Große Angst beim Sturztraining!

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Ich habe das gleiche Problem wie du und muss immer wieder Sturztraining machen, damit ich "dranbleibe" und nicht wieder in Angst verfalle. Ich kenne das Gefühl. Man will wirklich loslassen, aber sobald man den Bruchteil einer Sekunde zu lange nachdenkt, wird man den Teufel tun als loszulassen. Da können die Anderen noch so sehr sagen, "denk an nichts, entspanne dich, das ist nicht schlimm". Man weiß, dass es nicht schlimm ist, trotzdem lässt man nicht los. Ich kann dir nur sagen, wie ich das immer wieder hinbekomme (auch wenn ich es oft genug vermeide):

  1. Mit einer Person losziehen, der du absolut vertraust. Und zwar zu zweit, nicht in der Gruppe. Du musst wissen, dass die Person dich versteht und dass sie sehr gut sichern kann. Sie sollte kein Sicherungsgerät benutzen, das dir fremd ist.

  2. Am besten in eine Wand mit leichtem Überhang gehen.

  3. Dann wird stufenweise begonnen. Erste Stufe: Nach der 3. Exe auf Hüfthöhe der Exe loslassen. D.h. das ist so gut wie gar nichts, aber gerade genug für den 1. Schritt. Wichtig ist, dass der Sicherer das weiß, da 3. Exe nicht sehr hoch ist und man nicht zu weich sichern darf. Natürlich auch nicht zu hart, da die Fallstrecke fast gleich null ist und es weh tun kann, wenn man zu hart sichert. Es geht nur darum, ein Gefühl fürs Loslassen zu bekommen, nicht fürs Stürzen! Mir persönlich fällt das bei geringerer Höhe leichter, was rein rational unsinnig erscheinen mag, da es mehr Risiken gibt.

  4. Das wiederholst du so lange, bis es sich nicht mehr schlimm anfühlt. Gerne 10x. Dann erst der nächste Schritt.

  5. Die folgenden Übungen bitte erst ab der 4. oder 5. Exe. Nun ganz minimal die Entfernung steigern, die du über die Exe kletterst. Es kann sein, dass du es 20x machen musst, bis du den ersten "richtigen" Sturz hinlegst, aber das ist egal. Je öfter, desto besser.

  6. Hast du vorher noch dein Loslassen angekündigt, beginne nun damit, ohne Vorankündigung loszulassen. Kleine Hilfe dabei: Einen Griff "anheppen" mit dem Ziel, ihn nur zu berühren, dann aber loszulassen.

Ich persönlich habe mind. 20 oder 30x gebraucht, bis ich nicht mehr bei jedem Sturz gequietscht habe... Und immer schön ausatmen beim Stürzen, das hilft. Darauf achten, dass du nicht versetzt zur Exe bist, sondern genau drüber. Pendelstürze kann man später noch üben... Keine Angst, dein Körper wird sich beim Stürzen automatisch in die richtige Position begeben, so dass du dir nicht weh tust, wenn der Sicherer alles richtig macht.

Mir hat das geholfen. Nach einem Sturztraining klettere ich im Vorstieg einen halben Grad besser und schaffe auf einmal mein Projekt - weil ich dann genau weiß, dass es egal ist, ob ich falle. Und dann klappt es natürlich ohne Stürzen.

Übrigens ist Stürzen aus der Bewegung heraus überhaupt nicht schlimm. Man merkt erst, dass man gestürzt ist, wenn es schon vorbei ist. Schlimm ist eigentlich nur das Sturztraining, weil du da darüber nachdenkst. :-) Ich drück dir die Daumen! Du wirst sehen, es lohnt sich. Du wirst mit einem Strahlen nach Hause kommen und anschließend wesentlich freier und besser klettern.

Sturzangst ist normal und keine Schande. Es liegt in den Genen, wie man damit umgehen kann. Mancher überwindet sie ganz leicht, mancher schwer, mancher gar nicht. Ich hatte in meiner "Kletterkarriere" bis 7c immer Probleme mit dem Fallen und habe das auch nicht über viele Jahre hinweg in den Griff bekommen. Wenn ich mal ordentlich abschmierte, war der Klettertag für mich gelaufen. Überhaupt hatte ich meistens Schwierigkeiten mit der Höhe. Bei "Heulen" vor der Sturzangst empfehle ich einfach, nur sehr gut gesicherte Routen zu klettern bzw. sich aufs Bouldern zu verlegen. Bringt nichts, ein scheinbar unlösbares Problem anzugehen.

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