Verwirrung bei Klettergraden?

2 Antworten

Angaben wie "Klettereien im I., II., III. Grad" beziehen sich schon auf die UIAA-Skala. Aus den expliziten Hinweisen darauf schließe ich, dass es sich hier um keine Kletterrouten an sich, sondern um Wege traditionellen Bergsteigens handelt, die jedoch Kletterpassagen bis zum genannten Grad beinhalten.

Obwohl Übertragungen der Leistung aus der Halle an den Fels immer mit Bedacht und Respekt anzugehen sind, sollte jemand, der drinnen VII klettert, draußen wohl tatsächlich mit III keine Probleme haben. Die "Warnungen" beziehen sich z. B. auf Überlegungen, ob man den IIIer auch mit den Bergstiefeln/Trekkingschuhen, die u. U. für andere (die meisten) Teile der Tour angemessen sind, ohne weiteres begehen kann.

Hauptsächlich wird es aber um die Absicherung gehen. Denn die ist draußen generell kaum und in den unteren Graden gar nicht mit jener in Hallen zu vergleichen. Selbst in reinen Sportklettergebieten gibt es durchaus IIIer, auch IVer, in denen man vergebens nach Bohrhaken/Bühlern sucht – oder mal einen auf 20 Metern findet. Da gilt es zunächst, den genauen Routenverlauf auszumachen, da man sich ja nicht an der "Hakenleiter" orientieren kann. Dann folgt die Entscheidung, ob man sich den Durchstieg – verhältnismäßig leicht hin und her – auch mehr oder weniger ungesichert zutraut. Das auch bezüglich Beurteilung der Felsbeschaffenheit. Im Zweifel wollen die Sicherungen mittels Klemmkeilen/Friends/Schlingen selbst gelegt werden. Das erfordert nicht nur entsprechende Ausrüstung, sondern auch kundigen Umgang damit. Im Gebirge kann es nicht selten vorkommen, dass man gar Standplätze selber "basteln" muss, um den Partner nachzuholen.

Kurzum: Schwierigkeitsgrade sind eine Sache, Absicherung jenseits von Halle/Klettersteig ist eine andere.

Grüße, Ed

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung

Hallo Kubikfranz,

das hast Du schon richtig gelesen, das kann ich auch so bestätigen. Ich selber klettere auf einem ähnlichen Niveau wie Du in Münchner Hallen (eher 7-)

Für mich gibt es mehrere Einflussfaktoren:

  1. Bist Du schon mal selber im Felsklettergarten unterwegs gewesen? Ich selber (und auch die meisten meiner Kletterpartner) sind draußen ca. 1 Grad schwächer als in der Halle. Das liegt daran, dass Hallenrouten offensichtlicher "zu lesen" sind - die bunten Plastikknöpfe sagen halt wo man jetzt hinlangen oder hintreten soll
  2. Die Absicherung ist immer schlechter (auch bei gut abgesicherten Felsen hat man ca. nur noch die Hälfte an Haken wie in der Halle)
  3. Bei Mehrseillängen kommt noch die Dauer der Route dazu sowie eine größere psychische Belastung durch Ausgesetztheit. Lange Routen erfordern auch schnelles Klettern und gutes Seilhandling.
  4. In klassischen Alpinrouten sind die Bedingungen nochmal schwerer (wenig bis gar keine Absicherung, unzverlässiger Fels, die Route muss selber gesucht werden)

Ich selber bin mit einer "klassischen" IV im Kaiser oder Wetterstein bestens bedient.

Die Touren die Du eingangs genannt hast sind allerdings eher Touren des "klassischen Bergsteigens" um den II. Grad UIAA.
Rein klettermäßig ist das nicht schwer, das bekommst Du sicher hin. Die Touren sind allerdings lange (Jubi 6-7h bei schneller Gangart) und auch nicht so gut absicherbar (Jubi vielleicht die 2 bis 3 schwersten Stellen, die Waxensteinrinne gar nicht), Du musst schnell sein und trittsicher im brüchigen und gerölligen Gelände und darfst Dir keinen Fehltritt erlauben. Die Kletterschuhe musst Du dafür eh daheim lassen.

Viel Erfolg weiterhin!

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