Welcher Kampfsport ist rein verteidigend?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Du mußt Dich entscheiden, was Du suchst. Kampfsport ist Sport. Sport mit Regeln, die es in echten Selbstverteidigungsfällen nicht gibt. Sport ist nur bedingt zur Selbstverteidigung brauchbar. Mit Regeln meine ich Dinge wie:

  • Du weißt vorher, dass gleich ein Angriff von einer bestimmten Person erfolgt, weil sie mit Dir im Ring ist, oder ihr es abgesprochen habt (nicht mehrere Personen oder unklare Lagen, ob und wann ein Angriff erfolgt)

  • In Kampfsportarten gibt es verschiedene Zonen oder Angriffe, die verboten sind, weil zu verletzungsträchtig (da wird dann oft die Deckung vernachlässigt - ungünstiges Verhalten für SV-Fall wird evtl. eintrainiert).

  • Deeskalation oder Flucht ist bei einem Kampf nicht erlaubt, obwohl sie bei vielen Selbstverteidiungssituationen angebracht wären

  • Gewichtsklassen

Solltest Du meinen, es gibt etwas, mit dem Du einen echten Angriff auf der Straße abwehren kannst, ohne bereit zu ein, den ersten Schlag zu setzten, dann muß ich Dich leider enttäuschen. Da gibt es nur Flucht oder Deeskalation. Selbst im Notwehrrecht hat man erkannt, dass eine Verteidiung gegen größere oder stärkere Gegner nur durch einen eigenen Angriff zuvorkommen darf (bei aktuell drohendem rechtswidrigem Angriff) und ist daher straffrei.

Suchst Du etwas anspruchsvolles als Hobby, ohne selber schlagen zu müssen, dann rate ich Dir zu Aikido oder Judo. Auch hier werden viele Parameter geschult, die Dir in echten SV-Situationen nützlich sein können, halt nur nicht alle - (Schlagkraft, Situationstraining, Streßresistenz, Deeskalationsverhalten, eigener Angriff... ) fehlen.

Die meisten sind von der Philosophie eher auf die Verteidigung ausgerichtet. Doch Judo (eher Ringen) und Aikido (Seagals Stil jetzt mal aussen vor) gehören sicher nicht zur praxistauglichen Verteidigung. Win Chun Kung Fu habe ich auch mal gemacht, aber auch dort funktioniert die Abwehr nur halbwegs, wenn der andere dich auch damit angreift. Sieh dir besser einmal Ninjutsu oder Jiu-Jitsu an. Hab' ich früher längere Zeit gemacht. Die beiden schenken sich nichts und werden auch gerne an Polizeischulen gelehrt.

Es liegt weniger an den Kampfkünsten die alle ihre Berechtigung haben als vielmehr an der trainierten Taktik . Also defensiv oder offensiv .Beim Militär wird Technik XY zb.aus dem Jiujitsu in der Verteidigung Aggressiv offensiv eingesetzt.(ohne Rücksicht) Bei einem geschulten Polizisten wird im Verteidigungsfall die gleiche Technik defensiv (legal und Funktional) trainiert um den Angreifer soweit wie möglich zu schonen. Wir beim Kravmaga in Bocholt trainieren auch Kommunikation nur im Notfall Konfrontation. Dein Bootcamp Bocholt go hard or go home

Zunächst einmal müssen wir unterscheiden zwischen Kampfsport und Kampfkunst.

Im Kampfsport geht es immer darum im sportlichen Vergleich Punkte zu machen. Punkte jedoch gibt es nur, wenn man entweder eine besonders gute Aktion in der Verteidigung oder im Angriff gezeigt hat. Dies bedeutet umgekehrt: Der Gegner wurde besiegt, wäre im Ernstfall also kampfunfähig.

Im Kampfsport kann es also allein deshalb schon keinen rein auf Verteidigung ausgerichteten Stil geben. Stellen wir uns doch nur einmal einen Wettkampf vor, in dem beide Kämpfer auf den Angriff des anderen warten, weil sie ja nur Verteidigungen gelernt haben. Die Vorstellung ist absurd, nicht wahr?

