Frage von FaulerHund, 218

Fragen über das Dehnen von Muskeln (Becken, Verkürzungen, eingedrückt)?

Hallo, ich habe gleich mehrere Fragen, die sich mit dem Muskeldehnen befassen. Ich habe auch schon im Internet gelesen, aber unterschiedliche Quellen widersprechen sich. Wenn jemand meint, etwas sicher zu wissen, dann sind auch Verlinkungen okay.


Mein Hausarzt hat festgestellt, das durch meine Skoliose gewisse Beckenmuskeln eingedrückt werden. Diese sollte ich laut ihm kräftigen. Nun bekam ich in der Physiotherapie aber nur Dehnübungen gezeigt. Da ich anfangs im Glauben war, das mir diese helfen würden, habe ich das nicht weiter hinterfragt.

  • Ist es denn so, dass durch das Dehnen die Muskeln trainiert und mit der Zeit stärker werden, oder fördert es einfach nur die Beweglichkeit und Durchblutung? Denn mir hat das Dehnen nichts geholfen und beweglicher bin ich jetzt auch noch nicht, weil es nichts daran ändern, dass der Muskel noch eingedrückt wird, weil er zu schwach ist.

  • Demnach ist meine zweite Frage, ob man überhaupt die innere Beckenmuskulatur stärken kann?

  • Ich habe auch gelesen (ich weiß leider nicht mehr welche Seite, es war ein Forum), dass zu viel dehnen die Muskulatur "ausleiert". Stimmt das? Woran erkennt man, ob man zu viel dehnt?

Danke im Voraus

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Antwort
von wiprodo, 123

Zuerst einmal eine Rückfrage: Was soll das heißen, dass ein Muskel „eingedrückt“ ist. Das ist weder ein medizinisch, noch biologisch, noch sportwissenschaftlich definiertes Merkmal.

Zu deinen Fragen:

Erstens: Durch Dehnen wird die Dehnfähigkeit des Muskels trainiert. Der maßgebliche Effekt ist, dass der Muskel (bzw. die gedehnte Person) größere von außen aufgezwungene Dehnungsspannungen toleriert. Im Übrigen ändert sich an den messbaren Merkmalen des Muskels (Ruhespannung, Länge, Querschnitt, Durchblutung) durch Dehnen nichts, d.h. der Muskel wird nicht stärker, er leiert auch nicht aus, er wird nur dehnfähiger.

Zweitens: Wenn du unter „innere Beckenmuskeln“ die im Bild dargestellten Lenden-Darmbeinmuskeln meinst, lassen sich diese sehr wohl kräftigen, z.B. durch Hüftbeugebewegungen. Diese solltest du aber stets abwechselnd einbeinig durchführen, ( wie z.B hier:  
www.sportlerfrage.net/frage/krafttraining-gegen-hohlkreuz )

Drittens: Leider wird ein gering dehnfähiger Hüftbeuger gern als „verkürzt“ bezeichnet, was zu falschen Vorstellungen führen kann. Ein wenig dehnfähiger Muskel muss nicht notwendigerweise „kürzer“ sein als ein dehnfähiger, er kann die gleich Faserlänge und die gleiche funktionelle Länge besitzen. Lies dazu im Internet unter „biowiss Muskelverkürzung“ nach!

Kommentar von FaulerHund ,

Danke für deine Antworten.

Meine Wirbelsäule ist in eine Richtung gebogen und drückt laut meinem Hausarzt die Beckenmuskulatur auf der entsprechend anderen Seite ein.

Nebenbei sollen aber auch die hinteren Oberschenkelmuskeln verkürzt sein. Das macht sich auch mit einem komischen Gefühl beim Laufen bemerkbar. Und dehnen hat mir folglich noch nicht geholfen.

Die Empfehlungen werde ich mir gleich durchlesen.

Kommentar von wiprodo ,

Na gut! Wenn deine Lendenwirbelsäule gebogen sein sollte, kannes natürlich sein, dass dies einen gewissen Einfluss auf den Verlauf des großen Lendenmuskels (M. psoas major) und des quadratischen Lendenmuskels (M. quadratus lumborum) nehmen kann.

Sicher sind die hinteren Oberschenkelmuskeln (ischiocrurale
Muskeln) nicht verkürzt. Ich nehme an, dass der Arzt nur die Dehnfähigkeit durch Dehntests geprüft  und eine verminderte Dehnfähigkeit diagnostiziert hat. Daraus eine Schlussfolgerung auf
die Muskellänge zu ziehen, ist zwar üblich, aber eigentlich nicht zulässig. Wenn Dehntraining einen spürbaren Fortschritt in der Dehnfähigkeit  erzielen soll, muss das Training von angemessener Intensität und  Häufigkeit über mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate erfolgen.



