Frage von Onlinecoaching, 33

Belege für die Wirksamkeit von Muskelaufbau bei Rückenschmerzen?

Hallo,

mein Vater hat seit 3 Jahren massivste Schmerzen am Rücken, die ihn stark einschränken. Grund dafür sind mehrere Bandscheibenvorfälle und starke degenerative Erscheinungen von weiteren Bandscheiben und Knorpel.....

Vor 2 Jahren wurde er operiert, man hat 2 - 3 der Wirbel versteift, soweit ich weiss. Er hat mehrere Monate Reha gemacht und das volle Programm absolviert. Zudem Schmerztherapie und Rehasport. Die Schmerzen sind immer noch in voller Pracht spürbar! Er kann kaum laufen, kaum körperlich arbeiten, kaum sitzen, usw.....

Ich habe ihm empfohlen mal richtig Muskulatur aufzubauen, in Form von klassischem Hypertrophietraining. Mit Übungsvarianten, die er schmerzfrei haben kann. Allerdings weigert er sich mit Händen und Füßen, weil das nicht sein Ding sei und weil iwelche Übungen scheinbar alle überhaupt nichts bringen würde.

Ich hab ihm erklärt, dass Muskelaufbau sehr wohl was bringt, aber dass man das in dieser Form in der Reha oder im Sport nicht erreicht, wenn man mit vorsichtigem Kraftausdauertraining vorgeht.....

Nun möchte ich ihm mal einen Link schicken, aus dem ersichtlich wird, wie gut Krafttraining tun kann und wie sehr starke Muskeln helfen. Hab sowas lediglich gelernt und erfahren, auch ein paar Zeitschriften und Bücher, aber finde nichts Gutes im Netz.

Kennt jemand von euch einen Link und könnte den hier posten? Darf auch ruhig ein Fachartikel sein, Vattern kennt sich mit Medizin und den Begrifflichkeiten ganz gut aus....

Wäre super, Danke!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Professor, 29

Mit diesen Beschwerdebild wirst Du mit einem "normalen Hyperthrophietraining" nicht viel erreichen, er wird nicht alles umsetzen können und womöglich mehr Beschwerden haben. Er müßte ein Funktionskrafttraining machen, das man individuell auf seine Versteifungen abstimmt. Zudem sollten die Schmerzmedikamente richtig dosiert sein. Mentaltraining und Funktionstraining helfen mit Sicherheit. Buchtipp; Funktionelles Kraftaufbautraining in der Rehabilitation,Elsevierverlag. Das sind Rehapläne drin, die er mit einem erfahrenen Sportphysiotherapeuten durchgehen und angleichen kann. Vielleicht bringt ihn das zusätzlich weiter. Das würde Dir auch was bringen, da steht auch drin was man nicht tun sollte,die sogenannten Kontraindikationen.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Auch in der Reha versucht man die atrophierten Muskeln zurück zu holen. Das ist nunmal Dreh- und Angelpunkt!

Leider funktioniert das nicht mit sanftem Kraftausdauertraining. Das funktioniert nur über klassisches Krafttraining.

Bei uns im Rehazentrum sind die sehr vorsichtig, das ist nicht überall so.

Bestimmte Übungen kriegt er auch wunderbar hin, damit kann er anfangen.

Kommentar von Professor ,

Das stimmt schon, nur wird es sehr differenziert angewandt und dauert länger bis der Erfolg eintritt im Vgl. zu einem gesunden Menschen.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Also, wir reden hier natürlich nicht von submaximalen Pyramiden - Sätzen im Split-System.... Wobei ich n Therapeuten kenne, der tatsächlich in der Reha so trainieren lässt. Mit beachtlichem Erfolg übrigens!

Ich rede hier von klassischen Kräftigungsübungen für den Rehagebrauch, die in vielen Fällen ganz einfach heilbringender sind als Gymnastik oder Kraftausdauertraining in der MTT.

  • Kniebeugen mit Langhantel
  • Rumpfheben
  • Seitstütz
  • Latziehen

Die Übungen bringen, mit größeren Widerständen, nicht nur eine heilsame Spannung auf die THL - Faszie, sondern holen auch effizient die Stützmuskeln zurück, die bei Verletzungen der WS so atrophiert sind.

