Cooler Kampfsport??

2 Antworten

Hallo Littlecrazylucy, SYSTEMA (=Russian Martial Art), da kämpfst du auch mit Schwertern und die Übungen und Sparrings sind hart :) Eine wirklich coole Kampfkunst, leider bei uns fast völlig unbekannt...

Sehr geehrte Littlecrazylucy,

ich hoffe, dass Dein Nickname nicht im Grunde den tieferen Grund für Deine Frage widerspiegelt? Bitte, Spaß beiseite gelassen - was genau verstehst Du unter coolem Kampfsport?

Es gibt hier im Groben ausgedrückt eine Differenzierung zwischen Kampfkunst und Kampfsport. Beiden gemein ist die Nutzung aller dem Körper zur Verfügung stehenden Fähigkeiten - natürlich anwenderspezifisch gemäß den eigenen nutzbar. Darunter fällt auch die Handhabung der Finger und Daumen, Hände und letztlich der Fäuste.

Wenn es Dir um Show geht, solltest Du auch direkt danach suchen. Wenn Du Selbstverteidung suchst, solltest Du direkt bei den jeweiligen Anbietern der SV-Systeme nachfragen. Wenn du Wettkämpfe bestreiten möchtest, wenn Dir Graduierungen und Urkunden wichtig sind orientiere Dich ruhig im riesigen Segment des Kampfsports.

Wie auch immer Du Dich entscheidest, bevor Du Deine Unterschrit unter den Mitgliedschaftsvertrag setzt sei Dir bitte sicher, dass dies auch genau das ist was Du machen willst.****

Du musst jedoch davon ausgehen, dass kaum ein seriöser Trainer oder Lehrer Dich ohne eine vorbereitende Grundlagenschulung mit Metall- oder Holzgeräten im Rahmen von Übung oder Vorführung auf "die Bühne" lässt. Meinen Bruder hat man nach eineinhalb Jahren JiuJitsu in der als Show klar gekennzeichneten Vereinsdarbietung Anwendungen des Iaido, also des japanischen Schwertkampfes, mit seinen Übungspartnern vorführen lassen. Er war aber auch ein sehr motivierter Schüler, wie ich als Karateka und Sparringpartner "für den Heimanwender" leidvoll erfahren durfte.

In jedem Fall ist die Anwendung von Waffen oder waffenartigen Geräten an die Bedingung einer guten Körper- und Technikbeherrschung geknüpft. Dies gebietet allein schon die Sorgfaltspflicht im Umgang mit Trainingspartner.

Ein Aspekt, den ich abschließend noch an betrachten möchte ist die Übung am Gerät.

"Üben übt" ist ein geföügeltes Wort unter Ausbildern aller Coleur. Damit gerät natürlich auch die Grundlagenschulung an Schwert, Langstock, Stock, (Doppel-)Messer oder Palmstick bzw. einigen anderen, im Waffenrecht von 2004 eindeutig als "problematisch" betrachtete Waffensysteme oder Singularsysteme, in die Gefahr, unterschätzt und letzlich vernachlässigt zu werden. Allerdings muss man feststellen, dass beispielsweise der Schnitt eines möglicherweise geschärften Katana zum einen schmerzen, zum anderen natürlich Fragen aufwerfen kann.

Da wir im Umgang mit Waffen prinzipiell nie den Bereich einer Kampfkunst- oder sportausbildung verlassen ist auch die Anwendung, und wenn nur aus Showzwecken, im Rahmen der jeweils gültigen Techniken und Bewegungsformen (der jeweiligen Schule) zu betrachten. In der deutlich überwiegenden Anzahl der Waffenformen sind Bewegungen, Techniken und körperliche Befähigungen auf den Gebrauch spezieller Waffentypen abgestimmt. Als herbeigeholtes Beispiel: Du wirst in bezweifelbaren Fällen einen Jeet Kun Do-Sportler mit Schmetterlingsmesser in den Händen hohe Sprungkicks ausführen sehen.

"Cool" sähe das aus, aber zum einen hat Herr Bruce Lee meines Wissens erkennbaren Abstand von Showeffekten genommen. Auch wird er trotz seines reichhaltigen Humors kein Lächeln für die Selbstgefährdung des Sportlers übrig haben. Was ich versucht habe auszudrücken war, dass jede Kampfkunst, jeder Kampfsport, entweder auf Funktion im Ring, auf der Straße, in Selbstverteidungssituationen oder im militärischen Nachkampf oder gar für das Showgeschäft (vgl. Chinese Opera - showhaftes KungFu für die Filmindustrie) spezialisiert ist.

Dies bitte ich auf Deiner Suche und Entscheidung zu beachten. Erkenne, setze und folge Deinen Prioritäten. Höre an, was andere Menschen sagen, aber handele in Deinem und nicht in deren Interesse.

Viel Erfolg und Spaß!

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