Frage von Bergaufbremser, 245

Wachsen bei nassen Neuschneefall Skating

Bin bei nassen Neuschneefall neulich Wettkampf 35km Skating gelaufen. Skimaterial war eine Saison eingelaufener Rennski mit normalen Steinschliff. Lufttemperatur war -3°C, Loipentemperatur -4°; 100% Luftfeuchte. Wachsaufbau Zipps MFW als Grund; LF7, dann GF+ als "Geiz-Pseudofinish" ohne Wachsstruktur. Alles fein gebügelt,eingekorkt, ausgebürstet und poliert. Mit dem selben Setup hatte ich bei meinen alten Latten unter ähnlichen Bedingungen schon positive Erfahrungen gesammelt, allerdings ohne so massiven Schneefall. Die ersten 5km war das Gleitverhalten o.k. bis gut. (was man eben erwartet bei einem solchen Wetter). Die ersten Steigungen gingen auch. Jedoch bei den Abfahrten musste ich (im Doppelstockschub !) Läufer in der Abfahrtshocke passieren lassen. Auf der Ebene war es dann entprechend kräfteverschleißende Arbeit. Das Gesamtergebnis im Lauf verheerend enttäuschend. Dachte erst das Wachs ist runter aber es war noch nichts grau. Das Wasser perlte noch schön. Hat jemand eine Idee was falsch war. Mein Verdacht ist dass sich die Poren wieder zugesetzt haben.

Antwort
von LLLFuchs, 210

Ich habe auch zwei Paar Skatingski, die aber beide in etwa den gleichen Schliff aufweisen. Dieser ist eher fein, weil sowohl im Oberwallis, Studen und im Engadin Temperaturen unter -10 Grad, in den Hochtälern bis -20 Grad vorkommen können. Da wäre ein warmer Schliff fehl am Platz.

Du kannst gut einen älteren Ski auf warm umschleifen lassen. Das günstigste Angebot das ich eben gefunden habe liegt bei 40 CHF (Schleifen, wachsen und abziehen) Ich würde danach noch eine Behandlung in der Thermobox empfehlen (Das Wachs zieht dann besser ein) was den Preis dann auf etwa 70 CHF hochtreibt. Diese Variante ist günstiger, als ein Strukturgerät, das ab 100 CHF mit einer Rolle zu haben ist.

Der feine Steinschliff ist universell einsetzbar, optimal bei Temperaturen unter -5 Grad würde ich sagen. Dann strukturiere ich nicht zurätzlich, sondern bürste den Ski nach dem Abziehen mit der Bronzebürtse gut aus. Die Struktur kommt drauf, wenn die Temperaturen höher liegen, bzw. wenn ich mit feuchter werdenden Verhältnissen rechnen muss (z.B. Engadin Ski Marathon).

Neuschnee ist in unseren Breiten selten aggressiv. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Schnee am agressivsten ist bei grosser Kälte und hoher Lufzfeuchtigkeit. Am letzten Samstag war die Temperatur in Studen bei -12 Grad un die Luftfeuchtigkeit war hoch; es hatte Nebel. In den Bäumen hing Rauhreif und den Wasserläufen entlang war die Spur stumpf wegen der Reifkristalle die auf dem Schnee lagen. Sobald man etwas von den Bächen wegkam lief der Ski wieder besser.

Noch ein Tipp: Bei solchen Temperaturen sollte man den Ski etwa 10 Minuten einlaufen und dann nochmals ausbürsten. Durch die Kälte werden die Poren auf dem Belag kleiner, das Wachs wird herausgepresst und macht den Ski langsam. Trotzalledem: Bei starken Minusgraden wird man nie einen schnellen Ski haben.

