Beim Schwimmen - mehr Auftrieb im 50m Becken als im 25m Becken?

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6 Antworten

Ich möchte es nochmals in anderen Worten formulieren:

Der Auftrieb ist abhängig vom Gewicht des von dir verdrängten Wasser (also auch dem Spezifischen Gewicht des Wasser) und kann somit auch nur verglichen werden, wenn sich bei Dir weder das Gewicht noch das Volumen geändert hat.
Also hast Du vermutlich nicht die Änderung im Auftrieb gespürt, sondern den Unterschied im Wasser - bei weichem Wasser ist es schwieriger Druck auszuüben, Du kannst nicht so viel Kraft bzw. nicht so schnell wie gewohnt einsetzen und hast daher eine geringere Geschwindigkeit. Mit einer geringeren Geschwindigkeit ist der Anpressdruck vom Wasser (weil Du dich vorwärts bewegst) geringer, die Beine neigen vor allem bei schlechter Technik eher zum absinken.

und jetzt deine Antwort: die Wassermenge definiert den Auftrieb, mehr verdängtes Wasser ist eine höhere Auftriebskraft (Achtung mehr verdrängtes Wasser entspricht größerem Volumen und beim eigenen Körper daher meist auch höheres Gewicht, also größere Schwerkraft)
Du kannst ja auch mal einen Bleigurt verwenden, geringes Volumen, hohes Gewicht und schon brauchst Du sehr viel mehr Aufwand zum Schwimmen (und weniger für das Abtauchen ;-))

kkuntze 23.09.2016, 00:46

Danke für deine Antwort. Kann es denn sein, dass es an der Wassertemperatur liegt? Ich schwimme täglich (ohne Bleigurt), kann meine Wasserlage also ganz gut einschätzen :)  Im kleinen Becken fühlt sich alles mühseliger an, aber das dürfte ja eigentlich nicht so sein. Liegt es dann einfach an der Temperatur? Das 50m Becken hatte zum Schluss eine Temp. von 23°C das 25m Becken ist wesentlich wärmer....etwa 28°C.

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pate4ever 23.09.2016, 09:39
@kkuntze

Die Wasserlage ist abhängig von vielen Faktoren, einer davon ist der Auftrieb (physikalische Größe, nicht direkt beeinflußbar ohne Hilfsmitteln wie Blei oder Pull-Bouy), aber auch von deiner Körperanspannung (nicht unbedingt besser wenn komplett verkrampft ;-)), der Schwimmgeschwindigkeit (Anpressdruck vom Wasser von vorne kommend), der Gleitfähigkeit (trainierbar!!!), deinem Gefühl für die Position im Wasser (horizontal, schräg bis senkrecht, rechts- oder linkslastig, wie tief im Wasser bist Du, ..) und vermutlich noch einige mehr, die mir gerade nicht einfallen.

Das sind aber die Hauptpunkte und diese kannst Du kontrollieren und verbessern. Die Wassertemperatur kannst Du normalerweise nicht steuern, hat aber eine Auswirkung darauf, ob Du dich wohl fühlst. Falls nicht, verkrampfst Du unbewußt und die Wasserlage wird vermutlich etwas schlechter.

Den Unterschied den Du fühlst, sind die unterschiedlichen Wasserzusammensetzungen, was als hart oder weich (nicht der Kalk wie bei den Waschmaschinen) bezeichnet wird. Bei weichen Wasser ist es schwieriger deine Kraft auf das Wasser zu übertragen (nur geringe Unterschiede!) und darum darf man dann nicht mit zu viel Kraft oder zu abrupten Krafteinsatz schwimmen - hat natürlich eine Auswirkung auf deine Schwimmgeschwindigkeit und daher auch auf die Wasserlage. Um die Umstellung zu erleichtern, solltest Du oft in unterschiedlichen Bädern, Gewässern trainieren und dabei die Geschwindigkeit variieren.

Dass Du den Unterschied spürst ist gut, noch besser wird es, wenn Du direkt an der Handfläche und deinem Schwimmtempo erkennst, wie Du am besten schwimmen kannst in diesem Wasser.

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kkuntze 23.09.2016, 13:25
@pate4ever

Vielen lieben Dank für deine aufschlussreichen Kommentare, ich weiß das sehr zu schätzen.

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Natürlich hat Wasser bei 23° eine höhere Dichte als bei 28°. Somit ist
der Auftrieb im kalten Wasser größer als im wärmeren Wasser. Bei 1m³
Wasser würde dieser Unterschied 1,31 kg betragen. Nehmen wir an, dein
Körpergewicht wäre 80kg, dann würdest du im kälteren Wasser (bei 23°)
einen um 0,1048 kg größeren Auftrieb erfahren als im wärmeren Wasser
(bei 28°). Berücksichtigt man die relativen Körpergewichte (nach
Hochmuth, 1967), würdest du im kälteren Wasser gerade mal deine linke
Hand aus dem Wasser heben können, um die gleiche Wasserlage zu besitzen  wie im wärmeren Wasser. Anders ausgedrückt: In der Gleitlage würde im kälteren Wasser so viel von deiner Körpermasse mehr aus dem Wasser ragen als im wärmeren Wasser, wie dem Gewicht einer Hand entspricht.

kkuntze 23.09.2016, 13:30

Ich danke dir für deinen aufschlussreichen, mehr als handschweren Kommentar.