Gymnastik und sanftes Training schaffen das einfach nicht, ist doch nur logisch!

Kommentar von Professor ,

Rahatraining unterscheidet sich schon sehr vom herkömmlichen Krafttraining. Dein Vater wird mit versteiften Wirbeln mit Sicherheit keine Kniebeugen machen(können). Mit speziellenTrainingsgeräten und geführter Bewegung bei mindestens 70-80% Intensität sind später auch sportliche Patienten in der Lage, das auszuführen und bekommen genauso viel Kraft. Wir sollten Kranke nicht mit Gesunden vergleichen. Es gibt einfach bei Patienten spezielle Kontraindikationen. Das darf man nicht schön reden.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Doch, Kniebeugen kriegt er z.B. schmerzfrei hin. Würde er dazu noch eine Langhantel auf die Schultern legen, wie es im klassischen Hypertrophietraining üblich ist, würde er einen tollen Trainingseffekt auf die gesamte dorsale Kette setzen können und sehr wichtige Stützmuskeln viel effizienter reaktivieren.

Danach den Latzug und Bauchmuskelübungen ohne große Rotation (mit ordentlichen Widerständen) und er hätte in 3 Monaten deutlich weniger Schmerzen als nach 2 Jahren Rehasport und Reha - Kraftausdauertraining!

Nach meiner Erfahrung haben die klassischen Fitnessstudios und so Geschichten wie das Kieser - Training bei solchen Beschwerden mit Abstand die besten Erfolge.

Kommentar von Professor ,

Das wundert mich schon,dass er Kniebeugen machen kann. Übrigens; Kiesertraining macht nur isolierte Übungsangebote. Auch die sind im Vergleich zu den klassischen Übungen nicht immer so gut, wie es pupliziert wird. Wenn Dein Vater in Muskelketten trainieren kann, umso besser.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Ich weiss, Kieser ist nicht so perfekt wie die Tyopen dort immer tun. Die Iso - Übungen sind häufig ein großer Nachteil....

Aber das Konzept der Kräftigungstherapie ist halt gut.

Antwort
von Sunschein, 24

Ich habe leider keinen Artikel parat, aber warum fragst du nicht den Arzt seines Vertrauens um Ueberzeugunshilfe? Auf ihn sollte er doch hoeren...

Kommentar von Onlinecoaching ,

Erstens hat nicht jeder Arzt die Wirksamkeit von Krafttraining auf dem Schirm und zweitens hört mein alter Herr auf niemanden mehr, weil sämtliche üblichen medizinischen Verfahren keine Wirkung zeigen.

Abgesehen davon ist er stinkfaul und traut sich nicht ins Studio!

Ich hab aber noch was im Netz gefunden, was ihn vielleicht motivieren könnte. ....

Antwort
von wurststurm, 29

Vielleicht gibt es deshalb keine Informationen weil der Zusammenhang gar nicht besteht? Wenn der Knorpel futsch ist und die Wirbel degenerativ hinüber ist jedes Training eine Qual. Die Frage ist dann nur noch ob sich der alte Herr beim Training oder ohne Training quälen soll und da der Patient in der Regel dann beides hat verzichtet er dann auf das Training, was ich auch nachvollziehen kann.

Kommentar von Onlinecoaching ,

Das Problem bei solchen Beschwerden ist, dass sich aufgrund der Schmerzen und Schonhaltung die stabilisierende Muskulatur völlig zurückbildet. Dadurch werden die Strukturen noch mehr gereizt und die schwachen Muskeln verkrampfen noch mehr. Man spricht vom "Schmerzkreislauf", vielleicht hast Du ja schonmal was davon bei Wikipedia gelesen?

Bei LWS - Beschwerden ist grundsätzlich zu beobachten, dass der untere Teil des Rückenstreckers und die Synergisten völligst atrophiert sind. Es gibt sogar Fachleute die behaupten, dass das die Ursache und nicht das Resultat sein.