In der Kampfkunst ist der Sport als Wettkampf entweder völlig ausgeblendet oder spielt eine untergeordnete Rolle. Es stehen hier eher der Mensch, seine geistige Entwicklung, sein körperlicher Fortschritt im Mittelpunkt. Der Praktizierende soll Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Geduld, Ausdauer, Charakterstärke, Aufrichtigkeit und ähnliches mehr erwerben, wozu die Kampfkunst ein Mittel zum Zweck ist.

Natürlich lernt der Übende Kampftechniken.

Aikido fällt mir bei der Frage nach rein auf Verteidigung ausgerichteten Kampfkünsten als erste und einzige ein. Doch bei genauerer Betrachtung relativiert sich auch dieses Bild, denn im Aikido werden natürlich auch Angriffstechniken geübt, damit der Aikidoka umgekehrt seine Abwehrtechniken üben kann. Allerdings muss zugestanden werden, dass der schwerpunkt eindeutig auf dem Üben von Verteidigungstechniken liegt.

Dennoch, wenn wir ganz ehrlich sind, so werden wir feststellen, dass auch eine "reine" Verteidigungstechnik im Grunde ein Angriff ist, denn in jedem Fall wird der Angriff des Gegners zerstört und das Ziel ist auch im Aikido den Angreifer außer Gefecht zu setzen.

In vielen Kampfkünsten wird mit direkter Kraft gearbeitet (harter Block gegen einen Angriff oder Fauststoß / Fußtritt gegen den Gegner), während im Aikido die Kraft des Gegners gegen ihn selbst genutzt wird.

Aber es spielt im Ergebnis eigentlich keine Rolle: Jede Verteidigung ist letztlich ein Angriff ebenso wie jeder Angriff umgekehrt auch eine Verteidigung sein kann.

Eine reinen Verteidigung ohne Gegenangriff wäre für den Ausführenden zudem extrem gefährlich, denn jeder durch Meidbewegungen neutralisierte Angriff provoziert natürlich einen neuen Angriff des Kontrahenten. Jede zusätzliche Chance die der Angreifer erhält, birgt die potentielle Gefahr, dass der Verteidigende ernsthaft verletzt wird. Im Ernstfall kann und sollte man sich aber nicht auf das Glück verlassen, sondern eine sich bietende Gelegenheit nutzen, um dem Angriff ein Ende zu setzen und die Gefahrensituation zu beenden. In diesem Sinne gilt noch immer: Die beste Verteidigung ist guter, starker Angriff.

Ich würde sagen Aikido kommt dem ziemlich nahe. Obwohl man manchmal einen anderen Eindruck bekommt, wenn man sich einen Steven Segal Film anschaut ;-)

Nein, leider nicht. In jeder Kampfkunst (bitte nicht Kampfsport, in der Selbstverteidigung gibt es keine Regeln) gibt es auch Angriffsformen.

Tactical Combat Escrima ist zur Verteidigung perfekt, nur noch ziemlich unbekannt.

Nach was genau suchst du denn?

Judo ist ein Kampfsport, der sehr stark auf Selbstverteidigung ausgelegt ist.

Hi,

ich stimme Kyra72 voll und ganz zu und lese aus deiner Frage, dass du einen Kampfsport/Kampfkunst zur reinen Selbstverteidigung sucht.

Wie bereits durch Kyra72 beschrieben, ist eine Strassenschlägerei überhaupt nicht mit einem Wettkampf zu vergleichen. Bei einem Wettkampf treten zwei Sportler gegeneinander an und kämpfen unter festdefinierten Regeln unter Obhut der Ringrichter.

Bei einer Schlägerei wird alles nur davon abhängen, ob du den ersten Schlag/Tritt ausweichen/meiden/blocken und dann kontern kannst. Denn nach einem Konter sind 95% der Gegner dermaßen eingeschüchtert, das nix mehr passiert.

Falls du den ersten Schlag nicht blocken/ausweichen kannst, wird die jeden 80jährige Oma mit ihrem Regenschirm fertig machen können :)

Auch ich als Boxtrainer ist für die Deeskalation / Flucht noch die beste Verteidigung.

Du solltest dir einen Kampfsport/Kampfsport des Sportes wegen aussuchen und dich wegen einer potentiellen Verteidigung.

Was möchtest Du wissen?