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Hi,

die Wassermenge steht nicht im Verhältnis zur Auftriebskraft, die resultiert nur aus den verschiedenen spezifischen Dichten der Körper, also die Dichte deines Körpers im Verhältnis zu der des Wassers.


Allerdings kann das Wasser durch höhere Mengen an z.B. gelöstem Salz (=schwerer als Wasser) eine höhere spezif. Dichte bekommen, als Süßwasser und damit ist im Meereswasser der Auftrieb höher als im Süßwassersee. Ebenso kann deine Dichte variieren, z.B. wenn du Luft geschluckt hast, Blähungen hast, oder ganz aus Versehen die Silbermünzsammlung deines Nachbarn verschluckt hast.


Sonst würde ich eher an psychologische Faktoren denken. Der Wind, die Wellen und damit Ablenkung im See erzeugen natürlich ein anderes Schwimmgefühl als ein kleines ruhiges 25mtr-Becken.

kkuntze 23.09.2016, 00:44

Vielen lieben Dank für deine herrliche Antwort. Kann es denn sein, dass es an der Wassertemperatur liegt? Ich schwimme täglich, kann meine Wasserlage also ganz gut einschätzen ... esse ungern Silbermünzen oder verschlucke mich an Gasen. Im kleinen Becken fühlt sich alles mühseliger an, aber das dürfte ja eigentlich nicht so sein. Liegt es dann einfach an der Temperatur? Das 50m Becken hatte zum Schluss eine Temp. von 23°C das 25m Becken ist wesentlich wärmer....etwa 28°C.

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nafetsbln 23.09.2016, 12:01
@kkuntze

um ehrlich zu sein (was ne dumme Redewendung): ich weiß es nicht. Die Idee mit der Temperatur ist nicht schlecht, ich habe eine Tabelle gefunden (http://www.wissenschaft-technik-ethik.de/wasser\_dichte.html), wo der Dichteunterschied zischen 23 und 28 Grad warmen Wassers 1,31 Gramm pro Ltr. Wasser ausmacht.


Bei einem angenommenem Gewicht von ca. 75KG wird ein Schwimmer also ca. 75 Ltr. Wasser verdrängen und du hast dann bei wärmerem Wasser ca. 100 Gramm weniger Auftrieb, es fällt dir also bei wärmerem Wasser schwerer. Ja, evtl. merkst du die 100 Gramm.


Ich kann mir aber vorstellen, dass psycholog. Faktoren mindestens die gleiche Rolle spielen. Oder temperaturabhängige Reflexe des Nervensystems: 28 Grad warmes Wasser lädt eher zum Entspannen und "träge werden" ein, als kälteres. (Evtl. durch Stimulation des Parasympathicus, ist es dagegen kälter, kommt vermehrt der Sympathicus ins Spiel). Dieser Entspannungseffekt muss auch durch aktive mentale Anstrengung überwunden werden.


Was auch immer es ist, nimm es als zusätzliches Training und Abwechselung im Schwimmalltag. Gut Schwimm!

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kkuntze 23.09.2016, 13:23
@nafetsbln

Hach...das ist ja herrlich hier. Soviel Erkenntnis. Vielen Dank dafür!

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Kurz und knapp: Der Auftrieb (genauer: die Auftriebskraft) entspricht allein dem Gewicht (genauer: der Gewichtskraft) der von deinem Körper verdrängten Wassermenge und ist dieser entgegengerichtet. Der Auftrieb ist also unabhängig von der Wassertiefe. (Von den chemischen Zusätzen des Wassers her müsstest du im Hallenbad den größten, im See den geringsten Auftrieb besitzen.)

Dies hier möchte ich noch ergänzen....ich denke das spielt bei meinem veränderten Wassergefühl eine große Rolle: Dagmar R.: "...wobei es durch Verwirbelungen vom Beckengrund so ist, dass Sprinter in tieferem Wasser immer schneller sind - deutlich schneller... deswegen müssen Wk-Becken auf internationalem Niveau auch an der flachsten Stelle immer noch mind. 2m haben" 

Vielen lieben Dank für eure grandiosen Antworten. Kann es denn sein, dass es an der Wassertemperatur liegt? Ich schwimme täglich, kann meine Wasserlage also ganz gut einschätzen ... esse ungern Silbermünzen oder verschlucke mich an Gasen. Im kleinen Becken fühlt sich alles mühseliger an, aber das dürfte ja eigentlich nicht so sein. Liegt es dann einfach an der Temperatur? Das 50m Becken hatte zum Schluss eine Temp. von 23°C das 25m Becken ist wesentlich wärmer....etwa 28°C.

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