Wie auch immer das zusammenhängt, kräftige Stützmuskeln verschaffen Linderung, so oder so. Man kann im schmerzfreien Bereich aufbauen oder in den Schmerz reintrainieren, beides hilft nach einiger Zeit.

Die Fitnessstudios verzeichnen hier größere Erfolge als sämtliche Operationsverfahren, Schmerztherapien, oder Rehasport / Wirbelsäulengymnastik.

Ich weiss das aus vielfacher Erfahrung aus meiner Praxis. Und es gibt mehrere Studien, die das belegen. Hier mal ein Auszug als Beispiel:

Bei einer 12-wöchigen Untersuchung an Patienten mit chronischen Rückenschmerzen konnte z.B. durch Krafttraining 3 mal wöchentlich je 11/2 Stunden durchgeführt bei 47% aller Patienten völlige Schmerzfreiheit und bei 93% eine Verbesserung erreicht werden [Manniche 1988]; weit bessere Resultate als bei Vergleichgsgruppen mit konventioneller Krankengymnastik oder mit reinen Bewegungsübungen! Diese Studie sei stellvertretend für viele hundert Untersuchungen genannt; auch längerfristige Studien bestätigen die äußerst günstigen Auswirkungen auf die Beschwerdesituation, vorausgesetzt das Krafttraining wird weiter betrieben.

Es gibt auch Therapeuten, die grundsätzlich hart trainieren lassen, um die kranken Muskeln wiederzuholen. Mit sehr gutem Erfolg. Du kannst Dich auch mal über "Kräftigungstherapie" belesen, wie sie z.B. beim Kiesertraining oder in manchen Arztpraxen angeboten wird.

Ist eine zugelassene Heilmittelverordnung. Nach meiner Erfahrung oftmals das Einzige, was noch übrig bleibt, aber am Meisten hilft!!!

Kommentar von Onlinecoaching ,

P.S. Vielleicht findet man im Netz auch keine qualifizierten Belege, weil es das Netz ist und nicht die Fachliteratur. Ich gebs nur zu bedenken....

Antwort
von digrol59, 17

Hallo Onlinecoaching, wenn dein Vater schon soviel an Therapien durch hat und auch die lange Zeit des Rehasports, die Rückenschule während der Reha.... ist meiner Meinung nach das Problem nicht allein durch Muskelaufbau lösbar.

Mehrere BSV, versteift und deswegen evtl. darüber oder darunter neue Probleme, diverse Degeneration, OP und evtl. Narbengewebe, das neuerlich auf die Nervenwurzeln drückt.... da lindert die Muskulatur die Beschwerden aber nimmt sie oft nicht.

diebandscheibe.de ist ein Forum, wo du dich gut informieren könntest. Ansonsten suche im Netz nach Behandlung/Therapie Bandscheibenvorfall. Überall ist Muskelaufbau und Bewegung (Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen...) genannt. Allerdings ist Muskelaufbau im Kontext BSV (in der ersten Zeit) nicht das, was üblicherweise hier im Forum darunter verstanden wird.

Isometrische Übungen, Beweglichkeit, Dehnen, Koordinative Übungen, Wassergymnastik. Klar geht es auch in der Reha in die Muckibude. Unter Anleitung von Physiotherapeuten und im Ergebnis dann ein paar Geräte, aber auch diverse Übungen auf der Matte, z.B. Unterarmstütz. Und wer Schmerzen hat, macht den auf Unterarm und Knie, wer besser dran ist oder schon effizientere Muskeln der tauscht Knie gegen Fußspitzen.

Aus leidvoller Erfahrung kann ich mir halbwegs vorstellen, was nach einem BSV (nicht) geht. Aber mit 2 oder 3 versteiften Wirbeln??? Ich glaub, da muss man bei etlichen Bewegungen und Übungen nochmals Abstriche machen.

Hier noch zwei Links, wo auch was zur Bewegungs-/Sport-Therapie geschrieben wird:

wehwehweh kreuzschmerzen.org/behandlungsmethoden/wirbelsaeule-und-sport.html wehwehweh praxis-erbel.de/bandscheibenvorfall-koeln.html#therapie

Kommentar von Onlinecoaching ,

Ich bin selber Sporttherapeut für Orthopädie und ich weiss wovon ich rede :-p! Gerade Muskelaufbau ist die Lösung und ggfs. Training in den Schmerz hinein....

