Frage von LGSportlerfrage, 71

Tischtennis, Schmerz im Arm bei ruckartigen Bewegungen?

Hallo liebe Community, kurz zu mir: Ich spiele 4x/Woche ca. 2-3h Tischtennis und habe demnach auch immer ein paar kleine Zipperlein. Jetzt habe ich aber leider schon seit mehreren Monaten im rechten Arm ein Ziehen/Stechen wenn ich einen weiten Ball auf die Vorhand bekomme. Denn dann strecke ich meinen Arm ruckartig nach rechts aus, um den Ball noch zu bekommen. Den Schmerz spüre ich wirklich nur in diesen Situationen, sonst nie. Seit kurzen wärme ich mich auch immer ausgiebig mit Schulter-und Armkreisen auf, aber das scheint auch nicht zu helfen. Habe auch wegen einer anderen Sache mal 4 Wochen Pause gemacht und der Schmerz ist in der Zeit leider auch nicht weggegangen :( Der Schmerz ist schwer zu lokalisieren, ich würde aber ungefähr sagen unterhalb der Schulter auf der Oberseite des Arms. Will deswegen ungern zum Arzt gehen, vielleicht kann mir ja jemand von euch weiterhelfen?

Antwort
von nafetsbln, 48

Schulterprobleme sind anscheinend weit verbreitet, schau mal 2 Beiträge unter deinem...

Auch hier vermute ich Probleme mit dem Supraspinatus oder mit der Sehne des langen Bizeps. Beide strahlen bis Mitte Arm aus. Wenn die Probleme auftreten, wenn du den Schlag durchführst, also die Hand nach vorne sxhlägst, dann käme auch der Subscapularis in Betracht.

Kurz: geh zum Arzt, lass es diagnostizieren und befolge dann die ganze Behandlungsroutine. Kuhlen, Sportreduktion bis Schmerzabklingen, medikamentöse Behandlung zur Entzündungsreduzierung, Auftrainieren der Rotatorenmanschette, Dehnen funktional verkürzter Muskeln, Körperhaltung (ggfs. Haltung bei der Arbeit am PC) korrigieren. Davor steht die Diagnose.

Antwort
von wiprodo, 34

Zur Beantwortung deiner Frage ist die Lokalisation des Schmerzes zu ungenau beschrieben. Wo ist z.B. die "Oberseite des Arms"? Es gibt am Arm eine Außen- und Innenseite, und eine Vorder- und Rückseite. Wenn man die von dir erwähnte ruckartige Bewegung des Armes nach rechts bedenkt, müsste der Schmerz etwa dort entstehen, wo der Deltamuskel seinen Ansatz hat; denn einerseits ist der Deltamuskel für diese Bewegung hauptverantwortlich und andererseits weist nach einem Strecken des Armes nach rechts die Außenseite des Armes nach oben. Ansonsten können keine anderen der vom Schulterblatt über das Schultergelenk ziehende Muskeln in Frage kommen, weil diese nicht bis zur erwähnten "Oberseite des Armes" ziehen.

Über die Ursache des Schmerzes bei dir persönlich sollte man nicht spekulieren, auch wenn üblicherweise bei solchen Aktionen  Muskelzerrungen in Frage kommen. Lass das vom Arzt klären!

Ebenso lassen sich Empfehlungen zur Behandlung nur aus der allgemeinen Erfahrung geben. Hier sollte Schonung an erster Stelle stehen. Wärmebehandlung kann den Heilungsverlauf beschleunigen. Aber Dehnen ist in jedem Fall kontraproduktiv, weil Dehnen einerseits kurzfristig den Muskel in die Länge zieht und dadurch die Spannung innerhalb des Muskels anhebt, und andererseits kann erwiesenermaßen Dehnen langfristig angeblich verkürzte Muskeln nicht verlängern.

