Frage von Lukas11, 33

Wadenmuskel zuckt mit anschließendem Wadenkrampf, was tun (Fussball)?

Hallo in die Runde, Ich (21) bin leidenschaftlicher Fussballer und seit einiger Zeit plagt mich ein nerviges Problem. In der zweiten Halbzeit eines Spiels bekomme ich fast immer einen Wadenkrampf, mal in der 50. Minute, mal in der 75. Minute. Um klarzustellen, was ich schon alles abgecheckt habe und wie so ein Krampf bei mir abläuft, werde ich das nun detailliert darstellen:

Das Problem beginnt im Spiel damit, dass mein Wadenmuskel (meistens links, ab und an auch rechts) entweder beim Vollspannschuss oder beim Hochspringen zum Kopfball einmal hoch und runter zuckt. Das ist für mich das Warnsignal, dass ich ausgewechselt werden muss, da ich erfahrungsgemäß beim nächsten Vollsprint einen heftigen Wadenkrampf bekomme. Nun zum Körperzustand:

Zunächst einmal kann der Wadenkrampf nicht auf Grund einer Ermüdung kommen, da ich für 90 Minuten Fussball defintiv fit genug bin und zum Zeitpunkt der Krämpfe auch noch nicht aus der Puste bin. Meine Bein- und Wadenmuskulatur ist ausreichend trainiert. Zudem habe ich schon vier Mal Blut abgenommen bekommen, um meine Mineralienwerte zu checken. Diese waren jedes Mal top! Nichtsdestotrotz nehme ich vorm Fussball eine Sporttablette mit allen Mineralien und Vitaminen zu mir und ein Magnesiumöl zur Anwendung direkt auf der Haut habe ich auch schon ausprobiert.

Des Weiteren bin ich seit sechs Jahren Typ 1 Diabetiker. Bezüglich der Wadenkrämpfe haben mir drei Diabetologen versichert, dass es nicht mit dem Diabetes zusammenhängen kann, da meine Mineralienwerte immer top sind (Körper scheidet diese also nicht übermäßig aus) und meine Zuckerwerte beim Messen nach dem Wadenkrampf immer top sind für sportliche Aktivität.

Außerdem war ich beim Neurologen, um meine Nervenbahnen zu überprüfen. Dabei kam heraus, dass ich diesbezüglich top in Schuss bin (in meinem Alter wäre alles andere auch überraschend gewesen).

Auch bei einem regional anerkannten Ostheopaten war ich nun schon zwei mal, um meinen Bewegungsapparat abzuchecken und in Ordnung zu bringen. Ich bin wohl ein "steifer Bock" und nicht sehr beweglich, allerdings hat er meinen Körper an den wichtigen Stellen gelockert und ich dehne mich seit dem ersten Besuch vor einem halben Jahr jeden Tag ausführlich. Dies mache ich auch beim Fussball, sowohl beim aufwärmen, als auch nochmal in der Halbzeit. Beim ersten Besuch waren meine Sprunggelenke stark eingeschränkt und mein Becken- und Adduktorenbereich auch. Dies war allerdings beim zweiten Besuch durch das tägliche dehnen schon viel besser.

Wie ihr seht habe ich schon quasi alles abchecken lassen und nirgendwo ist bisher die Lösung herausgekommen, die mir geholfen hat. Ich hoffe jemand aus dieser Community weiß noch einen Rat, ich wäre sehr dankbar :-)

Weitere evtl. hilfreiche Informationen:

  • Plattfuß diagnostiziert, Einlagen werden getragen seit 2 Jahren
  • Inhalationsspray gegen Belastungsasthma wird vorm Fussball genommen
  • Enalapril 5mg gegen Bluthochdruck
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Antwort
von nafetsbln, 13

Teil 1:

Hi, (das wird jetzt länger, sorry)

wenn an der Problematik keine neurologische Störung beteiligt ist
(was ja ausgeschlossen wurde), würde ich von einem sich
entwickelndem, dann spontan auftretendem Energiedefizit in der Wade
ausgehen. Dies kann z.B. verursacht werden durch:


1. eine unterschwellige Stoffwechselstörung, die sich zuerst im am stärksten arbeitenden Muskel auswirkt,

2. durch im Laufe des Spiels sich zunehmend verhärtende Waden:

a) dadurch wird die Blutzirkulation graduell immer schlechter. Das bewirkt einen verringerten Abtransport von unerwünschtenStoffwechselendprodukten, verbunden mit geringerem Nachschub von Zucker, Sauerstoff usw...b) durch die Verhärtung selbst wird zuviel Energie (ATP) verbraucht. Der Muskel erschöpft und durch den ATP-Mangel verkrampft der Muskel schließlich.

