Frage von silberboy 12.01.2012

werde ich beim boxen niemals so einen harten schlag drauf haben können?

  • Antwort von DeepBlue 13.01.2012
    3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Hi,

    das mit der Schlagkraft kann man so pauschal nicht beantworten. Auch beim Boxen gilt natürlich die Formel:

    F = m*a (Kraft = Masse mal Beschleunigung)

    Masse

    Um die größtmögliche Masse einsetzen zu können, ist es wichtig, nicht nur den Arm, sondern den gesamten Körper in die Schlagbewegung mit einzubeziehen. Dazu ist das Erlernen der richtigen Technik das A und O. Diese fängt nicht bei den Schultern, sondern bereits an den Füßen an und setzt sich über die Hüfte, Schulterrotation - bis in die Fäuste fort. Das nennt man auch "kinematische Kette". Wenn man mit richtiger Schlagtechnik einen Boxsack trifft, so vibriert dieser nur und pendelt kaum. Wenn der Sack zu stark pendelt oder gar bis zur Decke ausschlägt, so hat man ihn eben nicht mit sauberer Boxtechnik geschlagen, sondern gestoßen! Die Bewegung beim Boxen hat also nichts mit der des Kugelstoßens zu tun.

    Ohne die richtige Technik, gelingt auch jemandem mit großer Schlagkraft kein harter Schlag.

    Beschleunigung

    Hier ist es nun in der Tat genetisch bestimmt, wie groß der Anteil an ST-/FT-Fasern ist. Zur Erinnerung: Die ST-(=rote)Fasern kontrahieren langsamer, sind aber ausdauernder. Die FT-(=weiße) Fasern kontrahieren schneller, ermüden aber schnell, weil sie mehr Energie verbrauchen.

    Hinzu kommt, dass man beim Boxen über ein gutes Auge und Distanzgefühl verfügen muss, denn selbst die härteste Schlagkraft nützt Dir nichts, wenn Du den Gegner nicht triffst.

    Es spielen also mehrere Kriterien eine Rolle, um die optimale Schlagkraft zu erzielen.

    Gruß Blue

  • Antwort von wiprodo 13.01.2012
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Du sprichst mit deiner Frage ein Problem an, dass mehrere Teilaspekte zeigt, die aber zum Teil miteinander konkurrieren.
    1) Du willst schnell schlagen, d.h., du willst die Distanz zum Gegner schnell überwinden, um diesem keine Zeit zur Reaktion zu geben. Dazu brauchst du natürlich vermehrt schnelle Muskelfasern, damit du deinen Arm gut beschleunigen kannst. Nach der Beziehung a = F/m (Beschleunigung gleich Kraft geteilt durch Masse) kannst du deinen Arm umso besser beschleunigen, je mehr schnelle Muskelfasern (FT-Fasern) du hast und je größere Kraft diese freisetzen können, aber je weniger Masse dein Arm hat. Der letzte Punkt konkurriert aber mit 3).

    2) Du willst überraschend schlagen, d.h., du willst deinem Gegner nicht schon deutlich vorher ankündigen, dass du jetzt einen Schlag abfeuern willst. Deshalb kannst du nicht so vorgehen, wie ein Kugelstoßer, der seine Aktion mit einer Drehstreckung des Stoßbeines einleitet und den so erzeugten Impuls zeitverschoben auf Rumpf, Schulter und Arm überträgt und dabei vergrößert. Statt dessen musst du die gesamte Körperstreck-Muskelschlinge plötzlich und gleichzeitig aktivieren. Das ist eine Frage der Technik und Koordination und muss durch Technik-Training perfektioniert werden.

