Frage von Kletterfreundin, 53

Große Angst beim Sturztraining!

Ich klettere in einer Jugendgruppe, wo wir gelegentlich auch Sturztraining machen müssen. Das sieht meistens so aus, dass wir in einer senkrechten Wand bis zu 3/4 hochklettern, bei dem "letzten" Haken 2 Exen einhängen, dann etwas über die Exen klettern und uns dann (theoretisch) fallen lassen.

Nun mein Problem, ich schaffe es einfach nicht loszulassen!! Ich habs 1.000mal probiert, aber ich krieg es aufs verrecken nicht hin!! Nun macht mein Trainer ein bissal Stress und will nicht locker lassen und die anderen machen sich auch schon mehr oder weniger lustig über mich, weil ich so Angst hab, dass ich anfange zu heulen :/

Nun meine Frage an euch, kennt ihr gute Methoden meine Stutzangst zu überwinden? Am besten andere Methoden, wie Clip-and-Drop und schnelles Ablassen.

Schon mal vielen Dank im Voraus!

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Climbingkirsche, 53

Ich habe das gleiche Problem wie du und muss immer wieder Sturztraining machen, damit ich "dranbleibe" und nicht wieder in Angst verfalle. Ich kenne das Gefühl. Man will wirklich loslassen, aber sobald man den Bruchteil einer Sekunde zu lange nachdenkt, wird man den Teufel tun als loszulassen. Da können die Anderen noch so sehr sagen, "denk an nichts, entspanne dich, das ist nicht schlimm". Man weiß, dass es nicht schlimm ist, trotzdem lässt man nicht los. Ich kann dir nur sagen, wie ich das immer wieder hinbekomme (auch wenn ich es oft genug vermeide):

  1. Mit einer Person losziehen, der du absolut vertraust. Und zwar zu zweit, nicht in der Gruppe. Du musst wissen, dass die Person dich versteht und dass sie sehr gut sichern kann. Sie sollte kein Sicherungsgerät benutzen, das dir fremd ist.

  2. Am besten in eine Wand mit leichtem Überhang gehen.

  3. Dann wird stufenweise begonnen. Erste Stufe: Nach der 3. Exe auf Hüfthöhe der Exe loslassen. D.h. das ist so gut wie gar nichts, aber gerade genug für den 1. Schritt. Wichtig ist, dass der Sicherer das weiß, da 3. Exe nicht sehr hoch ist und man nicht zu weich sichern darf. Natürlich auch nicht zu hart, da die Fallstrecke fast gleich null ist und es weh tun kann, wenn man zu hart sichert. Es geht nur darum, ein Gefühl fürs Loslassen zu bekommen, nicht fürs Stürzen! Mir persönlich fällt das bei geringerer Höhe leichter, was rein rational unsinnig erscheinen mag, da es mehr Risiken gibt.

  4. Das wiederholst du so lange, bis es sich nicht mehr schlimm anfühlt. Gerne 10x. Dann erst der nächste Schritt.

  5. Die folgenden Übungen bitte erst ab der 4. oder 5. Exe. Nun ganz minimal die Entfernung steigern, die du über die Exe kletterst. Es kann sein, dass du es 20x machen musst, bis du den ersten "richtigen" Sturz hinlegst, aber das ist egal. Je öfter, desto besser.

  6. Hast du vorher noch dein Loslassen angekündigt, beginne nun damit, ohne Vorankündigung loszulassen. Kleine Hilfe dabei: Einen Griff "anheppen" mit dem Ziel, ihn nur zu berühren, dann aber loszulassen.

Ich persönlich habe mind. 20 oder 30x gebraucht, bis ich nicht mehr bei jedem Sturz gequietscht habe... Und immer schön ausatmen beim Stürzen, das hilft. Darauf achten, dass du nicht versetzt zur Exe bist, sondern genau drüber. Pendelstürze kann man später noch üben... Keine Angst, dein Körper wird sich beim Stürzen automatisch in die richtige Position begeben, so dass du dir nicht weh tust, wenn der Sicherer alles richtig macht.

Mir hat das geholfen. Nach einem Sturztraining klettere ich im Vorstieg einen halben Grad besser und schaffe auf einmal mein Projekt - weil ich dann genau weiß, dass es egal ist, ob ich falle. Und dann klappt es natürlich ohne Stürzen.