Während Stoffwechselstörungen ein sehr weites Feld sind (MAD-Mangel oder 1000 andere Sachen; kannst ja mal hilfs- und testweise Kreatin ausprobieren), wäre es einfacher, sich zuerst mit einer Muskelverhärtung auseinander zu setzen. Deine Schlussbemerkung mit dem Plattfuß könnte ein Indiz sein für eine ungünstige Beinachsenstellung. Du schreibst von Problemen mit den Füßen und Sprunggelenken (Plattfüße knicken die Unterschenkel nach innen ein) und von Problemen im Beckenbereich. Die Knie liegen dazwischen und müssen das ausgleichen. Knieprobleme sind dann häufig unvermeidbar. Du bist aber noch sehr jung und die ungünstig auf die Gelenke wirkenden Kräfte hatten nicht genug Zeit, um bislang sichtbare Schäden zu hinterlassen. (Leute mit Beinenachsenfehlstellungen bekommen häufig Kniearthrose.) So lange wie möglich, versuchen die an dem Gelenk ansetzenden Muskeln, die Kräfte zu neutralisieren. Oder/und kann sich auch ein zu steifes Sprunggelenk negativ auf die Waden auswirken, die dann beim Rennen reflektorisch eine zu frühe und hohe Schutzspannung aufbauen, damit das Sprunggelenk nicht in die maximale Gelenkposition mit Knochenanschlag kommt. Das sind alles Spekulationen, aber nicht ganz unwahrscheinlich, und die sehr gut zu den Wadenproblemen passen würden. Die Waden haben dann eine zu große Belastung auszugleichen, stehen damit unablässig unter Dauerstrom und obwohl du fit und gesund bist, ist der Energiespeicher der Wade dann vorzeitig erschöpft.

Antwort
von nafetsbln, 14

Teil 2:

- Waden: Du könntest jetzt die Wade dehnen und stretchen (dazu unten
mehr), aber dann wäre es für den Muskel noch schwerer, die notwendige
Schutzspannung aufzubauen. Es würde auf Dauer schlechter, weil die
Fehlkräfte dann auf die Gelenke durchschlagen. Du musst in diesen Fällen
an die Gelenkgeometrie ran: Plattfüße, Sprunggelenk, Becken und Knie.


-
Plattfüße evtl. nicht ausschließlich mit Einlagen beantworten (das
macht die Fußgewölbemuskulatur vollends insuffizient), sondern
Fußgewölbemuskulatur trainieren. Ist langweilig aber abends nebenbei
vorm TV... und viel Barfuß laufen.

- Sprunggelenk: Mobilität erhöhen. Ostheopathen fragen.

- Becken:

a)
wenn die Einschränkungen in den Gelenken sind, dann versuchen, die
Mobilität zu erhöhen (soweit die individ. Geometrie das zulässt),

b)
wenn es durch einseitige Tätigkeiten (Arbeit/Sitzen) verkürzte Muskeln
sind, ist reines Dehnen/stretchen nicht sinnvoll. Beschäftige dich mit
Muskelarbeit im erweiterten ROM (range of motion), das dauert mind. 2
Monate, wirkt aber kausal und effektiv. Ich zitiere eine Kernausage zum
Dehnen:


"Muskelverkürzungen oder Muskelverlängerungen lassen sich durch solche Beanspruchungen vermeiden, die den betroffenen Muskeln regelmäßig möglichst über den gesamten zugehörigen Gelenkwinkelbereich beanspruchen." von Prof. Wiemann unter:

http://www.biowiss-sport.de/forschungsprojekte-arbeiten/muskeldehnung/muskelverk...


Also nicht nur Dehnen, sondern versuchen, in den Gelenkwinkeln zu beanspruchen/trainieren, die wegen Verkürzung schwer erreichbar sind.

- Adduktoren: hier trifft das gleiche wie bei den Waden zu. Sie sind wahrscheinlich nicht das Problem, sondern versuchen zu schützen und  deshalb überanstrengt. Das was du mit Dehnen versuchst ineffizienterweise zu erreichen, wäre kontraproduktiv.


- Knie: da dies alles nur Mutmaßungen sind, würde eine zusätzliche Ausführung zu  weit führen. Das soll im gegebenen Fall der Ostheopath machen, bzw, wenn das zutrifft, schreibe nochmal. Gut, dass du dranbleibst!

Antwort
von RueckenDoc, 18

Vielleicht fehlt dir einfach nur Flüssigkeit ? Trink mal mehr Wasser oder Apfelschorle vor und während des Spiels.

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