Frage von Dino111,

wie kann die ischiokrurale muskulatur das bein strecken ?

meinte heute der professor in der anatomie-vorleseung, wir sollten uns darüber mal gedanken machen- also um sicher zu gehen, die dazugehörigen muskeln sind ja die Mm. semimembranosus, semitendinosus, biceps femoris. wirkt er dann als synergist oder wie muss ich das verstehen ?

schonmal danke!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wiprodo,

Die ischiokruralen Muskeln gelten allgemein als Hüftstrecker und Kniebeuger. Trotzdem können die ischiokruralen Muskeln unter gestimmten Bedingungen das Knie auch strecken. Dieses eigentlich paradoxe Phänomen wurde schon Anfang des 20 Jahrhunderts von dem Anatomen LOMBARD beschrieben und heißt seit dem das Lombardsche Paradoxon.

Mach dazu einen Versuch: Stell dich auf das rechte Bein, hebe den linken Fuß leicht vom Boden ab, greife mit der Hand die Hose etwas unter der Kniekehle und zieh an der Hose: Das Knie wird gebeugt. Mach das Gleiche, berühre aber dabei mit dem linken Fuß den Boden: Das Knie wird gestreckt.

In ähnlicher Weise funktionieren die ischiocruralen Muskeln, die ja auch etwas unterhalb der Kniegelenksachse am Unterschenkel ansetzen. Wenn der Kniegelenkwinkel nicht kleiner als rund 140° ist und der Fuß nicht frei schwingen kann, streckten die ischiocruralen Muskeln das Kniegelenk zwischen Hüfte und Fußpunkt. Diese Funktion ist äußerst sinnvoll, und zwar beim Gehen und Laufen. Da in der Stützphase die Hüftstrecker (ischiokrurale Muskeln) das Stützbein durch eine Hüftstreckbewegung von vorn nach hinten unter dem Körper hindurch ziehen, wäre es fatal, wenn sich dadurch das Knie beugen würde; denn es müsste zusätzliche (überflüssige) Energie aufgebracht werden, durch Kontraktion der Kniestrecker die Kniebeugung zu unterbinden.

Die exakten geometrischen Bedingungen für die kniestreckende Funktion ist allerdings recht kompliziert.

Kommentar von wiprodo ,

Ergänzung: Durch die Kontraktion der ischiokruralen Muskeln kann das Hüftgelenk gestreckt und gleichzeitig das Kniegelenk gestreckt werden, und zwar

dann wenn
Fi x Rih / Lh x Rh > 1
und gleichzeitig
Fi x Rik / Lk x RLk < 1.

Dabei ist:
Fi = Kontraktionskraft der ischiokkruralen Muskeln,
Rih = Kraftarm von Fi zur Hüftgelenksachse,
Lh = von Fi im Hüftgelenk zu überwindende Last,
RLh = Lastarm von Lh zur Hüftgelenkachse,
Rik = Kraftarm von Fi zur Kniegelenksachse,
Lk = von Fi im Kniegelenk zu überwindende Last,
RLk = Lastarm von Lk zur Kniegelenkachse.

Kommentar von Dino111 ,

vielen dank- sehr interessant zu lesen und viele informationen!

Antwort
von Professor,

Da die ischiokruale Muskulatur über das Hüft- und Kniegelenk zieht, hat diese Muskelgruppe zwei Funktionen; strecken im Hüftgelenk und beugen im Kniegelenk. Wenn der M.rectus femoris den Oberschenkel in der Hüfte beugt(Knie geht in Richtung Bauchmuskel..), dann kann erst über die Gesäßmuskulatur und Ischiocrualen, das Hüftgelenk gestreckt werden. Das Tuber ischiadikum, wo die Beugemuskulatur ihren Ursprung hat, nähert sich dann wieder dem Kreuzbein. Gleichzeitig wird der M.Quadtrizeps als Antagonist, das Kniegelenk strecken-weil die Ischiocruale Muskelgruppe im Kniegelenk "nachgibt" und sich in Sreckstellung begibt. Umgekehrt bei gestreckter Hüfte und Kniegelenk, gilt die umgekehrte Funktionsweise. Synergistisch wirkt die Gesäßmuskulatur bei Streckung im Hüftgelenk, im Kniegelenk bei Beugung die Wadenmuskulatur. Dies bezieht sich bei Beugung und Streckung in Knie- und Hüftgelenk. Wenn das Bein in Hüft- und Kniegelenk gestreckt wird, kommt der Gesäßmuskulatur bei weiterer Außenrotation und Extension im Hüftgelenk, die Hauptwirkung zu. Buchtipp wo das genauer beschrieben ist, sind die drei Bände von Karpandii. Biomechanik und Funktion vom Anatomen Karpandii beschrieben. Schreibweise mit Apostroph o.s.ä.

Kommentar von wiprodo ,

„...Das Tuber ischiadikum..... nähert sich dann wieder dem Kreuzbein...“ Wie soll das denn funktionieren? Das Tuber ischiadicum ist Teil des Beckens (Pelvis) und dieses ist mit einer derart geringen Bewegungsfähigkeit mit dem Kreuzbein (Os sacrum) verbunden, dass die Bewegungsreichweite zwischen Sitzbein und Kreuzbein gegen Null geht. (Oder steht im Karpandii dazu etwas anderes?)

Kommentar von Professor ,

Das sollte nur als Orientierung dienen, was die Bewegung in Extension betrifft. Eine Abbildung ist natürlich hilfreicher. Der Fragestelle hat das mit Sicherheit gewußt, wie ich das meine.

Kommentar von Dino111 ,

auch dir danke- habe dembezüglich eigentlich keine fragen mehr- weiß gar nicht wem ich den stern geben soll^^

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