Verbesserung der Maximalkraft = Verbesserung der Schnelligkeit?

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5 Antworten

die schnellkraft und die schnelligkeit sind in hohem maße von der maximalkraft abhängig. gehen wir mal von einer stark vereinfachten these aus:eine erhöhte maximalkraft führt zu einer erhöhten schnelligkeit- wie lässt sich das erklären ?

a) je größer die maximalkraft, desto mehr kontraktile elemente besitzen die muskelzellen ( d.h. myosin und aktinfilamente, und damit auch mehr myosinköpfchen, die für die kontraktion unverzichtbar sind)- dies geschieht durch hypertrophie, also einlagerung neuer kontraktiler elemente ( hier lasse ich die maximalkraft im sinne der intramuskulären koordination aus, da das ZNS in diesem zusammenhang eine andere rolle spielt, komme gleich dazu)

es können schließlich mehr potenziell mögliche brückenbindungen (aktin-myosionverbindungen) zwischen den kontr. elementen entstehen--> je größer die zahl der brückenbindungen pro zeiteinheit, desto größer ist die entwickelte muskelkraft

das ist die erste zentrale voraussetzung für schnelle kontraktionsvorgänge (schnellkraft)

b) die schnelle kontraktion eines muskels ist aber auch von der asynchronität (schnell wechselndes anheften und ablösen der myosionköpfe) der brückenbindungen abhängig. mehr muskelmasse durch querschnittszunahme (und damit die maximalkraft) bedeutet nicht nur insgesamt mehr potenziell mögliche brückenbindungen, sondern auch mehr asynchrone BB ! dies hat eine steigerung der kontraktionsgeschwindigkeit zur folge

hier aber sieht man, dass die schnellkraft auch nur dann erhöht wird, wenn sie neben der maximalkraft zusätzlich trainiert wird (punkt b!) wenn nur a) der fall wäre, würde sich die schnelligkeit nicht verbessern- da das ZNS an langsame bewegunsausführungen gewöhnt wird und die koordination noch nicht ausgereift ist

erst wenn die maximalkraft in verbindung mit einem schnellkrafttraining trainiert wird, führt dies zu einer erhöhten schnelligkeit/schnellkraft

grund: siehe b). mehr potenziell mögliche brückenbindungen bringen nichts, wenn die asynchronität der muskelfasern nicht trainiert wird- dies gescheit durch ein spezifisches sprint- und sprungkrafttraining (und auch anderen komponenten der schnelligkeit), bei dem das nervensystem an schnelle kontraktionsvorgänge herangeführt wird

die maximalkraft im sinne der intramuskulären koordinaton (wie viele muskelfasern bei einer kontraktion mitinnerviert werden und kontrahieren--> ist je nach trainingszustand sehr unterschiedlich!) führt ebenfalls zu einer erhöhten schnellkraft, da mehr brückenbindungen in den fasern gebildet werden, die nun auch mitinnerviert werden und zuvor an einer bewegung nie beteiligt waren

wiprodo 24.07.2012, 15:27

Wie immer, zeigst du hier eine Menge Fachwissen! Allerdings hättest du genauer zwischen „Schnelligkeit“, Geschwindigkeit und Beschleunigung unterscheiden müssen. Tatsächlich steigt mit dem Anwachsen der Muskelkraft die Beschleunigung, d.h. ein starker Muskel kann eine Körpermasse in kürzerer Zeit auf eine vorgegebene Geschwindigkeit bringen als ein schwächerer Muskel. Die Bewegungsgeschwindigkeit hängt aber in großem Maße von der Verkürzungsgeschwindigkeit der Muskelfasern (genauer: von der Geschwindigkeit, mir der Aktin- und Myosinfilamente bei der „Brückenbildung“ aneinander vorbeigleiten) ab. Und die ist – je nach Muskelfasertyp – leider begrenzt und zwar unabhängig vom physiologischen Querschnitt und kann über diese Grenze hinaus nicht gesteigert werden. Im Weiteren hast du bzgl. der „Schnelligkeit“ Recht: Koordination ist gefragt, nicht nur intramuskulär, sondern auch intermuskulär!

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Dino111 24.07.2012, 21:23
@wiprodo

danke für die ergänzungen! wieder was dazugelernt^^

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freshview 28.07.2012, 18:31

Kurze Frage: was genau versteht man unter der Asynchronität der Muskelfasern? Ich dachte es ist wichtig, dass diese synchron arbeiten? Danke für die super Antwort!

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Dino111 28.07.2012, 20:18
@freshview

allgemein das anheften und ablösen der myosinköpfchen.. es sind ja hunderte wenn nicht tausende in einem sarkomer (kleinste einheit der muskelzelle), und diese arbeiten nicht alle synchron. eine gleichzeitiges anheften aller köpfchen ist so gut wie unmöglich. zudem ist eine asynchronität unverzichtbar um die aktinfilamente in die mitte zu ziehen. es ist schwer mit text diesen vorgang zu beschreiben, schaue dir am besten im internet bilder zur kontraktion an dann versteht man es auch leichter! ein beispiel: wenn 100 leute einen baumstamm gleichzeitig nach hinten ziehen wollen (sie sitzen an der seite) kommt er nicht weit. aber wenn jeder einmal zieht loslässt und wieder zieht, und alles asynchron abläfut, dann wird der baumstamm (hier das aktin) irgendwann ganz hinten sein! :D

was du meinst ist dass im ganzen gesehen alle muskeln die an der bewegung beteiligt sind perfekt miteinander "harmonieren" (intermuskuläre koordination und nicht intra). im endeffekt ist es wichtig, dass der muskel nicht kontrahiert wenn er nicht kontrahiert werden soll (verletzungsgefahr), dies wird aber automatisch vom nervensystem reguliert und ist nicht willentlich beeinflussbar (z.b. wenn du mal nach muskeldehnungsreflex googlest).

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Die Fähigkeit der Schnelligkeit hängt im wesentlichen davon ab, wie schnell die Muskeln in möglichst vollständig kontrahieren können. Je mehr Kraft zur Verfügung steht, desto schneller können die Muskeln kontrahieren. Das ist allerdings stark vereinfacht, denn die Leitfähigkeit der Nerven, die Fähigkeit die Muskeln so vollständig wie möglich zu entspannen, auch dies ist wichtig. Kommt das Signal zur Kontraktion zu langsam zum Muskel ist natürlich auch keine schnelle Anspannung möglich. Sind die Muskeln bereits Zustrom vorgespannt, ist Nr noch eine geringe zusätzliche Anspannung bis zur vollständigen Kontraktion möglich. Damit kann weder viel kraftnoch Schnelligkeit entwickelt werden.

Naja. Eine Steigerung der Maximalkraft über einen längeren Zeitraum hat mit Sicherheit auch automatisch eine Steigerung der Schnelligkeit zur Folge, da du ja ansonsten auch auf Schnelligkeit trainierst. Wie du ja weisst, ist es das ZNS, welches in erster Linie für mehr Kraft sorgt. Das gilt natürlich für die Schnellkraft als erweiterte Form der Maximalkraft sowieso. Was alles genau dahinter steckt ist wissenschaftlich sehr komplex.

Ist es aber nicht auch so, dass eine erhöhte Muskelfaserinnervation gleichzeitig eine herhöhte Aktivierung der FT-Fasern bedeutet? Werden zusätzliche FT-Fasern nicht überhaupt erst dann aktiviert, wenn man gegen maximale Widerstände arbeitet?

Das hängt zusammen. Wer schnell ist, ist auch kräftig! Und umgekehrt... Muskeln machen eben schnell.....

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