Kommentar von nafetsbln ,

Ich gebe dir völlig Recht, dass der einzig unzweifelhafte Rat, die Empfehlung, zum Arzt zu gehen, sein kann und Spekulationen nicht unbedingt korrekt sein müssen. Über den spekulativen Charakter einer jeden anderslautenden Antwort in diesem Forum, sollte sich der Fragesteller in einem Internetforum allerdings prinzipiell klar sein und die Antworten entsprechend abwägen. Nun haben wir beide ja zum Wichtigsten, zum Arztbesuch, geraten. Divergieren würde ich in der Auffassung, dass doch der Supraspinatus übers Schultergelenk zum seitlichen Oberarm zieht und die Sehne entspr. Schmerzen auslösen kann. Der Muskel ist bei Abduktion des Armes in Aktion und wird bei gereizter Sehne schmerzhaft imponieren. Eine gereizte Sehne soll in der Entzündungsphase nach Belastung gekühlt werden, in der Prolieferationsphase (in der kaum noch schmerzhaften Regenerationsphase) gewärmt werden. Gereizte Sehnen gehen häufig mit angespannter/verspannter Muskulatur einher. Die ist, wie von dir korrekt beschrieben, nicht strukturell verkürzt (und korrekt: Dehnen hilft dann nicht), sondern hat einen erhöhten Tonus. Das meinte ich mit funktionaler Verkürzung. Nur das kann man durch vorisichtiges Dehnen reduzieren und damit die Sehne von zusätzlichem Stress befreien.

Antwort
von wiprodo, 29

@ nafetsbln (als Stellungnahme zu deinem Kommentar hier als Antwort wegen der Möglichkeit, eine Abbildung mitzuliefern):

Wenn man das Problem mal anatomisch und biomechanisch beleuchtet, verläuft der Supraspinatus (s. Bild, rot) zwar nach lateral, er zieht aber nicht dort hin, wo man in der Umgangssprache den „seitlichen Oberarm“ oder „die Oberseite des Armes“ findet, sondern er zieht lediglich über den Oberarmkopf nach außen hinweg zum Tuberculum majus (s. Bild, das Rabenschnabelbein wurde zwecks besserer Übersicht weggelassen). Sollte jemand am lateralen Ende der Supraspinatussehne Schmerzen verspüren (aus welchem Grund auch immer), wird er das umgangssprachlich allenfalls an der Außenseite der Schulter verorten. Außerdem wird – biomechanisch betrachtet - der Supraspinatus aufgrund seines kümmerlichen Kraftarmes (Bild, rot punktiert,) in Bezug zum Drehmittelpunkt des Schultergelenkes kaum in der Lage sein, einen nennenswerten abduzierenden Einfluss auszuüben - im Gegensatz zum Deltamuskel mit seinem schwarz puntierten Kraftarm.  Das Abduzieren ist auch keinesfalls die wesentliche Aufgabe des Supraspinatus. Diese liegt schwergewichtig darin, bei einer Abduktion des Armes durch den Deltamuskel (Bild, grün) die Wirkung der radialen Kraftkomponente (Bild, Fdr) des Deltamuskels, die den Oberarmkopf nach cranial gegen das Schulterdach zu schieben droht, im wahrsten Sinn zu „deckeln“, um dadurch den Kopf in der Pfanne zu halten.

Um den Andeutungen über den Zusammenhang von gereizter Sehnen und „angespannter/verspannter Muskulatur“, „nicht strukturell verkürzt“, sondern mit „funktionaler Verkürzung“ gesegnet bzw. mit einem erhöhten Tonus versehen, folgen zu können, benötigte ich zu diesen Begriffen operationale Definitionen, also Definitionen, die mir die Möglichkeit einer metrischen Quantifizierung der genannten Eigenschaften eröffnen könnten.

Leider kann die empirische Befundlage bis jetzt nicht die Annahme stützen, man könne „funktionale Verkürzungen“ durch Dehnen reduzieren.

Kommentar von nafetsbln ,

1. Typische Symptome beim Supraspinatussehnensyndrom sind Ausstrahlung in den Arm (u.a. hier: http://symptomat.de/Supraspinatussehnensyndrom). So wie der Fragestelle es beschrieben hat.