Zu den teuren Mittelchen. Die kommen bei mir nur ann Volksläufen zum Einsatz. Ich habe mich auch stark beschränkt auf ein Wachs: Toko Jetstream Rot. Das ist jener Finish, der im Engadin meistens gut ist. Ich habe mir den Block gekauft und in meiner Wachskiste ist eine Käsereibe. Wenn es nun heisst, Jetstream Pulver einbügeln, dann reibe ich etwas Wachs vom Block auf den Ski, bügle den ein und poliere ihn danach aus. Nun wird offiziell auch empfohlen danach noch eine bis zwei Schichten aufzureiben und zu polieren. Dafür ist der Block dann bestens geeignet.

Im Training verwende ich günstiges HF-Rub-On Wachs von Toko. Da gibt es bereits 15 Gramm für unter 20 CHF (Jetstream dagegen kostet 120 CHF / 20 Gramm) oder ich verwende Flüssigwachs von Cerax als Finish.

Das Ganze ist jetzt etwas unstrukturiert aber ich denke, es gibt Dir die nötigen Hinweise un Anregungen.

Viele Grüsse und Heja, heja LLLFuchs

Antwort
von LLLFuchs, 165

Hallo Bergaufbremser!

Cooler Name - möchte ich auch von mir sagen können ;-)

Ich selbst habe früher oft Cerax-Flüssigwachse verwendet und habe ZIPPS erst kürzlich im Internet entdeckt, als ich nach Cerax-Ersatz suchte. Generell verwende ich heute Flüssigwachse als Finish, also auf dem mit Heisswachs präparierten Ski.

Ich hätte in diesem Fall wahrscheinlich 2 Teile Gelb und 1 Teil Rot gewachst und auf die HF Serie von Toko zurückgegriffen. Als Finish hätte ich Cerax "Nass" aufgetragen und einpoliert. Was ich aber in jedem Fall auch gemacht hätte: Eine zusätzliche Struktur aufgezogen (altes Toko Strukturgerät, grobe Rolle). Ich kann mich nicht erinnern, dass mir ein Ski wegen einer zusätzlichen Struktur nicht "gelaufen" wäre, das Gegenteil habe ich aber schon erlebt.

Was macht diese Struktur? Eine zusätzliche Struktur verhindert, dass sich der Ski bei Nässe auf der Spur wie ein Saugnapf festsaugt. Dein Ski hat wahrscheinlich einen feinen Steinschliff für kältere Verhältnisse und hätte "Hilfe" gebraucht.

Viele Grüsse LLLFuchs

Kommentar von ossi36 ,

.... bei so etwas könnt ihr wachsen und struckturieren was ihr wollt - alles nicht so effektiv wie ein richtig passender Ski - und wenn Der nicht passt ziehst Du den Parkschein.

1.Skispannung stimmt (nur herauszufinden über mehrere Skitest - is leider so) 2.Feine," hart abgewachste" Strucktur 3.härteres HF-Wachs bei Neuschneefall ist effektiver als Top-Finisch.

Viel Spaß noch

Antwort
von anonymous, 140

@ LLL Fuchs, Danke für die promte Antwort. Irgendwie habe ich Angst vor meiner Frau, wenn ich jetzt noch in Wachs-Strukturgeräte investiere ;-) anderseits so hat das Laufen überhaupt keinen Spaß gemacht. Wenn meine alten Skating Latten mit einem warmen Schliff versehen lassen und als Alternative für diese Schneeverhältnisse bunker - könnte das ein Kompromiss sein ? Immerhin ist mit der selben Marke 2001 jemand Weltmeister im Sprint in der Nordischen Kombination geworden. Eigenartigerweise hat sich auch beim Gewicht der Ski nix weltbewegendes getan; sind nur ca. 50g schwerer als das heutige Weltcupzeug, welches für mich aber Verschwendung zu sein scheint. Die guten Latten aus Norwegen dürfen dann ran, wenn es kälter wird. Ab wie viel Grad ist eigentlich ein feiner Steinschliff zu fahren ? Ach ja und kommt man überhaupt bei solchen aggressiven Nassneuschnee ohne diese teuren Pülverchen, Sprays etc. ohne Gesichtsverlust in's Ziel ? Gesichtsverlust ist bei mir definiert im hinteren Drittel vom Feld.

Viele Grüße - der Bergaufbremser

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