Frage von MarioKeck, 229

Kann der Ruhetonus gesenkt werden? und inwiefern hängt er mit der Dehnbelastungsgrenze zusammen?

Hi zusammen, stecke gerade mitten in der Examensvorbereitung, nächste Woche mündliche Prüfung Sport, Schwerpunkt Beweglichkeit. In unserer Lerngruppe hat sich, auch aufgrund verschiedenster Meinungsansätze in der gängigen Literatur (Bsp. Klee/Wiemann) eine grundsätzliche Frage herauskristallisiert. In Wiemann wird die Meinung vertreten, dass der Ruhetonus nicht zu senken ist, zumindest nicht langfristig. Andererseits wird oft geschrieben, dass man, beispielsweise mit nachdehnen den Tonus wieder senken sollte um die Regenerationsphase zu verkürzen. Erste Frage: Ist damit gemeint, dass der Ruhetonus sozusagen aktiviert, bzw. heruntergefahren werden kann und sich um einen bestimmten Mittelwert mit unwesentlichen Ausschlägen erhöhen/senken lässt? oder, zweite Frage: Inwiefern hängen Beweglichkeit/Dehnfähigkeit überhaupt mit dem Tonus zusammen? Muss man es so sehen, dass die Dehnfähigkeit ausschließlich mit der Dehnbelastungsgrenze zu tun hat, und der Ruhetonus mit den elastischen Rückstellkräften des Titins zu verbinden ist, welchen man nicht beeinflussen kann??? Meine Ursprungsmeinung war, dass sich mit verbesserter Dehnfähigkeit auch der Ruhetonus sozusagen verringern müsste, weil ich ja dann eben Dehnfähiger bin. Und was muss dann ein kräftigerer Mensch mit höherem Muskelquerschnitt - was ja mit einem erhöhten Tonus verbunden ist - (mehr) tun um die selbe Beweglichkeit zu erhalten? Mehr Schmerzen ertragen? Isses so einfach???? BITTE UM HILFE!!!! vielen lieben Dank für die Entwirrung meines Gehirns.

Antwort
von Onlinecoaching, 223

Hallo,

Dehnübungen senken den Muskeltonus nicht, im Gegenteil. Durch den Dehnungsreflex wird die Muskulatur als Reaktion aktiviert, bzw. kontrahiert. Die vermeintliche Entspannung scheint rein psychisches Empfinden zu sein, die Muskeln selber werden dadurch nachweislich nicht ENTspannt.

Was Du da mit zeitlich bedingten Effekten meinst, das bezieht sich auf das laterale Bindegewebe. Durch die Dehnung werden die passiven elastischen Gewebe zeitweise verlängert. Diese ziehen sich dann nach ca. 1 Stunde in die ursprüngliche Länge zurück.

Größere Muskelmasse und Kraft muss mit Tonus nix zu tun haben. Ebenso wenig mit Beweglichkeit bzw. Dehnfähigkeit. Die Muskulatur ist ohnehin nur zeitweise nach Belastung großem Tonus ausgesetzt, bis die Reperaturen durchgeführt sind. Dadurch wird sie aber nicht weniger dehnfähig....

Kommentar von MarioKeck ,

erstmal danke für die Antwort, genial, dass das in solchen Foren tatsächlich funktioniert. Ich habe jetzt auf jeden Fall schon mal ein klareres Bild von der ganzen Sache, allerdings stellt sich mir jetzt noch eine grundlegende Verständnisfrage. Könntest du bestätigen, dass es auch sowas wie einen aktiven Ruhe/Muskeltonus gibt??? Ich stelle mir diese Frage, weil es doch eigentlich eine Begründung dafür geben muss, dass der Muskel neuronal angesteuert wird. Nach der Literatur wird der Muskeltonus nämlich dadurch definiert, dass: Der Muskeltonus durch die neuronalen Reize der Motoneurone erzeugt bzw. aufrechterhalten wird. Grenzt sich der Muskeltonus dann auf eine Art und Weise vom Ruhetonus ab? Wären die Begriffe als ein einheitlicher zu fassen, so würden ja letztendlich auch die vorgeschlagenen Stretchingmethoden (z.B. PNF) keinen Sinn erfahren. Nach meinem Verständnis wird ja zum Beispiel beim AC-Stretching eine Antagonistische Vorwärtshemmung eingeleitet. Dies bedeutet ja, dass der kontrahierende Muskel das Alpha-Motoneuron des Gegenspielers durch ein hemmendes Neuron abschaltet. Durch dieses Abschalten ( =senken des Tonus, vorübergehend ???? ) kann der gedehnte Muskel ja schließlich auch eine größere Dehnung erfahren. Ich schließe daraus, dass durch die Hemmung des Alpha Motoneurons des gedehnten Muskels der Ruhe/Muskeltonus (?) gesenkt wird. Gibt es also auch so etwas wie einen aktiven Tonus in Form eines Muskeltonus (Ansteuerung durch NS) und einen passiven, wie der strukturelle Ruhetonus???

