Wieso darf man viele Übungen im Yoga machen, die sonst in der Funktionsgymnastik verpönt sind?

2 Antworten

Eine wirklich gute Frage! Und Sukadev hat grundsätzlich recht. Ich möchte noch einen Punkt aus "Rückenschulischer" Sicht ergänzen. Viele funktionsgymnastische Übungen haben unseren Körper zu sehr in "Schonhaltungen" gezwungen. mit dem Resultat der langfristigen Schmerzverstärkung. Diese Schonhaltungen kennt der Yoga in der Weise nicht. er passt zwar - wenn gut unterrichtet wird- die Übung an den TN an aber er lehrt individuelle Grenzen zu erfahren. Ich finde es schlimm , wenn ich unsere Schüler bitte mal eine Vorbeuge aus dem Stand zu machen und der Körper dann in der waagerechten schwebt...und das obwohl sie keine Rückenschmerzen haben. Durch dies fehlende Beweglichkeit und den fehlenden Mut werden sie vielleicht später Rückenschmerzen haben.Also: Mutig duchbewegen und nicht schonen!

Die "Dos" und "Don'ts" der Funktionsgymnastik sind ständiger Änderung unterlegen. Als ich in den 70er Jahren Haltungsgymnastik machte, war das Hohlkreuz das ultimativ Verbotene. Meine Krankengymnastin hat mich getriezt, dass ich ja das Hohlkreuz verlieren müsse, um schmerzfrei zu werden (gebracht hat es mir keine Linderung der Kreuzschmerzen). Als ich dann 1980 mit Yoga begann und von da an gänzlich frei von Kreuzschmerzen bin, wurden von physiotherapeutischer Seite immer wieder die Rückbeugen kritisiert. In den Neunziger Jahren wurden plötzlich die Vorwärtsbeugen kritisiert, und in den letzten zehn Jahren die Drehungen. Neueste Forschungen legen aber nahe: Die Wirbelsäule ist für Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen, Seitwärtsbewegung und Drehungen geschaffen. Es gibt keine konkrete Übung, die für alle unter allen Umständen gut bzw. für alle unter allen Umständen schlecht ist. Yoga ist seit Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden, bewährt. Im Yoga stellt sich nicht die Frage: "Welche Übung ist für alle richtig?". "Welche Übung ist für alle falsch?" Vielmehr ist die Frage: "Welche Variation einer Übungsgruppe ist für den Menschen in seiner jetzigen Situation geeignet? Wie kann der Betreffende selbst spüren, ob ihm die Übung, so wie er sie macht, gut tut? Wie kann der/die Übende sein/ihr Spürbewusstsein so schulen, dass er/sie die geeignete Übung findet." So finden die Übenden im Yoga die für sie geeigneten Übungen. Keine starren "Dos und Don'ts", sondern individuelle Übungspraxis ist das, was im Yoga zählt. Nicht immer sind die Yogalehrer dafür ausreichend ausgebildet - in der Mehrheit der Fälle aber doch. Als Beispiel unten einige Variationen der gleichen Übung "Vorwärtsbeuge" - für jeden Menschen ist da eine andere Variation geeigneter. Die Fotos sind entnommen aus http://www.yoga-vidya.de/de/asana/vorwaertsbeuge.html

http://www.youtube.com/watch?v=57jVE_iJdOg
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