Umstieg auf Rennrand

3 Antworten

Das ist ein sehr umfassendes Thema, eine vollständige Beantwortung Deiner Frage ist somit sehr schwierig.

Zunächst müssen wir die Frage klären, welchen Anspruch Du hast. Hast Du leistungsorientierte Ambitionen oder möchtest Du nur der Ausdauer wegen fahren? Wieviel Geld möchtest Du ausgeben?

Als "Anfänger" brauchst Du sicher kein Rad, dass 6.000 und mehr Euro kostet (selbst als erfahrener Sportler nicht unbedingt), allerdings solltest Du schon damit rechnen, mindestens um die 1.000 Euro investieren zu müssen. Hierfür bekommst Du aber schon ein nicht allzu schweres Alu-Rad mit vernünftigen Komponenten.

Zunächst zum Material des Rahmens.

Aluminium ist das Material, das nach wie vor am häufigsten eingesetzt wird, wenn auch ein Großteil der neuen Räder mit Carbon-Rahmen ausgeliefert werden.

Die Stärken des Aluminiums sind die hohe Festigkeit bei dünnen Wandstärken und damit verbundenen geringerem Gewicht sowie die Korrosionsbeständigkeit. Außerdem ist Aluminium vergleichsweise preiswert, da hier eine höhere Produktionsmenge erreicht werden kann. Sehr leichte Aluminiumrahmen erreichen das Gewicht eines Carbon-Rahmens, sind aber extrem anfällig für Beschädigungen beim Sturz, da die Wandstärken bis auf 0,6 Millimeter reichen. In der Regel haben solche Schäden aber nur kosmetische Folgen (Beulen).

Bei Carbon dagegen sind Beschädigungen zunächst nicht sicht- und erkennbar, doch im Gegensatz zu Aluminiumrahmen kollabiert das Material ohne Ankündigung und sofort, so dass Carbon nach schwereren Einwirkungen ausgetauscht werden sollte. Carbon hat aber den Vorteil, dass bei leichterem Gewicht eine gleiche oder höhere Steifigkeit des Rahmens erreicht werden kann. Dafür sind solche Rahmen aber teurer.

Rahmen aus Stahl sind hingegen selten geworden und werden nur noch von Puristen gefahren. Sie sind vergleichsweise schwer, wirken durch die schmaleren Rohre aber auf manchem filigraner. Titan ist sehr haltbar und angesichts der nicht erforderlichen Lackierung für Puristen interessant, vergleichsweise leicht, aber auch sehr teuer. Für das gleiche Geld bekommt man bei den anderen Materialien mehr Rad, somit spielt Titan heute kaum eine Rolle.

Sehr leichte Carbon-Rahmen wiegen um die 800 Gramm, die leichtesten Alu-Rahmen liegen bei knapp 1.000 Gramm.

Bei Wettkampf- und ambitionierten Sportlern könnten bei Carbon Vorteile haben. Freizeitradler benötigen jedoch einen Rahmen, der einiges aushält und da ist Carbon nicht zu empfehlen. Ein Schlag aus falscher Richtung, schon können Fasern geschädigt werden. Das Schlimme: Das ist oft nicht sichtbar, ein Bruch kündigt sich bei diesem Material nicht an.

Ich würde Dir eher einen guten Alurahmen empfehlen, hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wesentlich besser.

Zu den Komponenten:

Hier gibt es inzwischen drei große Hersteller, nämlich Shimano, Campagnolo und SRAM, von den reinen Verkaufszahlen her auch in der Reihenfolge zu sehen, qualitativ sind die teuren Spitzengruppen (Dura Ace, Super Record und Red) nahezu gleichauf, wobei es hier und da jeweils eigene Stärken und Schwächen gibt, auch die Bedienkonzepte sind unterschiedlich, wobei es hier in erster Linie eine Geschmacksfrage ist.

In der unteren Preisklasse befinden sich bei Shimano die Gruppen Tiagra, Sora und 105, wobei die 105 eher an die höherpreisigen anknüpft, als die beiden erstgenannten. Diese haben einfachste Technik und sind vom Preis-Leistungsverhältnis eher weniger empfehlenswert. In diesem Punkt schneidet am besten die Shimano Ultegra-Gruppe ab, die auch am häufigsten verbaut wird. Die rangiert hinter der Spitzengruppe Dura Ace an zweiter Stelle und ist ohne Einschränkung zu empfehlen und bei Shimano aus meiner Sicht erste Wahl. Räder mit dieser Gruppe bekommst Du bereits für 1.500 Euro.