    3) Du willst wirkungsvoll schlagen (d.h. du willst „hart“ schlagen). Die Wirkung, die du beim Gegner mit deinem Schlag erzielst, hängt nicht davon ab, wie du deinen Arm bzw. deine ganze Körpermasse beschleunigst (das ist ein verbreiteter Irrtum), sondern vom Impuls deines Schlages im Augenblick des Kontaktes. Der Impuls wird bestimmt durch die Masse und deren Geschwindigkeit (p = m*v). Wenn du also hinter deinen Schlag einen möglichst großen Teil deiner Körpermasse legst und dieser im Augenblick des „Einschlages“ eine große Geschwindigkeit besitzt, hat dein Schlag die angestrebte „Härte“. (Die Beschleunigung wird dabei gemäß dem „Prinzip der optimalen Tendenz im Beschleunigungsverlauf“ geregelt. Das zu beschreiben, wäre aber hier zu kompliziert. Es zu realisieren, setzt ein intensives Techniktraining voraus.)

    Daraus soll deutlich werden: Natürlich benötigst du zum Boxen eine gewisse körperliche (und mentale) Voraussetzung. Ein hartes - aber vor allem richtiges - Training (insbesondere Technik-Training) ist mindestens genauso wichtig.

  • Antwort von badboybike 13.01.2012
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Die Schlagkraft ist nicht angeboren - wer das sagt weiß nicht was er redet! Training, Training, und nochmals Training, erhöhtt die Schlagkraft! Vom Himmel ist noch kein Meister gefallen!

  • Antwort von ralphp 11.02.2012

    Um es vorwegzunehmen: Ein Vergleich von Kugelstoßen und der Schlagkraft im Boxen ist nicht möglich, denn die Kräfte sind nicht gleich.

    Richtig ist, dass jeder Mensch bestimmte Veranlagungen hat und diese natürlich auch seine Fähigkeiten bestimmen.

    Aber richtig ist auch, dass alles Erlernte im Grunde eine erworbene Fähigkeit ist.

    Genetisch vorgegeben und nicht beeinflussbar ist der Anteil der weißen und roten Muskelfasern eines jeden Menschen. Die weißen Muskelfasern bestimmen die Schnelligkeit, während die roten Muskelfasern die Ausdauer bestimmen.

    Jeder Mensch verfügt über rote und weiße Muskelfasern. Je größer der Anteil weißer Muskelfasern ist, desto größer die Fähigkeit die Muskeln schnell kontrahieren zu können. Umgekehrt sind Menschen mit einem hohen Anteil roter Muskelfasern zu besseren Ausdauerleistungen fähig.

    Sowohl Schnelligkeit als auch Ausdauer kann trainiert werden. Die natürliche Grundveranlagung mag dem Sportler anfangs einen gewissen Vorsprung gegenüber anderen verschaffen, aber dies verändert sich im Laufe der Zeit, denn man kann nahezu alles trainieren und auch in gewissem Maße beeinflussen. Je früher man beginnt und je intensiver man trainiert, um so höher die Wahrscheinlichkeit, die natürliche Grundveranlagung zu beeinflussen und in die eine oder andere Richtung zu lenken.

    Die Schlagkraft beim Boxen entwickelt sich aus der Fähigkeit, die Muskeln in möglichst kurzer Zeit zu kontrahieren, d.h. anzuspannen. Besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die weißen Muskelfasern. Je größer ihr Anteil, desto schneller kann der Muskel kontrahieren.

    Die sich im Schlag entfaltende Energie wird als Kraft = Masse mal Beschleunigung zum Quadrat berechnet. Der Beschleunigungsfähigkeit steht damit an erster Stelle.

    Ganz so einfach ist das natürlich nicht, denn wir wissen aus der Physik, dass Kraft = Gegenkraft ist. Das bedeutet, dass die auf ein Ziel einwirkende Kraft auch von dem Ziel wieder auf einen selbst zurückgeworfen wird. Der Kämpfer muss diese Kraft aushalten, damit die Schlagenergie letztlich im Ziel ihre Wirkung entfalten kann.

