Frage von Kyra72,

Kann ein hoher Muskeltonus am Konstituitonstyp liegen?

Ein Trainingskollege von mir hat Schwierigkeiten, ganz locker zu sein. Er ist ständig angespannt, behauptet dabei aber, schon so locker zu sein, wie er kann.

Er behauptet, dass die Angespanntheit an seinem hohen Muskeltonus liegt und dieser würde davon abhängen, welcher Konstitutionstyp er sei. Deshalb könne er gar nicht so locker sein. Laut neuerer Forschung würde es zwei grundlegend verschiedene Konstitutionstypen geben. Hab leider vergessen, welche...

Aber der Konstitutionstyp ist angeboren, also genetisch vorbestimmt. Ich dachte, der Muskeltonus hängt davon ab, welche Tätigkeit man ausführt, nicht vom Konstitutionstyp. Liegt man still und entspannt im Bett, hat man gar keinen Muskeltonus...

Hat mein Trainingskollege mit seinen Zusammenhängen Recht?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wiprodo,

Das, was man gerne als Muskeltonus bezeichnet, ist die Spannung des passiven Muskels (= Ruhetonus, Ruhespannung, passive Spannung). Dieser Ruhetonus hängt von verschiedenen Faktoren ab:
-- Vom Dehnungsgrad des Muskels: Beim herabhängenden Arm befindet sich beispielsweise der Bizeps in einer gedehnten Situation, der Trizeps jedoch in einer entdehnten Position. Aus diesem Grund zeigt der Bizeps in dieser Position eine höhere passive Spannung als in anderen Armpositionen, der Trizeps aber eine niedrigere Spannung als in anderen Positionen.
-- Vom physiologischen Querschnitt: Da die Ruhespannung ausschließlich von den Myofibrillen (insbesondere von den zugelastischen Titinfilamenten) innerhalb der Muskelfasern verursacht wird, hat ein hypertrophierter Muskel aufgrund der höheren Anzahl parallel angeordneter elastischer Elemente auch eine entsprechen höher Ruhespannung.
-- Diese Ruhespannung kann sich unwillkürlich dadurch erhöhen, dass einzelne oder auch vermehrt Muskelfasern durch Nervenaktivität beginnen zu kontrahieren und zwar ohne bewusste Absicht der Person. Dies kann z.B. akut durch Stresshormone, durch Kälte, durch reflektorische Einflüsse geschehen, oder möglicher Weise auf eine chronische Übererregbarkeit des Nervensystems zurückzuführen sein. In diesem Fall liegt natürlich kein reiner Ruhetonus mehr vor, sondern zum Ruhetonus addiert sich zunehmend ein kontraktieler Tonus.

Von diesen drei Faktoren, die sicher nicht vollständig sind, könnte man – wenn überhaupt - nur den letzteren als abhängig vom Konstitutionstyp ansehen. Dabei kann man aber nicht die Körperbautypen (nach Sheldon, ektomorph, mesomorph und endomorph) zugrunde legen, sondern müsste sich auf die Konstitutionstypen nach Kretschmer (Pykniker, Atheltiker, Astheniker) stützen, da Kretschmer die Konstitutionstypen mit verschiedenen Temperamenten korreliert. Aber auch hier ist es fraglich, welchen Konstituionstypen man mit einer Tendenz zu akut oder chronisch erhöhter Muskelspannung in Beziehung setzen kann, wahrscheinlich den Astheniker (=Leptosomen).

Kommentar von Kyra72 ,

Danke für Deine Antwort. Mein Trainingskollege hat sich u.a. als "leptosom" bezeichnet und erzählt, dass es nach neueren Forschungen wohl nur noch zwei verschiedene Konstitutionstypen gibt.

Wenn ich Deine vorsichtige Antwort richtig verstehe, sind Dir zu meiner Frage keine gesicherten Erkenntnisse bekannt, allenfalls Thesen.

Ich denke, es macht dennoch Sinn, zu versuchen, ihm Lockerheit zu vermitteln, trotz seiner Aussage.
Ich denke, nächstes Training werde ich mal Übungen zum Thema Lockerheit mit ihm machen. Mal schauen. Vielleicht ist in der Beziehung doch etwas möglich.

Kommentar von wiprodo ,

Ja, das solltest du versuchen! Denk aber daran, dass das Problem nicht ursächlich ein biologisch-physiologisches ist, sondern eher ein mentales. Also nicht primär mit physikalischen Maßnahmen (z.B. Dehnen) an die Sache herangehen, sondern eher mit Entspannungsstrategien.

Kommentar von Kyra72 ,

Mir, uns, geht es ja nicht um besondere Beweglichkeit, sondern um Lockerheit. Wenn ich eine Bewegung des Kollegen führe, muss er locker lassen, um die erforderliche Bewegung zu spüren. Er arbeitet unwillkürlich dagegen an.
Im Wing Tsun weicht man dem Druck des Gegners aus, läßt ihn ins Leere laufen, kämpft nicht dagegen an.

Während der Dehnübungen steigert man die Spannung, also sind sie dafür ungeeignet.
Sicherlich sind mentale Entspannungsübungen auch hilfreich, allerdings bin ich darin nicht geschult.

Ich dachte mehr an verschiedene Übungen, die die physikalisch mögliche Lockerheit demonstieren.
Eine Möglichkeit:
Man kann einen locker herabhängenden Arm des Partners mit zwei Fingern an dessen Handgelenk erfassen, ein Stückchen anheben und dann wieder fallen lassen. Erst vormachen, dann selber erspüren lassen. Die Übung ist erweiterbar. Viele wissen mit dem Begriff Lockerheit einfach nichts anzufangen.

Später kann man diese Lockerheit wieder ein Stückchen einschränken, um eine zielgerichtete Bewegung auszuführen. Dabei sollten dann nur alle direkt benötigten Muskeln angespannt werden, und die anderen entspannt - locker gehalten werden, um nicht die eigene Bewegung zu bremsen.
Das geht nur, wenn man wirklich mal gespürt hat, was Lockerheit ist.

Antwort
von anonymous,

Zu wenig Flüssigkeit getrunken, und/oder zu wenig Mg. suplemmentiert.

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