Bei Campagnolo beginnt die Hierarchie unten bei der Gruppe namens Veloce. Sie ist wie die genannten Einsteigergruppen von Shimano sehr einfach gestrickt. So gibt es hier und da einfachere Schleifscheiben statt Kugellager. Eine bessere Wahl ist die Centaur, die an die besseren Gruppen anknüpft und sogar einige Carbonteile schon hat, zum Beispiel die Bremsgriffe. Darüber gibt es noch teurere und leichtere Campa-Gruppen, etwa Chorus, Record und ganz oben Super-Record mit noch mehr Carbon-Teilen. Tendenziell ist Campagnolo teurer als Shimano, wenn auch die Funktion nicht unbedingt besser oder schlechter ist. Es ist eine Glaubensfrage, ich fahre selbst Campagnolo (Record) und bin sehr zufrieden. Meine Kaufempfehlung ist hier die Centaur-Gruppe.

Der Dritte im Bunde ist SRAM, auch der jüngste im Rennrad-Bereich. Da markiert die Gruppe Rival das untere Ende, dazwischen gibt es die Force und ganz oben rangiert. Eine direkte Kaufempfehlung kann ich hier nicht geben, da ich selbst keine Erfahrung mit SRAM-Rennrad-Komponenten habe, muss aber leider berichten, dass die U23-Bundesliga-Mannschaft in unserem Verein kürzlich mitten in der Saison SRAM aussortiert hat, weil es übermäßig viele Defekte gab und vor allem der Hersteller keine Ersatzteile liefern konnte.

Zum Kauf:

Zunächst die Marke nicht allzu wichtig. Bedeutender sind die schon genannten Komponenten. Wie ich schrieb, bekommst Du ab 1.000 Euro schon vernünftige Modelle mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis und einem Gewicht von rund neun Kilogramm. Günstigere Modelle haben meistens keine sortenrein verbauten Komponenten, sondern Markenprodukte werden an einigen Stellen oft durch Billigteile ersetzt, zum Beispiel Naben, Innenlager, Schalt- und Bremszüge, Bremskörper, Steuersatz oder Sattelstütze. Nur die besonders markanten Stellen, wie Kurbel und Schaltwerk, sind dann mit besseren Modellen ausgestattet, weil die meisten zunächst dorthin schauen. Das kann Dir auch bei Mittelklasse-Modellen für 1.500 Euro passieren, also aufpassen.

Hinweis zu den Läufrädern: In der Regel sind heute Systemlaufräder verbaut, das heißt: Felge, Speichen und Naben bilden im Gegensatz zu Laufrädern mit standardisierten Teilen ein aufeinander abgestimmtes System. Gute System-Laufräder stellen Hersteller wie Mavic, Campagnolom, Shimano oder Fulcrum her. Auch hier gilt: Je teurer, desto leichter. Da die Räder auch Schwungmasse darstellen, ist das ein nicht unerheblicher Punkt. Einfache Laufradsätze (Vorder- und Hinterrad) wiegen rund 2.000 Gramm, sehr leichte gegen dagegen gut die Hälfte.

Ansonsten sollte der Rahmen gut verarbeitet sein, das heißt, die Schweißnähte sauber sind, die Lackierung ohne Fehler ist. Außerdem sollte er genau passen. Einen Tipp zur Sitzposition findest Du hier:

www.sportlerfrage.net/tipp/richtige-sitzposition-auf-dem-rennrad-und-mtb

Auf jeden Fall würde ich Dir den Rat eines Fachhändlers vor Ort empfehlen.

Wenn Du noch kein Rennrad gekauft hast, rate ich Dir zudem von Versandrädern ab. Die sind zwar oft sehr gut und haben ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, allerdings muss man hier schon eigene Erfahrungen hinsichtlich der Größe und Geometrie haben.

Ich würde Dir einen kleineren Laden empfehlen, in dem Du gründlich beraten wirst. Aber Vorsicht: Manch verlockenes Rad mit scheinbar guter Ausstattung hat den bereits oben genannten Komponentenmix, also aufpassen.

