Wie säubere ich empfindliche Rennrad-Komponenten?

3 Antworten

Im Prinzip kannst du erstmal alle Komponenten dranlassen. Mit ein warmen nicht allzu starken Wasserstrahl kannst du den groben Dreck abspritzen. Zum Reinigen von klebrigen Fett/Ölresten bietet sich ein Reinigungspray auf Ölbasis, wie zb. W40 oder andere Sprays an. Es gibt auch spezielle Enfettungssprays die jedoch sehr teuer sind. Für die Schalteinheit/Umwerfer kannst du sowas benutzen. Bei der Kette würde ich jedoch davon abraten, da die Kettenglieder in sich ab Werk gefettet sind. Mit dem speziellen Lösungsmittel holst du diese Fettschicht mit herunter. Die Lebenserwartung der Kette vermindert sich dann dadurch. Vor allem wenn du viel im Regen fährst. Für die Kette würde ich Öl nehmen und die Kette mit einem Lappen der in Öl getränkt ist, dann schön abreiben. Wenn nötig mit einer Zahnbürste den Dreck zwischen den Gliedern lösen. Du kannst natürlich auch die ganzen Anbauteile demontieren. Ich mache dies einmal im Jahr. Wenn du ein bisschen handwerkliches Geschick hast und weißt wie du die Schaltung zb.wieder einstellst ist dies kein Problem.

Für die Pflege von glatten Teilen wie den Rahmen eignen sich Babyfeuchttücher vorzüglich!

Zunächst: So empfindlich sind die Komponenten nicht, dass Du sie mit übermäßiger Vorsicht behandeln musst, selbst Carbon-Teile nicht. Das, was Dir eher passieren kann, ist dass Du irgendetwas verstellst. Aber das ist kein Drama, mit ein wenig Geschick kann man das auch selbst wieder richtig einstellen. Für die regelmäßige Reinigung brauchst Du auch keine Komponenten abbauen. Nur im Winter zerlege ich einmal das komplette Rad, um es mal richtig zu reinigen und eventuelle kleinere Schäden auszubessern.

Als erstes würde ich das Rad mit einem nassen Schwamm oder mit Hilfe eines Gartenschlauchs (kein Hochdruckreiniger!) grob säubern. Als Reinigungsmittel eignet sich normales Spülmittel.

Anschließend geht es an die Feinarbeit. Die Komponenten kannst Du mit einem feuchten Tuch abwischen,

Stärkere Verschmutzungen werden mit einem Mittel wie WD-40 beseitigt. Das sollte reichen, um zum Beispiel die Kettenblätter sauber zu bekommen. Du musst sie nicht unbedingt zerlegen.

Um die Ritzel zu säubern, nimmst Du einen mit WD-40 eingesprühten Lappen, faltest ihn einmal und ziehst ihn strammgezogen durch jeden Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln. Dafür musst Du das Hinterrad natürlich ausbauen. Das Laufrad am Besten vor die Beine, mit der Ritzelkassette nach vorn. Den Lappen dann mehrmals nach links und rechts ziehen. Mit ein bisschen Gefühl, kannst Du diese Bewegung mit einer Drehung des Freilaufs kombinieren: Beim Ziehen nach links gleitet der Lappen durch, beim Ziehen nach rechts dreht sich die Kassette. So kannst Du ganz praktisch das Ritzelpaket rundherum reinigen, ohne per Hand es drehen zu müssen.

Ich nehme gerne auch einmal alle paar Wochen die Kassette auseinander, um die einzelnen Ritzel zu säubern. Dafür brauchst Du eine passende Kettenpeitsche (Kettenbreite beachten!) und einen entsprechenden Öffner mit Hebel, um den Verschlussring drehen zu können. Da jeder Hersteller hier sein eigenes Süppchen kocht, solltest Du schauen, welchen Du brauchst, ob für Campagnolo, Shimano und SRAM.

