Hallo, Kalarippayat ist so weit ich weiß eine Kampf- und Heilkunst aus dem Süden Indiens. Diese soll eng mit Yoga verwandt sein, ist dabei jedoch absolut dynamisch. Kennt hier jemand den genauen Zusammenhang?

Kalari ist eine altindische Kampfkunst, besonders in Südindien (Kerala) verbreitet. Manche meinen, dass Karate und alle ostasiatischen Kampfkünste darin ihren Ursprung haben. Die Verbindung mit Yoga besteht darin, dass beide sich viel auf Prana, die Lebensenergie, beziehen. Und da beides aus Indien stammt, ist da auch ein ähnlicher geistiger Hintergrund. Yoga ist allerdings normalerweise statischer, Kalari dynamischer. Man kann auch beides miteinander verbinden. Die Körperbeherrschung, die man im Yoga lernt, kann auch bei Kalari hilfreich sein und umgekehrt.

Kalarippayat ist eine alte indische Kampfkunst. Artverwand hat man einige Bewegungsabläufe auch im indischen Tanz davon wieder gefunden. Ich wüßte nicht was das jetzt mit Yoga zu tun haben soll.
Neben den dynamischen Anteilen im Kalarippayat gibt es auch Stellungen, die denen des Yogas nicht unähnlich sind. Allerdings wird im Kalari mit offenen Augen praktiziert. Darüber hinaus verfügen manche Linien auch über einen Sonnengruß, der auf ähnliche Weise im herkömmlichen Hatha Yoga praktiziert wird.
Ein weiteres Beispiel jenseits des Körperlichen: Der Begriff "Yoga" stammt aus dem Sanksrit und bedeutet "Einheit". Im Kalarippayat gibt es Waffenformen. Dabei schauen sich die Partner die ganze Zeit in die Augen und nicht auf die Bewegungen der Hände bzw. den Verlauf der Waffe. Man spricht in diesem Zusammenhang davon, sich miteinander zu verbinden bzw. einem Zustand des Yoga im oben genannten Sinne von Einheit. Wenn man das ganze noch etwas von dem Hintergrund einer nicht dualistischen Weltsicht betrachtet, wird das ganze vielleicht noch deutlicher. In den alten philosophischen Texten Indiens, den Upanisaden, genauer gesagt in der Candogya Upanisad 6.11 heisst es auf sanskrit: "tat tvam asi". Grob übersetzt: "du bist das". Gemeint ist, dass es keinen Unterschied gibt - nicht zwischen mir und der Waffe, nicht zwischen mir und dem Gegner. Diesen Zustand des Yogas versuchen wir im Kalarippayat zu kultivieren.
Ein weiteres Beispiel für Yoga jenseits der Matte bzw. Yoga im Angesicht einer mit Waffen geführten Auseinandersetzung bietet einer der ältesten Religiösen Texte Indiens: Die Bhagavat Gita.
Zusammenfassend könnte man vielleicht sagen, dass Yoga und Kalari zwei Seiten der selben Münze sind.
Ich hoffe, dass ich einige Ansatzpunkte verdeutlichen konnte und verbleibe mit besten Grüßen an alle Sportler,
Kai Hitzer
super, vielen Dank!