Frage von Zuyuu, 2

Puls im Marathontraining

Hallo, zunächst mal meine Daten:

Herbst 2012 Hm ohne Trainingsplan 1:24:35 Letztes Monat 80 – 105 WochenkM Im letzten Novemberwochenende würde ich gerne den Marathon SUB 3 laufen. (mein 3. Marathon)

Momentan laufe ich die Tempoeinheiten in 4:00 – 4:10 ohne Probleme 85-90%HFM. Die Langen Läufe (30-35km) auf Puls in der 65-70% Zone, soweit so gut, Leider bin ich bei den Langen Läufen weit von den Tempoangaben entfernt die mein Trainingsplan angibt. Laut Plan sollten 5:15 bis 5:30 gelaufen werden, komme aber meist nur auf 5:50-6:00 ohne den Puls in die Höhe schnellen zu lassen. Heute hatte ich eine lange Tempoeinheit mit einigen Höhenmetern, lief zwar gut, war aber ziemlich anstrengend die 4:05 zu halten und am Ende der 21 KM (1:30:00 mit einlaufen) war der puls auch schon Richtung 88-90% unterwegs… Was sagt Ihr dazu? Zu ambitioniertes Ziel oder ist es durchaus normal dass im Training nicht immer alles nach „Pulsplan“ läuft?

Vielen Dank im Vorraus für Antworten

Lg Zuyu

Antwort
von sabsine,

Deine Herzfrequenz wird ständig von vielen Faktoren außerhalb deiner Belastung im Training beeinflußt und ist je nach Tagesform verschieden.

Deine Herzfrequenz erhöht sich im Laufe (= der Dauer) deines Trainings aufgrund der Wärme die dein Körper bei Arbeit produziert, und die dein Körper wieder abgeben muß um nicht zu überhitzen. Deshalb ist die HF allein ein relativ schlechter Ratgeber im Leistungssport.

Wenn du also deinen Marathon rein nach HF-Steuerung laufen würdest, verlangsamt deine HF-Vorgabe dein Tempo, da deine HF im Laufe des Marathons ansteigen wird. Um die gleiche HF laufen zu können, mußt du langsamer laufen. Das ist wahrscheinlich nicht dein Ziel, oder?

Im Gesundheitssport geht es darum, daß die (meist untrainierten) Leute sich nicht überlasten. Deshalb sind da reine Pulsvorgaben zur Trainingssteuerung sinnvoll. Im Leistungssport sieht die Sache anders aus.

Im Leistungssport macht dich eine ausschließliche Orientierung an der HF langsam aus o.g. Grund. Du wirst mit einer reinen HF-Ausrichtung deine (Ziel-)Zeiten nicht erreichen. Deshalb ist eine Hauptorientierung an den Zeiten (Durchgangszeiten, Rundenzeiten, Pace) sinnvoller. Die HF betrachtest du als zweiten Parameter mit.

Bei intensiven Intervallen oder Tempoarbeit ist ein Training ausschließlich nach HF-Vorgaben nicht sinnvoll, sondern eine Orientierung an Zeitvorgaben sinnvoller. Grund siehe oben. Bei Intervallen kommt ein zeitverzögerter Anstieg der HF hinzu.

Nimm lieber RPE (= rate of perceived exertion = subjektive Anstrengungsempfindung nach Borg) als weiteren Parameter hinzu. Du merkst (hoffentlich) selbst, wann deine Belastungsintensität außerhalb derjenigen ist, die du im Marathon laufen kannst/willst/sollst. Und es schult gleichzeitig deine Körperwahrnehmung, anstatt nach dem eigenen Empfinden immer die Elektronik fragen zu müssen.

Um deine momentanen Zielstrecken am Ende in deiner (jetzt) angestrebten Zielzeit mit einem GA1-Puls zu beenden, brauchst du schon etwas mehr an Trainingsalter und Trainingsumfang (und infolgedessen auch schnellere Wettkampfzeiten).

Kommentar von Zuyuu ,

Vielen Liben dank für diese ausführliche und vor allem einleuchtende Antwort. Laufe die 35km mittlerweile im 5:20 pace im GA1 berreich... war wohl ein schlechter Tag.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten