Welche Fahrräder werden zum 6-Tage-Rennen gefahren?

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2 Antworten

In zwei Punkten muß ich pooky definitiv widersprechen: 1. Der entscheidende Unterschied zwischen eine Bahnrad und einem Straßenrad ist die Rahmengeometrie. Für den Anfänger bei Radrennen generell ist sicher der starre Gang das Auffälligste, aber mit einem umgebauten Straßenrad würde man sehr große Probleme auf der Bahn bekommen, auch wenn es keine Bremsen und einen starren Gang hätte. Vor allem der Lenkkopfwinkel ist deutlich größer (die Gabel ist steiler), wodurch der Nachlauf verringert wird und das Fahrverhalten "nervöser" wird. Ein Straßenrahmen wäre für die Bahn zu "behäbig". 2. Die Übersetzungen, die er angibt, sind völlig falsch. Es wird in der Regel gefahren: *Bei Punktefahren, Zweier-Mannschaftsrennen usw.: 49/15 bis 53/15, am häufigsten nach wie vor die Bahn-Standard-Übersetzung 52/16 (z.B. Bruno Risi); *bei Sprintrennen: in der Regel 50/14 (entspricht auf der Straße in etwa 53/15). *bei Steherrennen: 60/14 und ähnliche Übersetzungen. Zu berücksichtigen ist ferner, daß meistens kürzere Kurbeln verwendet werden. Da der Unterschied zwischen 3 und 6% beträgt, kann man beim Kettenblatt in Gedanken 2 Zähne hinzuzählen um den Kraftaufwand beim Treten richtig einzuschätzen. Ansonsten gefällt mir die Schilderung von pooky, wie es auf der Bahn zugeht und worauf man achten muß, sehr gut.

pooky 11.12.2009, 10:47

Du musst mir nicht widersprechen, das mit der Rahmengeometrie habe ich geschrieben, schließlich fahre ich selbst Bahnrad, wie ich ebenfalls geschrieben habe. Ich habe die Antwort für die Sicht eines Anfängers geschrieben, der die veränderte Geometrie gar nicht spüren würde.

Hinsichtlich der Übersetzungen ist es auch sehr variabel. Unsere Trainingsräder haben vorn 54, hinten 12 Zähne, beziehungsweise 53-13, was anderes habe ich auch nicht geschrieben. Für bestimmte Wettkämpfe gibt es natürlich Abweichungen, aber das ist auch beim Straßenradsport der Fall.

Die Kurbel habe ich zur Geometrie gezählt, die am Rad, das ich fahre, hat eine 170er-Länge, genauso wie an meinen Straßenrennrädern. Aber in der Tat sind sie tendenziell kürzer, 165-170 mm, während Straßenräder 170 bis 175 mm haben.

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Alf280709 11.12.2009, 13:14
@pooky

Lieber pooky, ich möchte mich hier garnicht groß mit dir streiten - vor allem, weil du im Allgemeinen sehr gute Antworten gibst. Ich fände es aber besser, wenn du dich auf das beschränken würdest, was du beherrscht, und - sorry - vom Bahnradsport hast du definitiv keine Ahnung. Du schreibst: "Hinsichtlich der Übersetzungen ist es auch sehr variabel. Unsere Trainingsräder haben vorn 54, hinten 12 Zähne, beziehungsweise 53-13..." Auf der Bahn eine Übersetzung von 54/12 zu fahren (und 53/13 ist auch nicht besser) ist absolut abenteuerlich. Jeder, der auch nur ein bischen vom Bahnradsport versteht, wird dir das bestätigen. Dann schreibst du:"Ich habe die Antwort für die Sicht eines Anfängers geschrieben, der die veränderte Geometrie gar nicht spüren würde." Doch, der würde die spüren, wenn er nämlich mit der falschen auf's Maul fällt! Ich finde es im Interesse unserer Leser nicht sinnvoll, wenn wir hier kontrovers diskutieren. Andererseits kann man Dinge, die definitiv falsch sind, natürlich nicht stehen lassen. Ich würde dich daher bitten: Frag mal deinen Bahntrainer (ich hoffe, es gibt einen) nach den Übersetzungen und stell das, was du hier verallgemeinernd von Euren Trainingsrädern ausgehend geschrieben hast, richtig!

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pooky 11.12.2009, 17:04
@Alf280709

Da ich Kadersportler bin, werde ich wohl einen Trainer haben.

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Alf280709 13.12.2009, 02:07
@pooky

Ich hatte eigentlich nach dem Bahntrainer gefragt. Aber ich finde, mittlerweile ist das hier längst nicht mehr im Interesse der Leser. Wir sollten es dabei belassen, daß unsere Beiträge sich sehr gut ergänzen.

