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Warum heißt das eigentlich "Freiklettern" oder "Freeclimbing"?

gefragt von Cappuccina am 17.09.2008 um 16:57 Uhr

Wie man auch an der Umfrage sieht, wird dieser Begriff ja gerne mit Soloklettern verwechselt. Es liegt ja auch nahe, darunter frei von Seil und Sicherung zu verstehen. Von daher frage ich mich, woher der Begriff Freiklettern für gesichertes Klettern eigentlich kommt bzw. wofür er steht.


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Juergen63
beantwortet von Juergen63 am 17. September 2008 21:22
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Unter Freiklettern versteht man das Klettern an Felsen oder Wänden bei denen du dich nur mit deinen Armen und Füßen fortbewegst. Also ein "freies Klettern/Fortbewegen" ohne Hilfsmittel. Karabinerhaken und Seile dürfen hier nur als Sicherung gegen Absturz eingesetzt werden.

Beim Soloklettern sieht dies anders aus. Hier darfst du noch nicht mal Hilfsmittel zum Sichern einsetzen. Wenn du abrutscht....je nach Höhe war es das dann. Mir persönlich eine Spur zu riskant.


xtough
beantwortet von xtough am 18. September 2008 08:41
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Man muss das im Kontext der Zeit sehen: Der Freiklettergedanke entstand um 1900 im Elbsandsteingebirge. Bis dahin war die Kletterei maßgeblich durch den in den Alpen gebräuchlichen technischen Alpinstil geprägt (Trittleitern, ziehen an Haken, Seilen usw.) Im Gegensatz dazu sah man die Fortbewegung ohne technische Hilfsmittel, weshalb der Stil auch "alles frei" (a.f.) genannt wurde. Ruhen in Ringen und Unterstützung durch Schulterstand waren erlaubt.

Fritz Wiessner (der 1939 fast den K2 erstbestiegen hätte aber um seinen Sherpa zu retten kurz vorm Gipfel umkehrte) ist maßgeblich verantwortlich, dass dieses Ideal nach Amerika "exportiert" wurde und im Zuge der Sportkletterbewegung wieder nach Europa zurückschwappte.

Das heutige Ideal des Rotpunktkletterns (möglichst ganze Seillängen ohne Ruhen, also ohne die Sicherungskette zu belasten durchsteigen) ist zwar auch schon älter. Dessen Popularität ist jedoch vor allem Kurt Albert zu verdanken, der in den 19790ern im Frankenjura an die Einstiege der von ihm so durchstiegenen Routen rote Farbpunkte malte.

Übrigens: Solo ist nicht gleich free solo! Bei ersterem kann man an heiklen Stellen durchaus die Selbstsicherung in Ringe und Haken ein- und später wieder aushängen. Nur beim free solo verzichtet man auch darauf.

Kommentar von 1a96c045ae55c65833ac2b6ed1cbda0dsmallMarkusStadler am 18. September 2008 09:24

Sorry, dass ich dich hier korrigieren muss - um 1900 waren Haken ganz und garnicht gebräuchlich, die damals sog. "Mauerhaken" wurden erst zu Zeiten eines Hans Dülfer (ab 1910) wirklich ernsthafter eingesetzt und dann auch als Fortbewegungshilfe (anfangs v.a. für Quergänge) benutzt. Das exzessive technische Klettern mit längeren Passagen über die man sich raufnagelte und dann auch die A-Bewertung notwendig machten fand erst nach dem 2. Weltkrieg statt.

Kommentar von 5630fe94b30770be7a458b6c1c8cd1ddsmallxtough am 19. September 2008 07:20

Mit den Haken hast Du natürlich recht. Trittleitern und Dastelbäume waren aber schon gut 100 Jahre länger gebräuchlich. Was ich sagen wollte: Anfang des 20.Jh galt es noch den Gipfel "um jeden Preis" zu erreichen. Die Frage nach dem "wie", also dem Stil, kam erst später auf.


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