Kommentar von FaulerHund ,

Ich bekam daraufhin ein Krankengymnastikrezept und da stand Illiosakralgelenksyndrom bzw. -störung drauf, auch wenn es meiner Meinung nach keines ist, weil der Arzt es im Gespräch nicht erwähnte. Und nun habe ich gerade in einer ähnlichen Frage gelesen, dass du meintest, dass man Gelenke nicht dehnen soll, da sie sonst instabil werden könnten. Wie genau meintest du das? Kannst du mir dazu auch etwas verlinken?

Kommentar von wiprodo ,

Das mit dem „… Gelenke nicht dehnen …“ ist so nicht ganz richtig. Es muss heißen: man sollte keine Gelenkbänder dehnen. Gelenkbänder sind nämlich unelastisch und reagieren auf intensives Dehnen anders als Muskeln. Sie werden nämlich länger. Gelenkbänder haben aber die Aufgabe, die Mobilität der Gelenke zu begrenzen. So verhindern z.B. die Knieseitenbänder und das hintere Kreuzband eine Überstreckung des Kniegelenkes über 180° hinaus. Würden sich diese Bänder durch übermäßige Dehnbelastungen verlängern, wäre nicht nur diese Aufgabe reduziert, sondern die Seitenstabilität des Kniegelenkes wäre zusätzlich beeinträchtigt.

Kommentar von FaulerHund ,

Und kannst du mir auch etwas für alle Beckenmuskeln empfehlen? Ich denke nicht, dass ich ein Hohlkreuz habe.

Kommentar von wiprodo ,

Da müsstest du mir schon genau bekannt geben, zu welchem Zweck bzw. Trainingsziel du „etwas“ empfohlen haben möchtest. Da du, wie du denkst, kein Hohlkreuz hast, brauchst du auch keine Trainingsmaßnahmen zur Korrektur der Beckenstellung. Für die Behandlung deiner Skoliose, die du in deiner Eingangsfrage ansprichst, werde ich dir keine Maßnahmen nennen, einerseits, weil ich nicht weiß, in welchem WS-Abschnitt sich diese befindet und welche Ausprägung sie zeigt, und andererseits weil ich von hier aus nicht beurteilen kann, ob es sich bei dir „nur“ um ein Haltungsproblem oder einen medizinischen Fall handelt.

Antwort
von whoami, 110

Dehnen trainiert die Muskulatur nicht - es enspannt sie nur und macht dich flexibler. Zum trainieren musst du Gewichte bewegen! 

Ausleiern tut da gar nix. Wer verbreitet denn solchen Unsinn?

Kommentar von FaulerHund ,

Ich suche nachher in meinem Verlauf nach dem Eintrag. Ausleiern war in Anführungszeichen, weil er so etwas ähnliches geschrieben hatte.

Gewichte mit den Beckenmuskeln bewegen geht aber sicherlich nur schlecht. Bzw. das wäre dann doch mein eigenes Körpergewicht.

Bitte um weitere Antworten.

Kommentar von FaulerHund ,

Nun stellt sich die Frage bei chronisch verkürzten Hüftbeugern, ob es sinnvoll ist, den Muskel aufzudehnen und dadurch eine noch instabilere Hüfte zu provozieren oder ist es der Fakt, dass diese doppelt so hart ziehen, da der unterentwickelte CORE (Gesäß, Bauch) seine Aufgabe nicht macht?

Sorry, es war doch kein Forum und "ausleiern" ist einfach das falsche Wort. Das was im Zitat steht, meinte ich ansonsten.

http://www.mj-training.com/hueftbeuger-dehnen/

Kommentar von whoami ,

Verkürtze Hüftbeuger müssen tatsächlich gedehnt werde. Es handelt sich dabei um die Muskelgruppe, die am meisten vernachlässigt wird und beim allgemeinen dehnen meist übersehen wird. Dadurch leidet dann auch die Körperhaltung. Trotzdem müssen sie neben dem Dehnen trainiert werden. Das passiert aber bei einem normalen Training ganz von alleine, bei allen Übungen wo Knie angehoben werden, bzw. beim Bauchtraining und radeln. 

Mit Gewichte bewegen meinte ich normales Krafttraining. :)

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