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rudolfrednose 13.12.2009, 23:46
@Alf280709

Danke Ihr Lieben für Eure super professionellen Antworten. Aber streiten solltet ihr euch deswegen wirklich nicht. Ich kann euch eh nicht mehr folgen ;-)

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Auf der Bahn werden üblicherweise keine normalen Rennräder gefahren, sondern Bahnräder. Der größte Unterschied, neben kleineren wie Lenkerform und Rahmengeometrie, besteht darin, dass sie weder Schaltung, Bremse noch einen Freilauf haben. Das bedeutet, dass man auch immer mittreten muss.

Bei den typischen Bahnraddisziplinen ist eine Schaltung oder ein Freilauf nicht erforderlich und aufgrund der auf der Radrennbahn gefahrenen hohen Geschwindigkeiten sogar gefährlich.

Denn beim Schalten oder Bremsen könnten sich die Geschwindigkeiten abrupt ändern, was auf einer Radrennbahn, die vergleichsweise wenig Platz bietet, gefährlich werden könnte. Gerade in den Kurven würde Bremsen, neben einer zu geringen Geschwindigkeit, dazu führen, dass Du nach unten (also links) abrutschen und somit stürzen würdest.

Akute Bremsungen werden daher auf der Bahn nicht durchgeführt, sondern bei drohender Gefahr, etwa durch einen möglichen Aufprall auf den Vordermann, wird nach rechts ausgewichen, was bedeutet, dass man auch nach oben fährt, dadurch wird das Rad allein schon durch den Auftrieb gebremst.

Um die Bremswirkung zu erhöhen, nimmt man zusätzlich den Druck aus dem Pedal oder man tritt sogar gegenläufig zum Antrieb, das nennt man dann "Kontern", was bei einem Rad mit Freilauf nicht möglich ist.

Durch den fehlenden Freilauf, also dem starren Gang, was nichts anderes bedeutet, als dass die Verbindung zwischen Kettenblatt als auch die Übersetzung fest ist, hat der Bahnradsportler somit eine höhere Stabilität und eine gute Kontrolle über das Rad, da er es über den Antrieb besser steuern kann, als dass es mit einem Freilauf möglich wäre.

Die Übersetzung variiert hier, je nach Disziplin und Trainingsstand, aber in der Regel ist es so, dass das Kettenblatt dem großen beim Straßenrennrad entspricht, also zwischen 52 und 54 Zähnen hat, hinten wieder einem kleinen Ritzel entspricht, zwischen elf und 13 Zähnen.

Es handelt sich also um eine sehr große Übersetzung, die nicht nur viel Kraft erfordert, sondern auch eine hohe Belastung für Gelenk, Bänder und Sehnen ist, an die man sich durch Training gewöhnen und anpassen muss.

Ich selbst bin eigentlich Straßenradsportler und trainiere im Winter gelegentlich auf der Bahn.

Ich gebe Dir den Ratschlag, Dir nicht zuviel zuzumuten. Es ist eine für einen Anfänger nicht ganz einfache Angelegenheit. In den Steilkurven ist es beispielsweise so, dass hier je nach Winkel und Bereich eine Mindestgeschwindigkeit gefahren werden muss, weil man dann sonst abrutscht.

Hier in Berliner Velodrom haben wir, wie für den internationalen Wettkampf üblich, eine 43 Grad-Kurve. Rechts, also oberhalb der blauen Steherlinie musst Du schon jenseits der 35 Stundenkilometer fahren, um überhaupt in diesem Bereich bleiben zu können, da Du sonst abrutscht, was nicht ungefährlich ist.

Beim Anfahren aus dem Stand ist es wichtig, dass die Schuhe absolut fest mit den Pedalen verbunden sind, also keinesfalls abrutschen. Dann musst Du langsam Fahrt aufnehmen, einerseits wegen der oben beschriebenen hohen Übersetzung, andererseits um sich an die Bahn zu gewöhnen.

In den Steilkurven nicht in die Kurve lenken, sondern gerade halten, dafür ist sie ja steil, um quasi eine gerade Strecke zu simulieren. Erst mit höheren Geschwindigkeiten kannst Du Dich langsam nach rechts, also nach oben orientieren.

Auf keinen Fall abrupt aufhören zu treten! Durch die starre Verbindung werden Deine Beine sonst mitgerissen, das kann Dich nicht nur verletzen, sondern auch vom Rad holen!

Durch die hohe starre Übersetzung und des hohen Tempos, das Du in den Kurven fahren musst, um weiter oben zu fahren, hast Du einen hohen Krafteinsatz und das führt dazu, dass Du eher eine anaerobe Belastung haben wirst.

Du kannst natürlich auch langsamer fahren und Dich an der Innenbegrenzung halten. Hier ist die Neigung in der Kurve am geringsten und somit auch am risikoärmsten. Dafür fehlt aber hier der Reiz an der Steilkurve.

Manche Bahnen haben auch flachere Steilkurven, die nicht für den internationalen Wettbewerb gedacht sind. Hier kannst Du Dich natürlich auch mit einer niedrigeren Geschwindigkeit hochwagen.

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