Beim Schaltwerk sollten hin und wieder mal die Röllchen ausgebaut, gereinigt, gefettet und wieder eingebaut werden. Unbedingt darauf achten, welches Röllchen oben und welches unten eingesetzt wird, das steht auf der Seite. Bei manchen Gruppen sind die Röllchen auch richtungsgebunden, etwa bei Campagnolo. Ansonsten wird das Schaltwerk an den Gelenken mit ein Öltropfen leichtgängig gehalten.

Die Züge für Bremsen und Schaltung sind an sich wartungsfrei, weil sie innen gleitbeschichtet sind. Ausnahme sind hier die Stellen, wo der Innenzug aus der Hülle herauskommt, etwa an den Bremszangen, kurz vor Umwerfer und Schaltwerk sowie an anderen Punkten, wo der Zug am Rahmen befestigt wird. Hier auch mal ein Tropfen Öl an den Zug, damit er weiterhin gut gleitet.

Die Kette sollte auch zwischendurch mal richtig gesäubert werden. Wie, das habe ich hier beantwortet:

www.sportlerfrage.net/frage/womit-reinige-ich-die-kette-am-besten

Auch die Bremszangen und deren Beläge sollten mal geprüft werden. Die Zangen selbst vertragen an den Gelenken ein wenig Öl, die Bremsbeläge sollten auf eingefahrene Steinchen oder andere Fremdkörper untersucht werden, damit sie keine Schneise in die Bremsflanke des Laufrades schneiden. Bei der Gelegenheit auch mal schauen, wie weit die Gummis verschlissen sind. An der Seite befindet sich eine Markierung. Sie sie so weit herunter gefahren, dass diese Linie nicht mehr zu sehen sind, wird es höchste Zeit, neue Beläge auf die Schuhe (so nennt man die Halterung) zu schieben.

Auch die Bremsflanke sollte regelmäßig gereinigt werden, denn schmieriger Dreck setzt die Bremsleistung herab. Hier reicht die Feuchtreinigung mit dem Lappen, bei sehr starken Spuren lohnt sich aber auch ein Reinigungsklotz (gibt es zum Beispiel von Mavic). Dieser "radiert" den Dreck weg, die Flanke sieht anschließend wie neu aus.

Wichtig auch hier, die regelmäßige Kontrolle des Flankenzustandes, denn auch die verschleißen mit der Zeit, schließlich wird beim Bremsen nicht nur Gummi, sondern auch hauchfein Metall abgerieben. Neuere Felgen haben Verschleißanzeiger. Das sind Rillen, die in die Mitte eingefräst sind. Sind sie nicht mehr sichtbar, ist das Material links und rechts der Rille so weit abgetragen, dass sie nicht mehr weitergefahren werden sollten, schließlich herrscht innerhalb der Felge ein Luftdruck von sieben bis neun bar, die nach außen wirken. Ältere Modell haben keine Verschleißanzeiger. Hier hilft nur ein spezieller Messschieber, den jeder gute Händler in der Werkstatt haben sollte.

Auch die Reifen sollten auf Fremdkörper überprüft werden, denn ein eingefahrener Stein kann zum "Schleicher" führen, also zum schleichenden Luftverlust. Wie wir wissen, kommt die Panne dann, wenn am weitesten vom Ausgangsort entfernt und das Wetter am schlechtesten ist. ;-)

Zum Schluss noch die wichtigsten Schraubverbindungen überprüfen, am Tretlager, die Kettenblattschrauben, an den Befestigungen für die Züge, Sattelstützenklemmung, Sattelbefestigung und Vorbauklemmung.

Unbedingt daran denken: Nach "fest" kommt "ab". Ein Drehmomentschlüssel wäre ideal, bei Carbon-Teilen ist er ein Muss! Die entsprechenden Angaben stehen direkt an der Komponente oder in der Anleitung. Da diese gerade bei Kompletträdern oft nicht vorhanden sind, sollte im Zweifel beim Hersteller recherchiert werden.

Und wenn Du so regelmäßig auf Dein Rad achtest, dann ist jede einzelne Reinigungsprozedur auch nicht mehr so langwierig. Außerdem bekommst Du dadurch einen guten Eindruck davon, in welchem Zustand sich Dein Rad und dessen Komponenten befinden.

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