Frage von kletterfuzzi,

Wie wird man beim Alpinklettern schneller?

Die Zeitangaben in den Führern sind für mich meist viel zu niedrig - wir brauchen fast immer länger. Wie kann ich schneller werden?

Hilfreichste Antwort von MarkusStadler,
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Drei Faktoren bestimmen im wesentlichen die Zeit, die man in einer Route braucht und die können jeweils getrennt voneinander trainiert/geübt werden:

-Seil- und Standplatzhandling

Das Sichern muss mindestens so schnell gehen wie der Kletterer klettert. Wenn der jedesmal warten muss, bis er Seil bekommt oder bis im Nachstieg das Schlappseil eingezogen ist kostet das unnötig Zeit. Am Stand sollte man sich ebenfalls Gedanken machen, wie man Zeit spart. Bei gebohrten Ständen, ist das Standbauen eine Sache von wenigen Sekunden. In Alpinen Routen dauerts je nach Möglichkeiten deutlich länger, mit Übung und Erfahrung kann man das aber auch beschleunigen. Auch das Restseil-Einziehen sollte so schnell wie möglich erfolgen (versuch mal 25 m Seil in 10 Sekunden einzuziehen, du wirst sehen, das geht). Während dem Nachsichern kann man sich auch schon Gedanken über darüber machen, welches Material man dem Vorsteiger übergibt oder man vom Nachsteiger einsammeln muss, sobald er eintrifft.

-Klettertempo

Hängt natürlich stark von der Schwierigkeit und deinem Kletterlevel ab. Versuch mal im Nachstieg auf die Uhr zu schauen, wie lange du für eine Seillänge brauchst und versuche diese Zeit zu unterbieten. Wenn du das kontinuierlich machst, wirst Du vermutlich automatisch schneller. Beim Nachstieg von dicht abgesicherten Sportkletterrouten bringt einen das lästige Express-Aushängen immer ziemlich aus dem Rhythmus. Hänge einfach nur die Express aus dem Haken und lass sie am Seil vor dir, dann bleibt der Kletterfluss gewahrt. Am Stand angekommen kann man dann alles aufräumen. Beim Vorstieg steht natürlich Sicherheit an erster Stelle. Sich auf die wesentlichen Sicherungen beschränken und immer wieder das Legen von Zwischensicherungen (vielleicht auch mal im Klettergarten) üben beschleunigt die Sache ungemein. Dann natürlich nicht lange rumstehen, sondern klettern, vor allem im leichten Gelände bewusst "Gas geben".

-Wegfindung

Vor allem bei weniger routinierten Seilschaften kostet die Wegfindung oft die meiste Zeit - da wird oft nach jedem zweiten Schritt innegehalten und Ausschau nach dem Weiterweg gehalten. Bereits beim Nachsichern am Stand kann man sich einen Überblick über die nächste Seillänge verschaffen - in Sportkletter/Plaisirrouten sieht man in der Regel schon die nächsten Bohrhaken, in alpinen Routen kann man sich aber ebenfalls schon mal das Gelände ansehen und dann überlegen wo es weitergeht. Bei Unklarheit nochmal ein Blick ins Topo - ein Verhauer kostet mehr Zeit als 5x ins Topo schauen. (Das Topos sollte jedoch griffbereit und nicht irgendwo im Rucksack vergraben sein).

Kommentar von kletterfuzzi,

Hallo Markus, super Antwort. Danke, da gibt's viel zu tun.

Kommentar von Buagamoasta,

was noch vergessen wurde: beide müssen in der lage sein, vorstieg zu klettern. es macht einen unterschied, ob du jeden stand oder nur jeden zweiten stand umbauen musst.

Antwort von saraswati,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

hallo lampi, ich weiß nicht nicht, was an einer festen selbstsicherungsschlinge verwirrender sein soll als an einer durch mastwurf und kletterseil. ich ziehe letztere auch vor, allerdings nicht aus gründen der übersichtlichkeit, sondern weil sie in der länge variabel ist und beim klettern nicht am gurt im weg umgeht.

wodurch sich sehr viel zeit sparen lässt: 1. grundsätzlich natürlich überschlagend klettern (das heißt: der nachsteigende steigt gleich die nächste seillänge vor, er hat ja das material der letzten seillänge eingesammelt, das spart übergeben von material, außerdem liegt das seil schon richtig).

  1. richtig gas geben kann man, wenn man in leichten routen /passagen am laufenden seil klettert, d.h. beide klettern gleichzeitig, z.b im abstand von 25 m mit doppelt genommenem halbseil. den schwierigkeitsgrad sollte man dann aber mit leichtigkeit beherrschen. außerdem empfiehlt es sich, in mdst. 1 zwischensicherung zwischen vor- und nachsteiger einen tibloc einzuhängen. mit dieser technik bin ich mit einem freund die piz badile nordkante (eigentlich ~24 seillängen) in 3,5 h geklettert. wir hatten 5 tiblocs dabei, und haben uns unterwegs nur 4 mal getroffen zur materialübergabe und vorsteigerwechsel (anstatt 23 mal!). Eine ähnliche technik haben wir zu dritt am piz palü ostpfeiler angewandt, wo wir 2 2er-seilschaften überholten. aber wie gesagt: Das ist nur was, wenn man sich sicher ist und weiß was man tut. stürzen sollte man nicht, da kein standplatz, sondern nur zwischensicherungen eingehängt sind. stürzt der vorsteiger, wird er durch das gewicht des nachsteigers gesichert. stürzt der nachsteiger, muss man hoffen dass der tibloc blockiert, ansonster wird der vorsteiger aus der wand gerissen.
Antwort von Lampi,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Noch ein paar Tipps:

  • Seil auf der Seite ablegen, auf der der die nächste Seillänge startet.

  • Nur mit dem Seil am Stand festmachen. Fest installierte Selbstsicherungsschlinge sparen wenige Sekunden beim Festmachen, verursachen aber Verwirrung. Wenn der Nachsteiger hochkommt und erst 2 Minuten braucht, um den Standplatz zu verstehen, ist die Zeit mehrfach verloren.

  • Beim Nachsichern alles Restmaterial auf die Seite hängen, an der der Nachsteiger vorbeikommt

  • Durch Plus-Clip oder Tieferhängen das Umsichern von "Nachsichern" nach "Vorsichern" vermeiden (ist nur möglich, wenn man einigermaßen über der Schwierigkeit steht)

  • Seillängen geeignet wählen. Enthält die Route nur Längen unter 30 m, reicht ein (doppelt genommenes) Halbseil.

  • Kurze Seillängen zu einer langen zusammenhängen (erfordert ggf, langes Verlängern und ist nur möglich, wenn man einigermaßen über der Schwierigkeit steht)

  • Wenn der Standplatz sicher und bequem ist, kann mit Abbau begonnen werden, nachdem der Vorsteiger bereits "Stand" gerufen hat (auf eigene Gefahr :-) )

Antwort von saraswati,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

hallo lampi, ich weiß nicht nicht, was an einer festen selbstsicherungsschlinge verwirrender sein soll als an einer durch mastwurf und kletterseil. ich ziehe letztere auch vor, allerdings nicht aus gründer der übersichtlichkeit, sondern weil sie in der länge variabel ist und beim klettern nicht am gurt im weg umgeht. wodurch sich sehr viel zeit sparen lässt: 1. grundsätzlich natürlich überschlagend klettern (das heißt: der nachsteigende steigt gleich die nächste seillänge vor, er hat ja das material der letzten seillänge eingesammelt, das spart übergeben von material, außerdem liegt das seil schon richtig). 2. in leichten routen /passagen am laufenden seil gehen, d.h. beide klettern gleichzeitig, z.b im abstand von 25 m mit doppelt genommenem halbseil. den schwierigkeitsgrad sollte man dann aber mit leichtigkeit beherrschen. außerdem empfiehlt es sich, in mdst. 1 zwischensicherung zwischen vor- und nachsteiger einen tibloc einzuhängen. mit dieser technik bin ich mit einem freund die piz badile nordkante (eigentlich ~24 seillängen) in 3,5 h geklettert. wir hatten 5 tiblocs dabei, und haben uns unterwegs nur 4 mal getroffen zur materialübergabe und vorsteigerwechsel (anstatt 23 mal!). Eine ähnliche technik haben wir zu dritt am piz palü ostpfeiler angewandt, wo wir 2 2er-seilschaften überholten. aber wie gesagt: Das ist nur was, wenn man sich sicher ist und weiß was man tut. stürzen sollte man nicht, da kein standplatz, sondern nur zwischensicherungen eingehängt sind. stürzt der vorsteiger, wird er durch das gewicht des nachsteigers gesichert. stürzt der nachsteiger, muss man hoffen dass der tibloc blockiert, ansonster wird der vorsteiger aus der wand gerissen.

Kommentar von risotto,

Wow, Tipps vom Profi!

Antwort von felskrabbler,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Was helfen kann, ist wirklich nur das allernötigste mitzunehmen. Eine Seilschaft die zuviel Gepäck und Ausrüstung durch eine Route schleppt, wird auch länger unterwegs sein, als diejenigen, die genau das dabei haben was sie brauchen. Wer in einem 3er 14 Expressen dabei hat und einen kompletten Satz Friends braucht sich nicht wundern, wenn er vor lauter Gefummel und geschleppe nicht voran kommt.

Antwort von xtough,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Lampi hat soweit recht. Allerdings kann man schon schneller werden, z.B. durch weniger Zwischensicherungen (weil man schwerer klettern kann und sich auch so sicher fühlt), effizienteres Sicherungslegen (sofort intuitiv den richtigen Keil erwischen und nicht erst 3x den falschen rausfummeln), effizientere Seilkommandos, etc.

Antwort von anonymous,

Hallo MarkusStadler. Bei dem Punkt Klettertempo empfiehlst du, die Exen beim Nachsteigen am Seil hängen zu lassen. Das ist aus meiner Sicht problematisch, da sie beim Sturz ins Seil böse ins Gesicht schlagen können. Ansonsten Stimme ich dir zu. Gruß Mane

Kommentar von MarkusStadler,

Klar, allerdings sollte ein Sturz in einer Alpintour, in der ich auf Zeit unterwegs bin eigentlich kaum vorkommen. Wenn docheinmal, dann ist das Verletzungsrisiko auch im Nachstieg ach anderweitig größer als wenn ich eine Watsch'n von einer Expressschlinge bekomme.

Antwort von Lampi,

Bis zum dritten Grad gehen die Autoren von reiner Kletterzeit aus (d.h. ohne Sichern).

Am meisten Zeit geht am Standplatz verloren, mit der Materialübergabe, Suche nach dem Weiterweg, Übersteigen oder Unterkriechen der Selbstsicherung, Seil durchziehen u.Ä.. Wenn man "eingespielt" ist, sollte das in 1 Minute klappen. Sowas kann man auch mal am Boden (bei schlechtem Wetter, sozusagen drillmäßig üben.

Zur Beruhigung: Die Zeitangaben in den Führern werden von fast niemandem (außer den eineheimischen Bergführern) eingehalten. Aber die kennen den Weg ohnehin und brauchen den Führer eigentlich nicht.

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