Ich empfehle Dir übrigens die Lektüre der aktuellen (Februar-) Ausgabe des Tour-Magazins. Dort wurden Räder für rund 1.500 Euro getestet, der wohl am meisten verkauften Preiskategorie. Viele davon sind mit der genannten Ultegra-Gruppe von Shimano ausgestattet und mit acht bis 8,5 Kilogramm auch nicht besonders schwer.

Noch ein Tipp:

Derzeit gibt es noch viele Auslaufmodelle zum günstigen Preis.

Da die Produktzyklen bei Rädern und Komponenten zum Glück länger sind, als in anderen Bereichen, bekommst Du noch nicht einmal veraltete Technik. Wenn sie verändert wird, dann sind diese Änderungen marginal, etwa durch ein anderes Finish oder andere kleinere Modifikationen bzw. Verbesserung.

Nur alle paar Jahre kommt es zu größeren Veränderungen, zum Beispiel jetzt bei der Firma Campagnolo, die derzeit bei den Spitzengruppen die 11-fach-Schaltung einführt. Die bis dato aktuellen 10-fach-Gruppen sind wie die Komponenten der Mitbewerber ausgereift und gut.

Bei Shimano sind die Änderungen dagegen gering, lediglich die Einführung der elektronischen Schaltung zusätzlich zu den bestehenden Gruppen ist nennenswert. Bei den Rahmen gibt es ebenfalls kaum Veränderungen.

Somit kannst Du im Regelfall beruhigt auf Modelle des Jahres 2008 oder 2007 zurückgreifen, zumal diese im Moment günstig zu bekommen sind.

Wow pooky, super interessante Antwort! Wenn ich könnte würde ich dir zwei Daumen geben ;-) Der eine Daumen ist dir sicher!

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Respekt! Die Antwort hat nicht nur Quantität sondern auch Qualität!

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Im Prinzip ist schon alles gesagt worden und da du ja vom Mountainbiken kommst weißt du ja wie sich das Radfahren als solches auch anfüllt. Primär solltest du dir aber überlegen welche Ziele du mit dem Radsport verfolgst. Als Ausdauer und Hobbie oder doch eher etwas Leistungsorientierter mit Rennambitionen wonach sich auch deine Auswahl der Komponenten richten sollte. Ich selbst betreibe seit 6 Jahren wieder aktiv Radsport ( ohne Wettkampfambitionen ) und habe mir damals ein Rennrad in der Preisklasse von 1800 Euro gegönnt da ich, als Wiedereinsteiger oder gerade deswegen, schon einen gewissen Komfort haben wollte. Hier habe ich mich für einen Aluminiumrahmen mit Slooping ( negativ abfallendes Oberrohr ) welches eine für mich bessere Sitzposition gegenüber einem geraden Oberrohr bietet, entschieden. Bei den Komponente habe ich auf die Campagnoloreihe zurückgegriffen, wobei Shimano ebenbürtig und auch preiswerter ist. Laufradmäßig bin ich bei Mavic Krysium mit den Messerspeichen hängen geblieben. Mittlerweile bin ich zwar immer noch Hobbiemäßig unterwegs, habe aber meine Intensität erhöht und mein Rad vor kurzem mittels neuen Rahmenset und Carbonlaufrädern aufgerüstet. Im Endeffekt ist dies auch eine individuelle Geschmackssache mit der Frage verbunden was einem das Material unabhängig von der Leistungsorientierung wert ist. Ich kann mir vorstellen das du auf Grund deiner Mountainbikezeit auch einen gewissen Anspruch an das Material hast. Du bekommst Rennräder durchaus auch schon für 1000 Euro.

Hallo Weezer,

eine Kaufempfehlung kann ich Dir leider nicht geben. Dafür kenne ich mich nicht ausreichend gut im Markt aus.

Der Unterschied zwischen Alu- und Carbon-Rahmen liegt überwiegend im Gewicht. Die leichtesten Rahmen sind aus Carbon. Meines Wissens liegt der leichteste Momentan bei knapp über 800g und trotzt dennoch dabei maximale Krafteinwirkungen. Auch das Leichtbaupotenzial von Aluminium ist gut und kann bei entsprechender Verarbeitung in die Nähe von Carbon-Rahmen kommen. Deneben gibt es noch Titan und Stahl, die aber von geringerer Bedeutung sind.

Aluminium-Rahmen sind im alltäglichen Gebrauch robuster als Carbon und dabei günstiger. Ausser einem Mehrgewicht von wenigen hundert Gramm bringen Alu-Rahmen keine weiteren Nachteile mit sich.

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