2. Ist die geringere Kraftentwicklung des Supraspinatus bei der Abduktion zwar richtig wiedergegeben, daraus folgt aber nicht, dass dieser Muskel (+Sehne) nicht die Schmerzursache sein kann.

3. Gleiches gilt für die richtige Beschreibung der Arbeit des Muskels bei der Abduktion in Synergie mit dem Delta: die Ursache im Supraspinatus zu suchen, kann allein daraus vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden.

4. Um die Verwirrung bzgl. Dehnung ein wenig zu verringern (hoffe ich jedenfalls): man spricht von STRUKTURELLER Verkürzung, wenn der Muskel durch den Mechanismus der Sarkomerreduktion kürzer wird. Das bezeichnet die Struktur, die Form, die (theoretisch) messbare Länge. Allerdings kann auch ich dir leider nicht die angefragten quantifizierbaren metrischen operationalen Definitionen bzgl. des Fragestellers nennen, da ein Muskel in vivo nicht entsprechend vermessen werden kann ("Dieser Kennwert lässt sich experimentell am lebenden Menschen (in vivo) nicht metrisch quantifizieren, sondern nur" ... "abschätzen", gem. Prof Klaus Wiemann auf http://www.biowiss-sport.de). Und diese strukturelle Verkürzung lässt sich durch Dehnen NICHT verändern. Korrekt. Der Unterschied zur FUNKTIONELLEN Verkürzung: hier ist der Muskel nicht in seiner theoretisch messbaren, tatsächlichen Länge kürzer, sondern sein tatsächlich ausgeübter Bewegungsumfang wurde geringer, wodurch dann auch die optimale Kraftentfaltung bei geringerer Dehnung stattfindet. Das kann diverse Ursachen haben. Z.B. ein langfristig überanstrengter Muskel kann Triggerpunkte, im Extremfall Hartspann, entwickeln und arbeitet dann nur unter Schmerzen über den vollen ROM. Eine schmerzreduzierende Schutzspannung schränkt die Funktion ein. Eine dauernde Spannung des Muskels wirkt dann weiter auf die Sehne, so dass die sich entzünden kann und auch Schmerzsymptomatik entwickelt. Diese Schutzspannung kann u.a. durch vorsichtiges Dehnen reduziert werden. Die Ursache sollte ermittelt werden. (Und von 'gesegnet' war in meinem Beitrag nirgends die Rede.)

Klar kann die Ursache auch, wie von dir angesprochen, direkt im Delta liegen. Zur Diagnosefindung haben wir beide dem Fragesteller einen Arztbesuch empfohlen.

Lieber Fragesteller LGSportlerfrage: es tut mir leid, wenn du hier verunsichert wirst. Nochmal, gehe zu einem Arzt, denn egal, ob es Supraspinatus oder Delta oder was ganz anderes ist, es kann chronisch und sehr lästig werden und schlussendlich u.a. zu der recht häufig vorkommenden Rotatorenmanschettenschädigung führen. Dann macht TT keinen Spass mehr.

Kommentar von wiprodo ,

Zu 1.: Mag sein! Darüber will ich nicht urteilen. Und exakt quantifizieren will ich es schon gar nicht – wie auch in der von dir angeführten Quelle (wie in vielen diagnostischen Texten) zu häufig die Worte „kann sein“ benutzt werden (müssen).

Zu 2. und 3.: Wieder : „ … kann…“! Man möchte hinzufügen: „muss aber nicht“.

Zu 4.: Mit dem Anfang einverstanden! Dann kommen aber wieder Glaubensbekenntnisse wie „Triggerpunkte“, „…schmerzreduzierende Schutzspannung…“, die „ … durch vorsichtiges Dehnen reduziert …“ werden kann. Wer hat es empirisch nachgeprüft?

Kommentar von nafetsbln ,

Dann haben wir uns darauf geeinigt, dass es so 'sein kann - muss aber nicht'?

Prima.

Ich denke, mit der Aussage kommt auch der Fragesteller klar.

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