Dehnen hat keine Auswirkungen auf den Muskel und das Bindegewebe?

2 Antworten

Die Verbesserung der Dehnfähigkeit durch Dehnen erklärt man sich zur Zeit damit, dass die gedehnte Person größere Dehnungsspannungen erträgt. Gleichwohl lässt sich in manchen Sportarten (z.B. Gerätturnen) extreme Beweglichkeit beobachten, die sich nicht allein durch Gewöhnung an Dehnungsspannungen erklären lässt. Eine experimentelle Studie fand heraus, dass innerhalb einer Gruppe von Turnern eine Untergruppe identifiziert werden konnte, die gleiche Dehnungsparameter zeigte wie die nicht turnenden Kontrollpersonen und eine andere Untergruppe mit extrem niedriger Dehnungsspannung (siehe Bild). Da sich die beiden Untergruppen nicht durch unterschiedliche Trainingsintensitäten unterschieden, muss man von unterschiedlichen Veranlagungen ausgehen. D.h., die Leistungsanforderungen im Gerätturnen begünstigen Personen mit einer genetisch bedingten niedrigeren Ruhespannung.

Bild 1 - (Muskeln, dehnen, dehnung)

Dehnen hat nur Auswirkungen auf das Bindegwebe, es paßt sich in Dehnrichtung an. Es ist aber wesentlich komplizierter. Bindegewebe ist auch im Muskel, fast überall im Körper. Die Geräteturner sind auch von Natur aus beweglicher. Durch die Übungen paßt sich das Sehnen-Kapsel- und Bindegewebe an, d.h. es wird flexibler oder auch vereinfacht gesprochen, mobiler. Da jeder Mensch seine individuelle Beweglichkeit hat, kann nicht jeder das Gleiche erreichen. Hinzu kommt beispielsweise Erkrankung wie Arthrose, die den Gelenkspalt durch die Knorpelabnutzung, kleiner machen. Somit fehlt schon mal ein Anteil, der zur Beweglichkeitserweiterung gehört-ein weiter Gelenkspalt. Bei der Hüfte ist das ganz dramatisch, da gibt es Einschränkungen die nur mit Manualtherapie verbessert werden kann. Es wird dann gezielt das Gelenk behandelt und dann wird indirekt oder eben direkt wieder der Muskel "gedehnt"-d.h. die Gelenkkapsel erweitert etc. So ist das eher zu verstehen, was man mit Dehnen erreichen will. Carl Lewis, der neunfache Olympiasieger hat einmal auf einem Seminar erklärt, er brauch nicht zu dehnen, er ist immer beweglich. So geht es ja vielen Frauen, die auf Grund des Überhangs an Östrogenen, beweglicher sind. Die Hormone machen das Bindegewebe geschmeidiger in dem mehr Wasser eingelagert wird.... u.s.w. Es hat viele zusammenhängende Gründe mit dem Dehnen und der Beweglichkeit. Wir haben in der Sportwissenschaft und Therapie noch nicht ganz die optimale Begriffsbestimmung um das zu vereinfachen.

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