Frage von Onlinecoaching, 4

Schnellkrafttraining - Durch Ansteuerung auch größere Kraft?

Hallo,

hat das Schnellkrafttraining eigentlich auch den Effekt, dass MEHR Einheiten rekrutiert werden? Ich denke da z.B. an Sprungkrafttraining - für eine explosivere Kraftentwicklung ist ja auf jeden Fall auch eine höhere Rekrutierung der ME verantwortlich. Darum trainiert man ja auch Maximalkraft, um die Schnellkraft zu verbessern.

Wie verhält es sich bei reinem Schnellkrafttraining mit dem Körpergewicht? Wird dieser Effekt nicht dabei mit geschult?!

Antwort
von wiprodo, 4

"Explosive Kraftentwicklung“ und „Schnellkraft“ sind hinsichtlich der operationalen Definition voneinander zu trennen. Im Hinblick auf ein Krafttraining mit dem Zielen zur Verbesserung der Explosivität und Schnellkraft sind zwei unterschiedliche biologische Ziele zu verwirklichen:
1. Verhinderung einer „Linkstransformation“ der (explosiven) Typ II-Fasern in Folge von Hypertrophietraining.
2. Schaffung eines großen Kraftstoßes zur Realisierung schnellkräftiger Bewegungen.

In Hinblick auf die Verwirklichung des 1. Zieles müssen Aktionen (a) mit höchster Kontraktionsgeschwindigkeit (und b) mit kürzester Kontraktionszeit) realisiert werden. Da a) aber nur mit geringen Widerständen möglich ist, ist die mechanische Belastung der einzelnen Muskelfasern (bzw. motorischen Einheiten, ME) eher gering bzw. nur in der Startphase jeder Einzelaktion bedeutsam. Bei häufiger Wiederholung der Aktionen ist zu erwarten, dass das motorische System bei der Rekrutierung der jeweils benötigten ME zwischen ermüdeten und „unverbrauchten“ wechselt, bis alle ME einen gewissen Ermüdungsgrad zeigen, erkennbar an einer beginnenden Abnahme der Explosivität. In diesem Fall ist die Serie sofort zu stoppen und eine ausreichende Erholungsphase einzurichten, um die Zielerreichung nicht zu gefährden.

Zur Erreichung des 2. Zieles (großer Kraftstoß = hohe Schnellkraft) ist einerseits eine kurze Kontraktionszeit (s. Ziel 1), eine hohe Maximalkraft der ME und eine hohe Rekrutierung der ME von Bedeutung. Somit müsste („reines“???) Schnellkrafttraining ein Kompositum aus a) Erhaltung der Explosivität (s. oben), b) Kraftzuwachstraining und c) Training zur neuronaler Aktivierung (= Verbesserung der Rekrutierung) darstellen. Das übliche Training mit „schnellkräftigen“ Aktionen (Sprungkrafttraining, plyometrisches Training) belastet – maximale Anstrengung vorausgesetzt – die ME auch bei geringeren bzw. mittleren Widerständen mechanisch maximal, erfordert maximale Rekrutierung und höchste Verkürzungsgeschwindigkeiten. Somit ist es in der Lage, zum Erhalt oder Steigerung der Kontraktionskraft beizutragen und die Rekrutierung der ME zu verbessern. Die Erhaltung maximaler Verkürzungsgeschwindigkeiten ist aber nur bei geringeren Widerständen (Lasten) gegeben (s.o.).

Kommentar von Onlinecoaching ,

Ja, also ist dem so. Zumindest bei Schnellkrafttraining mit Körpergewicht?

In dem Artikel stand auch was von optimaler Verdickung der 2b - Fasern durch Übungen mit Zusatzlast von 30 % des Maximalgewichtes.

Ergo scheint sich das doch zu vermischen oder schnall ich da was nicht?!

Kommentar von Marc23 ,

Die einzelnen Komponenten lassen sich nicht so klar voneinander trennen, da sich die einzelnen Fähigkeiten gegenseitig beeinflussen. Für eine maximale Steigerung der Schnellkraft sind sowohl Hypertrophietraining als auch Maximalktafttraining wichtige Grundlagen.

Ein isoliertes Training der Schnellkraft mit niedrigen Zusatzlasten wird auch die Rekrutierung der ME verbessern, allerdings ist das umso schwieriger zu erreichen, je besser diese Fähigkeit bereits ausgebildet ist. Es spielt also immer der aktuelle Trainingszustand eine Rolle.

Je besser der Trainingszustand ist, umso weniger lassen sich durch allgemeine Trainingsinhalte spezielle Fertigkeiten verbessern. Für jede Fertigkeit gibt es spezielle Trainingsmethoden, die optimal miteinander verknüpft werden müssen.

Kommentar von wiprodo ,

Das, was du da über den Text schreibst, klingt sehr dubios. Vielleicht nennst du die Quelle einmal so, dass man sie mal einsehen kann.

Kommentar von wiprodo ,

Der Beitrag im angeführten Link ist ein sehr gewissenhaft und sorgfältig dargestellter Text. Nur an wenigen Stellen im Zusammenhang mit den Fasertypen sind die verwendeten Begriffe zu bemängeln, was zu Missverständnissen Anlass gibt. Dabei kann jedoch nicht entschieden werden, ob dies auf den Verfasser (John Shepherd ) oder auf den Übersetzer zurückzuführen ist.

So wird z.B. vom „Ansteigen“ und „Abnehmen“ von bestimmten Muskelfasern gesprochen, aber nicht genug deutlich gemacht, ob hier eine Zunahme der Anzahl dieser Muskelfasern oder eine bloße Querschnittszunahme gemeint ist. Da in solchen Untersuchungen die Methode der Biopsie eingesetzt wird, lassen sich darüber keine konkreten Schlussfolgerungen ziehen, und man sollte bei den Aussagen vermeiden, jemand könnte sich daraus die Meinung bilden, dass sich die Faseranzahl verändert hätte.

Ansonsten ist der Beitrag voll zu empfehlen.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Ich meine gelesen zu haben, dass man dort von Verdickung spricht. Die Typ 2 a - Fasern würden sich zurückbilden und 2 b würde hypertrophieren....

Bei Schnellkrafttraining mit 30 % wohlgemerkt und nicht bei Hypertrophie- / Max-Training!

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