Antwort
von Onlinecoaching, 12

Hab hier z.B. was gefunden. Stammt aus einer ärztlichen Veröffentlichung:

Bei einer 12-wöchigen Untersuchung an Patienten mit chronischen Rückenschmerzen konnte z.B. durch Krafttraining 3 mal wöchentlich je 11/2 Stunden durchgeführt bei 47% aller Patienten völlige Schmerzfreiheit und bei 93% eine Verbesserung erreicht werden [Manniche 1988]; weit bessere Resultate als bei Vergleichgsgruppen mit konventioneller Krankengymnastik oder mit reinen Bewegungsübungen! Diese Studie sei stellvertretend für viele hundert Untersuchungen genannt; auch längerfristige Studien bestätigen die äußerst günstigen Auswirkungen auf die Beschwerdesituation, vorausgesetzt das Krafttraining wird weiter betrieben.

Ich empfehle auch mal auf den seiten vom Kieser - Training zu schnuppern oder Kräftigungstherapie zu recherchieren.....

Aus eigener Erfahrung von mir selber und vielen Rehasportteilnehmern / Patienten / Studio - Kunden kann ich das absolut befürworten!

Antwort
von benchpresser, 14

Hallo,

mein Stiefvater hat auch seit 4 oder 5 Jahren einen Bandscheibenvorfall und hat auch erst mit Sport angefangen, als es ihm von einem Physiotherapeuten empfohlen wurde. Wichtig sind aber die richtigen Übungen und die korrekte Ausführung. Ein gestärkter Rücken kann dem Schmerz entgegenwirken und so kommt man aus dem Kreislauf langsam wieder raus.

Die Gothaer hat einen Gesundheitsratgeber Aktiv gegen Rückenschmerzen geschrieben, in dem der Sport bei Rückenschmerzen empfohlen wird (Seite 27). In Verbindung mit einem Bandscheibenvorfall natürlich immer noch eine andere Angelegenheit. Daher sollte dein Vater zu einem guten Physiotherapeuten gehen, da diese gezielte Übungen für genau solche Fälle kennen.

Gute Besserung an deinen Vater

Antwort
von anonymous, 11

Das haben ihm seine Ärzte sicher schon zig Mal gesagt. Allerdings kenne ich alte Leute die sich mit Händen und Füßen weigern Sport zu treiben - selbst wenn ihr Leben davon abhängen würde. mein Vater ist genau so einer auch...

Da kann man nichts machen. Ab einem gewissen Alter verhalten sie sich wie kleine unverbesserliche Kinder. Da kann man wirklich nichts machen.

Mein Vater weigert sich sogar Wasser zu trinken (trinkt 1 Flasche pro Woche!). War deswegen schon in der Notaufnahme, aber der alte Bock schaltet einfach auf stur und meint die Ärzte hätten keine Ahnung. Er hätte immer schon so wenig getrunken.... :-/....... was sagt man dazu!?

Kommentar von Onlinecoaching ,

Nein, die Ärzte haben ihm zu Bewegung geraten und Rehasport verschrieben. In der Regha selber hat er die klassischen Physiobehandlungen bekommen und Kräftigung im schmerzfreien Bereich durchgeführt.

Und das alles nach einer OP, die ebenfalls nichts gebracht hat!

Das Einzige, was ihm noch keiner (ausser mir) verordnet hat, das ist gezieltes Hypertrophietraining. Es gibt ohnehin nichts Wirksameres und Wichtigeres, aber genau das willer jetzt nicht mehr.

"Kleines Kind" stimmt schon, aber er hat auch seinen Glauben an die Medizin verloren. Wer wills ihm verdenken, bei den katastrophalen Ergebnissen, die die Typen die letzten Jahren bzgl. Rückenbeschwerden abliefern?!

80.000 Euro pro Eingriff und es bringt nicht mal ansatzweise soviel wie 2 x 30 Minuten Krafttraining pro Woche..... Abartig.

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