Welchen Vorteil hat dynamisches Dehnen?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Leider mit einiger Verspätung meine angekündigte Beantwortung und Richtigstellung: Zuerst zur Effektivität „dynamisches Dehnen versus statisches Dehnen“. In der Tat hat sich im Literaturvergleich mehrerer empirischer Untersuchungen das dynamische Dehnen gegenüber dem rein statischen Dehnen als effektiver zur Vergrößerung der Bewegungsreichweite von Gelenken erwiesen, nachzulesen bei http://www.biowiss-sport.de/kl-habil.pdf. Dabei hängt die Wirkung nicht davon ab, ob ein Muskel entspannt ist oder kontrahiert (evtl. im Rahmen eines Dehnungsreflexes), sondern der Trainingseffekt ist hauptsächlich von der beim Dehnen erreichten Gelenkwinkelstellung abhängig. Allerdings muss der Wirkungsvorsprung des dynamischen Dehnens als unerheblich eingestuft werden, als Vorteil lässt sich allenfalls der durchblutungsfördernde Effekt während der Dehnmaßnahmen anführen. Effektiver als das dynamische Dehnen ist allenfalls die eine oder andere PNF-Technik des Dehnens.

Zu den muskulären Reflexen: Der Dehnungsreflex dient auf keinen Fall als Schutz des Muskels vor Rissverletzungen; denn der Dehnungsreflex erhöht ja die intramuskuläre Spannung. Statt dessen ist die Aufgabe der Dehnungsreflexe a) das Regeln der Muskellänge auf einen vom ZNS vorgegebenen Sollwert (statischer Anteil) und b) das Unterstützen einer dynamischen Kontraktion durch reflektorisches Zuschalten zusätzlicher Muskelfasern (dynamischer Anteil). Die Sensoren (~= Rezeptoren) für die Dehnungsreflexe sind die in den Muskeln (parallel zu den Muskelfasern) liegenden Muskelspindeln. Sie registrieren nicht jede Bewegung im Muskel, sondern sie reagieren auf Längenänderung (Dehnung) der Fasern. Ist der Muskel zu stark gedehnt, erhöhen die Muskelspindeln reflektorisch den Kontraktionszustand, um die Muskellänge wieder zu vermindern. Die zusätzlich im Muskel (vorwiegend am Faser-Sehnen-Übergang befindlichen) Sehnenspindeln („Golgi-Sehnenorgane“) liegen nicht parallel zu den Muskelfasern sondern sind zu ihnen „in Serie“ geschaltet. Sie sind Spannungsrezeptoren, d.h., sie reagieren auf einen Spannungsanstieg im Muskel. Die Aufgabe ist a) eine Spannungsregelung im Muskel und b) tatsächlich ein Schutz des Muskels vor zu hohen Spannungen. Deshalb reduzieren die Sehnenspindeln den im Muskel herrschenden Kontraktionszustand, um die Muskelspannung zu reduzieren.

ok,jetzt hast du es biologisch ja korrekt dargestellt. ich wollte es etwas vereinfachen, wurde eben etwas ungenau :)

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wow tolle Antwort.

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