Was versteht man unter der "Willkürmotorik"?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Unter Motorik versteht man die Gesamtheit der Bewegungen zusammen mit ihren Steuerungsprozessen durch das Zentralnervensystem.
Die menschliche Motorik lässt sich grob einteilen in die
-- Rückenmarksmotorik (~ Reflexmotorik),
-- Stützmotorik,
-- Willkürmotorik (besser: Handlungsmotorik bzw. Zielmotorik)).

Die Rückenmarksmotorik umfasst diejenigen Reflexe, die von den peripheren Sinnesorganen (bzw. Sinneszellen = Rezeptoren) in Haut, Muskeln und Bindegewebe ausgehen, im Rückenmark verschaltet werden und von dort direkt wieder zur Muskulatur verlaufen. Beispiele sind: Muskeldehnungsreflexe, Muskelspannungsreflexe, Beuge- und Streckreflexe u.a.m.

Die Stützmotorik umfasst alle motorischen Leistungen, die mit der Einhaltung und Kontrolle der aufrechten Körperhaltung verbunden sind. Die sensorischen Informationen stammen von den Gleichgewichtssinnesorganen, den Druckrezeptoren z.B. an den Fußsohlen, den Stellungsrezeptoren in den Gelenkkapseln, den Dehnungs- und Spannungsrezeptoren der Skelettmuskeln und der Augenmuskeln. Diese Informationen werde im „Hirnstamm“ (Mittelhirn, verlängertes Rückenmark) und Kleinhirn verarbeitet und an die Willkürmotorik angepasst und zu den Muskeln zur Korrektur der Körperhaltung bzw. zur Anpassung der Körperhaltung an die Ziele der Willkürmotorik geschickt.

Die Willkürmotorik (Handlungsmotorik) umfasst alle motorischen Äußerungen, die vom Großhirn gesteuert werden, gleichgültig ob sie willentlich beabsichtigt oder unwillkürlich ausgelöst werden, weil identische Verarbeitungsmuster vorliegen. Zur Koordination werden Informationen aus allen Sinnessystemen verarbeitet. Diese Informationen werden im Thalamus gesammelt, bevor sie auf die einzelnen Verarbeitungsstationen des Großhirns verteilt werden. Zur Zusammenstellung des angezielten Bewegungsmusters werden (entweder spontan oder gemäß eines im „supplementären motorischen Areal“ gebildeten Bewegungsentwurfes) die passenden Programme abgerufen, die einerseits in den Basalganglien (angeborene Motorik), andererseits in den Kleinhirnhemisphären (erlernte Motorik) gespeichert sind. Nach Integration wird das fertige Bewegungsmuster (Innervationsmuster, „Bewegungsbefehle“) auf dem Weg über die Pyramidenbahn ins Rückenmark und weiter in die Muskulatur geschickt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
wiprodo 03.03.2016, 17:54

Nachtrag: Die 3 Ebenen arbeiten nach dem Subsidiaritätsprinzip: Jeder Ebene so viel Selbständigkeit wie möglich und nur so viel Einfluss von der übergeordneten Ebene wie notwendig.

0

I. Es gibt Muskelzellen, die nicht unter Willkurmotorik ansprechbar sind da sie vegetativ sind. Dazu zählen einige Eingeweidemuskeln, wie der Magen, meines Wissens auch das Herz und höchst wahrscheinlich auch der Darm.

II. Die Basalganglien sind höhere Hirnzentren in den Bewegungen programmiert oder gesteuert werden. Diese arbeiten auch mit dem Thalamus zusammen, der das Tor zum Bewusstsein ist und man sich durch sich seiner Bewegungen bewusst wird.

Ergänzend zu I. kann man noch sagen, dass der Pupillenmuskel sowie viele andere Muskeln die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden, ebenfalls zum Teil nicht unter die Willkürmotorik fallen. So verengt sich unbewusst ohne willentliche Steuerung die Pupille durch den Musculus sphincter pupillae bzw. des Musculus dilatator pupillae.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

...ups, bin versehentlich auf Frage erneut stellen gekommen. Wollte eigentlich nur den Link hier posten, wo alles genau erklärt ist.

http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/willkuermotorik/14026

Ganz grob gesagt fallen unter Willkürmotorik alle Bewegungen, die bewusst und gewollt durchgeführt werden, im Gegensatz beispielsweise zu Reflexen wie Patellasehnenreflex. Der Thalamus und die Basalganglien sind Areale im Hirn, die bei der willkürlichen Motorik Aktivitäten zeigen, allo beteiligt sind.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?