    Das ist die Theorie. In der Praxis geht es jedoch darum zu verstehen, dass an einem Schlag niemals nur die Muskeln der Faust oder des Armes, sondern immer der gesamte Körper beteiligt ist. Hierbei kommt es auf die Koordination aller Bewegungen an. Die Muskeln müssen dabei auch in der richtigen Reihenfolge angespannt werden, damit der Körper auch wirklich der Schlagkraft des Armes weitere Kraft verleihen kann und nicht im ungünstigsten Fall sogar die Kraftentfaltung behindert. Das nennt man Technik.

    Dazu kommt natürlich auch Erfahrung, Reaktion, Distanzgefühl und Kontrolle ...

    Wie eingangs schon erwähnt: Alles Erlernte ist letztlich eine erworbene Fähigkeit. Insofern gilt, dass Talent anfangs einen Vorteil bedeutet. Doch letztlich ist mehr als Talent der Wille des Kampfsportlers entscheidend. Das beste Talent nutzt nichts, wenn es nicht gefördert und eingesetzt wird. Ein Kämpfer der sich genügend anstrengt, wird möglicherweise mehr Zeit und Mühen aufwenden müssen als ein Naturtalent, jedoch kann er mit einem starken Willen weitaus besser werden, als jedes Naturtalent. Wer trainiert erwirbt neue Fähigkeiten. Jeder kann so seine Grenzen überwinden und zu neuen Ufern aufbrechen. Insofern kann man vieles erreichen.

    Ob man damit auch in der Amateuerliga oder gar im Profi-Bereich mithalten kann ist eine andere Frage. Hierzu gehört nicht nur eine wahre Kämpfernatur im Sinne von Durchsetzungsvermögen sondern auch der Wille zum Kämpfen, der Wille die eigenen Fähigkeiten im sportlichen Wettstreit unter Beweis zu stellen, der Wille, andere - wenn auch nach sportlichen Regeln - zu verletzen und sich so den Weg zum Sieg freizukämpfen.

    Das ist nicht jedermans Sache und so ist neben dem Willen sich durch hartes Training neue Fähigkeiten zu erschließen außerdem die Bereitschaft erforderlich, diese Fähigkeiten auch gegen andere zu einzusetzen auch wenn das bedeutet, diese zu verletzen. Dies wiederum ist ein Punkt, den nicht viele bereit sind zu überschreiten - jedenfalls dann nicht, wenn es "nur" um den sportlichen Vergleich geht. Kämpferische Fähigkeiten zur eigenen Verteidigung oder zur Verteidigung anderer einzusetzen ist eine völlig andere Sache.

  • Antwort von Juergen63 13.01.2012

    Natürlich kannst du deine Schlagkraft durch ein gezieltes Training erhöhen. Wie kräftigt dein Schlag im Endeffekt dann werden wird kann keiner sagen. Das ist genetisch bedingt. Es gibt immer Boxer die einen härteren Schlag haben als andere. Aber das alleine ist nicht ausschlaggebend. Durch eine gute Technik und eine gute Kondition kannst du leichte Defizite in der Schlagkraft durchaus ausgleichen. Ein harter Schlag alleine macht noch lange keinen WM.

  • Antwort von Helge001 13.01.2012

    Schlagkraft kann man bis zu einer bestimmten Härte erhöhen. Jedoch sind durch körperliche Gegebenheiten Grenzen gesetzt. Der Vergleich mit dem Boxen und Kugelstoßen hinkt gewaltig. Ein Kugelstoßer muss noch lange keinen harten Punch haben. Außerdem geht es dort um das stoßen an sich, natürlich immer mit der Oberkörperbewegung. Zum Beispiel Schlagballwerfen ist für die Rumpfbewegung unabdingbar. Nimmst du deinen Oberkörper in der Drehung nicht ordentlich mit, erreichst du auch keine großen Weiten. Beim Boxen solltest du bei einem Schlag eben auch den Oberkörper mit zur Hilfe nehmen. Damit erhöhst du die Härte des Schlages. Ich habe mal gesehen, dass Gummibänder genommen werden. Diese sind an einem Haken besfestigt und werden um die Schlaghand gewickelt.

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