Neuronale Anpassungèn nach Krafttraining

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2 Antworten

Die „zentralen“ Effekte beziehen sich auf Effekte im „zentralen Nervensystem“. Neuronale Anpassungen nach Krafttraining sind somit Anpassungen in der Funktion der Nervenzellen (= Neuronen), also „Lernprozesse“ im Gehirn, und bedeuten, dass der Körper lernt, die durch das Training verbesserten Kraftmöglichkeiten bei der Ausführung von Bewegungen entsprechend zu berücksichtigen. Auch der Hinweis, dass die Anpassungen auf „supraspinaler“ Ebene stattfindet, weist auf die Beteiligung des Gehirns hin (supraspinal = oberhalb des Rückenmarks). Das geschieht speziell im Kleinhirn (= Cerebellum), in dem die erlernten Bewegungsprogramme gespeichert sind und ständig an wechselnde Bedingungen angepasst werden müssen.
Wenn z.B. ein Muskel eine bestimmte Zielbewegung ausführen soll, aber ein höheres Kraftpotential zur Verfügung hat als bisher, muss das Cerebellum einen geringeren Prozentsatz an Muskelfasern aktivieren (= rekrutieren, frequenzieren und synchronisieren) als vor dem Krafttraining, damit die Bewegung nicht über das Ziel hinausschießt.

kramorius 23.10.2013, 14:54

Danke für die ausgiebige Antwort! Noch einmal kurz und knapp, damit ich sicher sein kann es richtig verstanden zu haben:

Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, dass neuronale Anpassungen nach Krafttraining im Prinzip auf Veränderungen (in jeglicher Hinsicht) der Bewegungsprogramme im Cerebellum zurückzuführen sind? Oder sind noch andere Gehirnareale maßgeblich daran beteiligt bzw. von den neuronalen Anpassungen betroffen??

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wiprodo 25.10.2013, 13:02
@kramorius

Das Cerebellum (noch exakter: das Neocerebellum) ist diejenige Hirnstation, die für die neuronalen Anpassungen erlernter Bewegungsprogramme an veränderte muskuläre Bedingungen durch Krafttraining hauptsächlich verantwortlich ist.
Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass sich auf der Ebene des motorischen Cortex auch Anpassungen vollziehen. Dies kann aber nicht komplexe erlernte Bewegungsprogramme betreffen, sondern lediglich Modifikationen in der motorischen Innervation.

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Moin,

ich weiss jetzt nicht, was die mit "zentral" meinen - ist das bei euch eine feststehende Begrifflichkeit oder meint man das im Sinne von "Dreh- und Angelpunkt"?!

Die nervliche Anpassung besteht darin, dass die Muskulatur besser angesteuert wird. Und zwar einmal durch ein besser werdendes Zusammenspiel unterschiedlicher Muskeln (inter-muskulär) und zum Anderen durch eine höhere Aktivierung der motorischen Einheiten innerhalb eines Muskels (intra-muskulär).

Stattfinden tut das Ganze im Zentralen Nervensystem bzw. im Endeffekt an den motorischen Endplatten.

Leider habe ich im Detail viel zuwenig Ahnung von diesen Vorgängen. Aber vielleicht hilft Dir das ja ein kleines Stück weiter!^^

kramorius 21.10.2013, 17:32

Vielen Dank für deine Antwort!

Ich denke, dass es sich bei "zentraler Effekt" um einen feststehenden Begriff handelt. Leider habe ich dazu nichts mehr gefunden. Vielleicht ist es ja eine Anspielung auf das zentrale Nervensystem im Gegensatz zum peripheren Nervensystem?

So bliebe immer noch der genaue Ort der Anpassung zu bestimmen. das ZNS als Ort anzugeben wäre relativ unpräzise. Und sind die motorischen Endplatten noch Teil des ZNS? Die liegen ja schon ziemlich in der Peripherie^^

Weiß jemand, ob meine im Eingangsbeitrag erwähnte Vermutung stimmt, dass veränderte/verfeinerte Bewegungsprogramme im Cerebellum quasi der Haupt-Ursprungsort der neuronalen Anpassungen nach Krafttraining sind?

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wiprodo 22.10.2013, 14:55
@kramorius

Nein, die motorischen Endplatten sind nicht Teil des ZNS (zentralen Nervensystems), sondern die (vom Hirn aus gesehen) letzte Instanz des peripheren Nervensystems, nämlich diejenige Stelle, an der die vom Gehirn erzeugten und vom peripheren Nervensystem in die "Körperperipherie" weitergeleiteten Kontraktionsbefehle auf die Muskelfasern übertragen werden.

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