Frage von friendlyandkind, 310

Knorpelriss hinter der Kniescheibe. Was kann ich tun um eine Verschlimmerung zu verhindern?

Ich habe seit über einem Jahr einen Riss im Kniescheibenknorpel. Mein Orthopäde hat mich weil ich es unbedingt will. Grünes Licht gegeben maximal ein mal pro Woche Fußball spielen zu gehen (Torwart). Was kann ich nun tun um das Risiko zu minimieren meinen Zustand zu verschlimmern? Folgendes bereits auf meiner Agenda: Abnehmen (von 83 auf 75Kg bei 183cm Körpergröße ) Beinmuskulatur durch Gewichttraining, Stabilisationsübungen und Radfahren im Fitnessstudio trainieren. Nur noch auf weicherem Untergrund spielen (Rasen, Kunstrasen) Kniebandage tragen und darüber noch ein Kniepolster ziehen. Ich plane in rund 3-6 Monaten es wieder mit dem Torwartspiel zu versuchen. Ich bin sehr dankbar für jede ernstgemeinte Antwort!

Antwort
von wiprodo, 276

Du musst als Erstes alles vermeiden, was zu einer verstärkten Reibung der Kniescheibe auf ihrem Gleitlager am Oberschenkelkochen führt, bevor der Riss im Kniescheibenknorpel nicht völlig verheilt ist.

Als Zweites ist Abnehmen ein lobenswerter Vorsatz, denn jedes Kilo zuviel vergrößert die Reibung am Kniescheibenknorpel.

Als Drittes ist auch das Vorhaben, deine Beinmuskeln zu kräftigen, um das Knie zu stabilisieren, richtig. ABER: Siehe unter Erstens! Radfahren ist absolut falsch (auch leichtes „Radeln“), ebenso Kniebeugen, Beinpresse usw. Statt dessen sind die zweigelenkigen Muskeln, die von oben oder unten über das Knie ziehen, zu trainieren, indem bei nahezu unbewegt gehaltenem Knie entsprechende Bewegungen im Hüftgelenke (s. z.B. hier: http://www.sportlerfrage.net/frage/krafttraining-bei-kniearthrose) oder im Fußgelenk (Wadenheben) praktiziert werden.

Als Viertes: Kniebandagen und Kniepolster sind in deinem Fall völlig nutzlos. Unter Umständen verstärken sie noch den Druck auf die Kniescheibe und vermehren dadurch die Reibung, siehe unter Erstens.

Solange also dein Kniescheibenknorpel nicht o.k. ist, was nur dein Orthopäde diagnostizieren kann, müssen deine Alltagsbewegungen ausreichen, dafür zu sorgen, dass durch die damit verbundene „Massage“ deines Kniescheibenknorpels die notwendigen Nährstoffversorgung des Knorpels erhalten bleibt.

Kommentar von friendlyandkind ,

Das finde ich sehr interessant. Mir haben 2 Orthopäden zum Radfahren geraten und mein Physiotherapeut hat mich auch schon auf ein Rad gesetzt. Bitte nicht falsch verstehen, ich will deine Antwort jetzt nicht in Frage stellen, aber worauf basiert dein Wissen, dass es mir schadet? So wie du er erklärst klingt es ja sehr Sinnvoll, ich frage mich nur warum ich das zum ersten mal so höre. Bitte nicht falsch verstehen ich weis im Internet kling manches manchmal ganz anders als man es meint. Auch im Bezug auf die Bandage würde mich das sehr interessieren :) Viele Grüße und besten Dank für die schnelle und umfassende Antwort!

Kommentar von Kyra72 ,

Zur Bandage:
Eine Bandage dient dazu, die Sehnen, Bänder und Muskeln zu entlasten.
Trägt man unnötigerweise eine Bandage, werden die Sehnen , Bänder und Muskeln schwächer, da sie nicht arbeiten müssen. Sie bauen ab. In deinem Falle ist aber der Knorpel verletzt, nicht das drumherum.

Wenn Knorpel heilen soll, dann sollte man ihn möglichst wenig belasten, eher ruhig halten.
Damit er dennoch mit Nährstoffen versorgt wird (wie ein Schwamm bei jeder Bewegung), darf er nicht völlig ruhig gestellt werden. Für die notwendige Nährstoffversorgung reichen jedoch die Alltagsbewegungen wie das Gehen aus.

Zu mir meinte der Orthopäde, radfahren sei besser als joggen, weil beim Joggen bei jedem Schritt ein Vielfaches des Körpergewicht auf den Knien lastet - aber Sportpause sei eigentlich schon besser.
Nun halten einige Menschen keine Sportpause durch - dann halt besser radfahren oder schwimmen, statt Joggen oder actionreiche Kampfkunst.

Falls bei Dir tatsächlich nur der Knorpel im Knie betroffen ist, frage ich mich, inwiefern das Radfahren eine Theraphie sein soll. Was soll es bewirken?
Diese Frage würde ich an Deiner Stelle einem Sportarzt stellen, nicht den Physiotherapeuten, denn die brauchen ja Kunden).

Kommentar von wiprodo ,

Ob Joggen oder Radfahren kommt allein darauf, WELCHER Knorpel geschädigt ist. Bei einer Schädigung des Knorpels am Oberschenkel-Schienbein-Gelenk ist natürlich Radfahren sinnvoller als Joggen. Das gilt nicht für das Kniescheiden-Oberschenkel-Gelenk! Da darf nicht beides in einen Topf werfen.

Kommentar von wiprodo ,

Mein "Wissen" beziehe ich aus einer einfachen Vektorenzerlegung der hier wirkenden Kräfte. Je stärker das Knie gebeugt ist, d.h., je spitzer der Winkel zwischen dem Kraftvektor von der Kniescheibe in Richtung Quadrizeps und dem Krafttvektor von der Kniescheibe in Richtung Patellasehne wird, desto größer wird die Resultierende, die für den Druck der Kniescheibe auf ihr Gleitlager am Oberschenkelknochen verantwortlich ist. Bei gestrecktem Knie ist diese Resultierende nahe Null, wächst beim gebeugtem Knie aber auf Werte, die weit über der Kontraktionskraft des Quadrizeps liegen und maximieren somit die Reibung. Eine Bandage würde diese Wirkung nicht nur verstärken, sonder auch bei gestrecktem Knie für einen entsprechenden Anpressdruck sorgen.

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