Frage von Camalot,

Wie klettert man am laufenden Seil?

Schon einige Male hab ich von Klettern am "laufenden Seil" gehört oder gelesen. Aber wie praktiziert man es richtig, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen? In welchen Situationen ist es o.k. und wann zu gefährlich?

Antwort von saraswati,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo Camalot, das klettern am laufenden Seil ist gefährlich und sollte nur von erfahrenen Kletterern durchgeführt werden, die wissen, was sie tun. Man kann hier einiges schreiben, ich bringe hier, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, mal ein paar Punkte, die mir gerade einfallen:

Grundsätzlich sollte nicht am laufenden Seil geklettert werden, wenn man mit Stürzen rechnet. Das heißt also: nur in Routen in einem Schwierigkeitsbereich, der problemlos und sicher geklettert werden kann, denn man hat keinen Standplatz, sondern nur Zwischensicherungen. Die Zwischensicherungen sollten also auch gut sein.

Im Detail: ca. 25 m Seillänge zwischen den Seilpartnern (der Rest kann z.B. aufgenommen werden, oder man verwendet ein doppelt genommenes Halbseil). Es werden alle Zwischensicherungen geklingt. Es gibt kein Schlappseil, d.h. die Sicherungspartner klettern gleich schnell, was bedeutet, dass man manchmal aufeinander warten muss, mitunter an unangenehmen Stellen. Zwischen den Kletterern muss immer mindestens 1 tibloc o.ä. geklinkt werden, damit der Vorsteiger im Falle eines Nachsteigersturzes nicht mit Wucht aus der Wand gerissen wird, um dann aprupt auf Höhe der letzten Zwischensicherung gestoppt zu werden. Das könnte nämlich lebensbedrohlich sein (Tiblocs sind, btw, auch keine 100%igen Rücklaufsperren, ich hab auch schon erlebt, wie welche nicht greifen!).

Im Falle eines Nachsteigersturzen wird der Vorsteiger wahrscheinlich trotz Tibloc belastet, was ihn ebenfalls zum Sturz bringen kann. Ebenso wird der Nachsteiger im Falle eines Vorsteigersturzes mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Kletterposition gehoben und stürzt dann. Also hängt die ganze Seilschaft an einer Zwischensicherung!

Man braucht gute Kondition, denn man klettert ja viele Seillängen ohne Pause direkt hintereinander weg.

Wenn der Vorsteiger nicht mehr ausreichend Material hat, muss er einen Stand bauen und den Nachsteiger konventionell nachsichern. Dann kann Materialübergabe erfolgen.

Auf der anderen Seite ist Schnelligkeit Sicherheit, gerade wenn man im Hochgebirge unterwegs ist...

Dem allem und noch mehr muss man sich bewusst sein, wenn man sich dazu entscheidet, am laufenden Seil zu klettern.

Man muss also abwägen, ob der Zeitgewinn mehr Sicherheit bringt als der Sicherheitsverlust durch das gleichzeitige Klettern.

Kommentar von Camalot,

Super Antwort, danke.

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