für eine ungünstige Beinachsenstellung. Du schreibst von Problemen mit den Füßen und Sprunggelenken (Plattfüße knicken die Unterschenkel nach innen ein) und von Problemen im Beckenbereich. Die Knie liegen dazwischen und müssen das ausgleichen. Knieprobleme sind dann häufig unvermeidbar. Du bist aber noch sehr jung und die ungünstig auf die Gelenke wirkenden Kräfte hatten nicht genug Zeit, um bislang sichtbare Schäden zu hinterlassen. (Leute mit Beinenachsenfehlstellungen bekommen häufig Kniearthrose.) So lange wie möglich, versuchen die an dem Gelenk ansetzenden Muskeln, die Kräfte zu neutralisieren. Oder/und kann sich auch ein zu steifes Sprunggelenk negativ auf die Waden auswirken, die dann beim Rennen reflektorisch eine zu frühe und hohe Schutzspannung aufbauen, damit das Sprunggelenk nicht in die maximale Gelenkposition mit Knochenanschlag kommt. Das sind alles Spekulationen, aber nicht ganz unwahrscheinlich, und die sehr gut zu den Wadenproblemen passen würden. Die Waden haben dann eine zu große Belastung auszugleichen, stehen damit unablässig unter Dauerstrom und obwohl du fit und gesund bist, ist der Energiespeicher der Wade dann vorzeitig erschöpft.

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