Frage von FreeGStar, 337

Trainingsplan für meinen Vater (47 / Übergewichtig / Bandscheibenvorfall) ?

Hallo zusammen. Ich (m/18) gehe seit ca. 1,5 Jahren Kraftsport betreiben. Mein Vater ist dick und hat sich dazu entschlossen etwas dagegen zu machen mit meiner Hilfe. Er geht ab jetzt mit mir ins Studio. Mein Vater sieht ungefähr so aus (Bild: rechts) und ist 47 Jahre alt. Zudem hatte er einen Bandscheibenvorfall und kann vielleicht nicht alle Übungen machen. Ich kenne mich zwar schon recht gut aus, wenn es um Muskelgruppen / Übungen usw. geht, jedoch weiß ich nicht, was für ein Training ich ihm antuhen kann. Die Trainer im Studio zeigen meinem Vater nur die "Standart-Übungen", was auch sicherlich nicht falsch ist, aber ich würde mich gerne über einige weitere Meinungen freuen, wie wir es schaffen, dass er mal so (Bild: links) aussehen könnte. :-)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von whoami, 337

Dein Vater sollte sich von einem gut im medizinischen Bereich geschulten Trainer trainieren lassen! Sofern er keine akkuten Schmerzen hat muss/soll sein Training genau so sein wie das eines normal Trainierenden! Ich habe selbst Leute mit Bandscheibenvorfällen trainiert, die nach 1-2 Jahren athletische Figuren vorweisen konnten und Gewichte bewegt haben, von denen manche nur träumen. Gerade bei Bandscheibenvorfällen sind schwere Übungen wie Kniebeugen und vor allem Kreuzheben ein MUSS! So paradox das klingt - aber jeder gute Sportarzt, jeder gute Physiotherapeut und jeder Osteopath kann dir dies bestätigen. Selbstverständlich gehört zum TRaining auch eine zielorientierte Ernährung. Bei einem Übergewichtigen sollte diese strikt kohlenhydratearm sein, eiweißreich und kalorienreduziert. Wenn das Training intensiv genug ist kann dein Vater trotz Kalorienreduktion Muskeln aufbauen und gleichzeitig Körperfett abbauen. Er braucht aber viel Geduld!!!

Kommentar von wiprodo ,

„...Gerade bei Bandscheibenvorfällen sind ... vor allem Kreuzheben ein MUSS! ... jeder gute Sportarzt, jeder gute Physiotherapeut und jeder Osteopath kann dir dies bestätigen ...“ Wer’s glaubt! Bei Bandscheibenvorfällen - gleichgültig in welchem Bereich - ist Traktion der WS gefragt, nicht Kompression. Viel Glück all den Prolapspatienten, die von dir trainiert werden. Sie werden es brauchen.

Kommentar von whoami ,

"Bei Bandscheibenvorfällen - gleichgültig in welchem Bereich - ist Traktion der WS gefragt, nicht Kompression" - Eben nicht. Man nahm es bisher an - heute weiß man es besser und macht es richtig! Die Wirbelsäule braucht Entlastung und Belastung. Wenn die Belastung fehlt degeneriert die Wirbelsäule schnell.

Die Erfahrung durfte ich selbst machen. Arbeitsbedingt, durch unergonomische Arbeitsplätze die für kleinere Menschen als mich konzipiert wurden, habe ich mir einen doppelten Bandscheibenvorfall eingefangen. Es gab eine Zeit wo ich sehr viel gearbeitet habe und keine Zeit fürs Training hatte. Wie gehabt: die Muskulatur baut ab, die WS hat nicht mehr den nötigen Halt, dazu die unnatürliche Haltung - und fertig ist das BWS. Nach einer akkuten einjährigen Phase ging es nach mehreren Pysiotherapien endlich wieder ans schwere Training, nicht ohne das OK mehrerer Ärzte (Internisten, Orthopäden, Röntgenologen, mehrere Werksärzte), Physiotherapeuten, einem Osteopathen und ziemlich vieler guter Trainer (ist von Vorteil wenn man viele kennt). Ich wußte das eigentlich vorher auch schon, dass schweres Training entgegen aller scheinbarer Vernunft gut ist für den Rücken, aber wenn die eigene Gesundheit angeschlagen ist holt man sich doch gerne Bestätigung!

Nun, was soll ich sagen? Der BSV ist zwar immer noch da (wird auch immer da bleiben...), aber von Schmerzen keine Rede mehr. Kreuzheben, Kniebeugen, schweres Schulterdrücken gehören zum täglichen Programm.