Vielen vielen Dank für die Hilfe, das ist wirklich TOP!

Kommentar von Onlinecoaching ,

Es gibt ne ganze Menge Verfahren und Ansätze, die völliger Bullshit sind. Das hat sich bloß noch nicht bis zu den ausführenden Therapeuten, Trainern, und Ärzten rumgesprochen :-)! Kann auch gut sein, dass Dir Dein kluger Prof ne 6 reindonnert, obwohl er selber völligen Schwachsinn faselt und Du die Wahrheit sagst....

Soweit ich weiss wird von gewissen Fachleuten sogar angezweifelt, ob es überhaupt einen erhöhten Tonus gibt. Irgendwas schwant mir da von Wassereinlagerungen, die aufs Gewebe drücken und dadurch Tonus erzeugen, oder so....

Kurz gesagt:

Ich hab keine Ahnung....

Wir ham bloß gelernt, dass Dehnung keinen Tonus senkt. Und ich vermute, dass die bessere Dehnbarkeit mit vermehrter Durchblutung durch Vordehnung zusammenhängt.

Antwort
von wiprodo, 182

Der Ruhetonus wird durch Dehnübungen nicht langfristig gesenkt. Das ist keine „Meinung“, sondern Ergebnis empirischer Tests. Es gibt sogar empirische Beobachtungen einer angewachsenen Ruhespannung nach mehrwöchigem Dehntraining.

Der Ruhetonus kann nicht „aktiviert“ und nicht „heruntergefahren“ werden. Statt dessen wirken unterschiedliche Faktoren, die sich zum Ruhetonus addieren können.

Die Dehnfähigkeit hängt nicht mit dem Ruhetonus zusammen, sondern mit der Fähigkeit, extreme äußere Dehnspannungen zu ertragen.

„Muss man es so sehen, dass ... der Ruhetonus mit den elastischen Rückstellkräften des Titins zu verbinden ist, welchen man nicht beeinflussen kann ...“ So ist es!

Bei kräftigeren Menschen entwickelt sich zusammen mit dem allmählichen Zuwachs des Muskelquerschnittes zwangsläufig und wie von selbst im Laufe des normalen Bewegungsverhalten auch die Fähigkeit, erhöhte Dehnungsspannungen zu tolerieren – ohne „... mehr Schmerzen ertragen ...“ zu müssen.

Kommentar von MarioKeck ,

erstmal danke für die Antwort, genial, dass das in solchen Foren tatsächlich funktioniert. Ich habe jetzt auf jeden Fall schon mal ein klareres Bild von der ganzen Sache, allerdings stellt sich mir jetzt noch eine grundlegende Verständnisfrage. Könntest du bestätigen, dass es auch sowas wie einen aktiven Ruhe/Muskeltonus gibt??? Ich stelle mir diese Frage, weil es doch eigentlich eine Begründung dafür geben muss, dass der Muskel neuronal angesteuert wird. Nach der Literatur wird der Muskeltonus nämlich dadurch definiert, dass: Der Muskeltonus durch die neuronalen Reize der Motoneurone erzeugt bzw. aufrechterhalten wird. Grenzt sich der Muskeltonus dann auf eine Art und Weise vom Ruhetonus ab? Wären die Begriffe als ein einheitlicher zu fassen, so würden ja letztendlich auch die vorgeschlagenen Stretchingmethoden (z.B. PNF) keinen Sinn erfahren. Nach meinem Verständnis wird ja zum Beispiel beim AC-Stretching eine Antagonistische Vorwärtshemmung eingeleitet. Dies bedeutet ja, dass der kontrahierende Muskel das Alpha-Motoneuron des Gegenspielers durch ein hemmendes Neuron abschaltet. Durch dieses Abschalten ( =senken des Tonus, vorübergehend ???? ) kann der gedehnte Muskel ja schließlich auch eine größere Dehnung erfahren. Ich schließe daraus, dass durch die Hemmung des Alpha Motoneurons des gedehnten Muskels der Ruhe/Muskeltonus (?) gesenkt wird. Gibt es also auch so etwas wie einen aktiven Tonus in Form eines Muskeltonus (Ansteuerung durch NS) und einen passiven, wie der strukturelle Ruhetonus???

Vielen vielen Dank für die Hilfe, das ist wirklich TOP!

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