Übrigens ist Stürzen aus der Bewegung heraus überhaupt nicht schlimm. Man merkt erst, dass man gestürzt ist, wenn es schon vorbei ist. Schlimm ist eigentlich nur das Sturztraining, weil du da darüber nachdenkst. :-) Ich drück dir die Daumen! Du wirst sehen, es lohnt sich. Du wirst mit einem Strahlen nach Hause kommen und anschließend wesentlich freier und besser klettern.

Antwort
von Bressen, 43

Wir haben bei uns auch so eine riesige Kletteranlage, wo ich ab und zu beim Vorbeifahren zuschaue. Das ganze ist schon faszinierend. Sonst kenn ich mich mit Klettern nicht aus. Aber das gilt für jede Sportart, dass es Übungen gibt die einem nicht schmecken aber die man Blind beherrschen sollte. Und Sturzübungen beim Klettern sind wahrscheinlich nicht irgentwelche Übungen, sondern eher ein Pflichteil den man beherrschen muß. Da mußt Du jetzt durch. Und wie bei jeder anderen Sportart auch, klappt eine Grundverausetzung nicht, dann muß man leider aufhören und oder die Sportart wechseln.

Antwort
von EmptySoft, 45

Es gibt viele Kletterer die Sturtzangst haben. Da Du von Trainer und Gruppe schreibst, gehe ich davon aus, daß Du in Richtung Wettklettern gehst, da wirst Du Dich der Angst stellen müssen.

Jetzt zur Übung. Wirklich ganz klein anfangen, am besten in einer leicht überhängenden Wand (dann gibt es keinen Impact wenn der Sicherer nicht so gut ist) und erstmals unter der letzten geklickten Expresse loslassen (das Seil kommt in diesem Fall von oben). Und wenn Du das ein paar machst, sollte das Vertrauen kommen. Mit dem Vertrauen kannst Du dich dann cm um cm höher arbeiten. Und nicht vergessen, das regelmässig zu machen, sonst kommt die Sturtzangst wieder zurück.

Ich persönlich klicke den Umlenker eigentlich nie und springe immer in die letzte Expresse (wenn keiner unter mir ist). Somit ist mein Sicherer und ich immer im Sturttraining und der Kopf ist frei.

Und dann kannst Du noch daran denken, daß Du im Vergnügunspark für so einen Spaß Geld bezahlen musst :=)

Antwort
von Eddie, 36

Sturzangst ist normal und keine Schande. Es liegt in den Genen, wie man damit umgehen kann. Mancher überwindet sie ganz leicht, mancher schwer, mancher gar nicht. Ich hatte in meiner "Kletterkarriere" bis 7c immer Probleme mit dem Fallen und habe das auch nicht über viele Jahre hinweg in den Griff bekommen. Wenn ich mal ordentlich abschmierte, war der Klettertag für mich gelaufen. Überhaupt hatte ich meistens Schwierigkeiten mit der Höhe. Bei "Heulen" vor der Sturzangst empfehle ich einfach, nur sehr gut gesicherte Routen zu klettern bzw. sich aufs Bouldern zu verlegen. Bringt nichts, ein scheinbar unlösbares Problem anzugehen.

Antwort
von Sumsie, 36

Hi,

ich fand das hier hilfreich: http://www.klettern.de/besser-klettern/besser-klettern/sturzangst-abbauen.368718.5.htm

LG sumsie

Antwort
von anonymous, 30

Erstmal kann ich dein problem sehr gut verstehen, da es nicht einfach ist sich fallen zu lassen und wenn du es wirklich nicht machen willst, dann ist das immer noch deine Entscheidung und ich denke dein Trainer wird das auch verstehen:). Trotzdem solltest du vielleicht einfach mal abschalten an nichts denken und dich einfach fallen lassen. Wie du siehst haben die anderen aus der Gruppe das auch geschafft also kanns ja nicht so schlimm sein;) Und aus Erfahrung weiß ich, dass an je mehr über die Situation nachdenkt, umso ängstlicher wird man. Versuch das nächste mal vielleicht einfach nicht so viel nachzudenken, dann fällt es dir vielleicht leichter loszulassen. Und ich bin mir sicher, dass du sobald du es einmal geschafft hast, ir das ganze kinderleicht vorkommt und du kein Problem mehr damit haben wirst;) Genauere Methoden um deine Sturzangst zu überwinden kenne ich leider nicht, aber ih hoffe, dass ich dir diesbezüglich trotzdem ein wenig Mut machen konnte:)

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