Ähnliches habe ich auch schon bei Coachies und anderen Trainierenden beobachtet, deswegen kann ich ruhigen Gewissens dem Vater des Fragestellers zu diesem von mir beschriebenen Schritt raten!!! Eigentlich ist das die einzige Lösung für den alten Kerl (bin 2 Jahre älter.. :-)) ).

Kommentar von wiprodo ,

Trotz deiner ausführlichen Einzelfallanalyse (hast eben das oben beschworene Glück gehabt): Traktion (nicht "Entlastung", schon gar nicht Dauerentlastung) hat Vorrang vor Kompression. "Belastung" erfährt die WS im Alltag und bei der ergonomisch vernünftigen Arbeit zur genüge, Kompression bei unphysiologischer Dauerhaltung und Überlastung. Nicht, dass wir uns hier missverstehen oder aneinander vorbei reden!

Kommentar von whoami ,

""Belastung" erfährt die WS im Alltag und bei der ergonomisch vernünftigen Arbeit zur genüge" - Dem ist eben nicht so. Wenn die WS genügend Belastung im Alltag hätte, gäbe es kaum noch Wirbelsäulenprobleme. Der menschliche Körper ist gemacht den ganzen Tag auf Achse zu sein - was in der heutigen PKW- und Büro-verwöhnten Gesellschaft leider nicht mehr der Fall ist.

Kommentar von wiprodo ,

„... Der menschliche Körper ist gemacht den ganzen Tag auf Achse zu sein ...“ Wenn das heißen soll, dass die menschliche Wirbelsäule für eine aufrechte Bewegungsweise mit Laufen, Gehen, Tragen, Springen, Heben (auch Kreuzheben) ... über den ganzen Tag „gemacht“ ist, dann ist das ein fundamentaler Irrtum. Die Entwicklung der menschlichen Wirbelsäule von einem Lebewesen mit vorwiegend kletternder und hängender Lebensweise zu einem ständig aufrecht gehenden Lebewesen ist auf halbem Wege stecken geblieben, als die Menschen (bzw. die Vormenschenen) kraft ihres Gehirns und ihres Intellekts die Fähigkeit erwarben, sich den Selektionsmechanismen der Evolution zu entziehen. D.h., die menschliche Wirbelsäule ist für ein auf-Achse-sein den ganzen Tag zwar nicht fehlkonstruiert, aber nicht zu Ende konstruiert und müsste aus biomechanischer Sicht anders gebaut sein.

Antwort
von DeepBlue, 211

Hi,

bevor sich Dein Vater weiterhin von Dir mit Deinem Halbwissen quälen lässt, sollte er sich erst einmal einem Gesundheits-Check beim Hausarzt unterziehen. Dort erfährt er in der Regel auch, was er schwerpunktmäßig im Studio trainieren soll bzw. darf. Meist ist eine Kombination aus Kraft und Ausdauer angebracht, doch das können wir hier nicht entscheiden.

Bzgl. des Bandscheibenvorfalls ist anzumerken, dass so ein Rücken recht lang ist und Du nicht erwähnst, ob der Prolaps in der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule vorliegt. Auf jeden Fall muss die Muskulatur um den betroffenen Bereich gekräftigt werden.

Auch wird Dein Vater um eine Ernährungsumstellung nicht herum kommen. Auch hier kann der Hausarzt mit speziellen Ernährungskonzepten helfen.

Gruß Blue

Antwort
von Helge001, 164

Da wird er nicht mehr hinkommen (linkes Bild). :-) Durch den Bandscheibenvorfall macht es sich nicht einfacher. Er muss auf jeden Fall seine Ernährung ein wenig umstellen. Am Bauch abnehmen ist in diesem Alter schon schwierig. Es gibt Übungen für die Fettverbrennung, jedoch muss man immer seinen Bandscheibenvorfall berücksichtigen, was es schwieriger macht. Auf jeden Fall sollte er seine Muskeln wieder etwas in Schwung bringen. Dabei geht es hier eher um Ausdauer. Auf jeden Fall würde ich keine Situps oder ähnliches machen, aufgrund seiner Bandscheiben. Schwimmen für die Fettverbrennung ist der Burner schlechthin und schont besonders den Rücken. Er muss das Maß finden zwischen "ich kann nicht wegen meinem Rücken" und "ich will zu viel". Lieber ausdauernde Sportarten mit Pausen, als zu kraftintensive Übungen. Das Abnehmen dauert natürlich länger, doch deinem Vater ist nicht geholfen, wenn er wieder einen Bandscheibenvorfall erleidet.

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