Frage von ElPhenomenon, 62

Beeinträchtigung des Nervs durch Muskulatur oder die Bandscheibe?

Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit dem Ischias-Nerv (glaube, das der das ist). Gleichzeitig ständig starke Verspannungen an der Oberschenkelrückseite, die ich immer habe, wenn ich viel Fußball spiele.

Bislang dachte ich immer, dass die gleichseitige Rückenmuskulatur sich dadurch mit verspannt und dadurch der Nerv geklemmt wird. Aber nun frage ich mich, ob das anatomisch überhaupt möglich ist.

Ich frage deshalb, weil ich mir diesen Nerv gestern beim Hinsetzen noch derber geklemmt habe und ich mich kaum noch bewegen kann. Mich beschleicht die Angst, dass da vielleicht eher was mit der Bandscheibe ist, bzw. dass da was Ernsteres vorliegt.

Kennt sich da jemand genauer mit aus?

Wie verlaufen die Nerven, lassen die sich durch Muskeln überhaupt einklemmen oder verlaufen die geschützt?!

Antwort
von wiprodo, 60

Der Reihe nach: Wenn du Verspannungen in der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur hast, kann das natürlich vom Ischiasnerv herrühren, muss es aber nicht; denn die Muskeln der Oberschenkelrückseite werden nur zum Teil durch den Ischiasnerv, zum größeren Teil durch den Nervus femoralis versorgt, dessen Wurzeln etwas höher an der Lendenwirbelsäule entspringen (L1 bis L4) als die des Ischiasnerv (L4 bis S3). Muskelverspannungen können aber auch völlig andere Ursachen haben.

Anatomisch ist es eher möglich, dass das Einklemmen der Nerven (spez. der Nervenwurzeln) die Ursache der Muskelbeschwerden sind und nicht die Muskelverspannungen die Nerven einklemmen. Möglich ist es auf jeden Fall, dass zusammen mit den rückwärtigen Oberschenkelmuskeln die untersten Abschnitte der Rückenmuskeln betroffen sind, da die Nerven, die letztere versorgen, auch in Höhe der Nervenwurzeln des N. femoralis entspringen (bis L2, L3).

Die Beschwerden am Ischiasnerv und am N. femoralis stammen tatsächlich meistens von Bandscheibenvorfällen, die auf die Nervenwurzeln drücken. Diese müssten im Fall des N. femoralis zwischen dem 1. bis 5. Lendenwirbel, im Fall des Ischiasnerv zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein (S1) auftreten.

Aber wie gesagt: ein Bandscheibenvorfall muss es nicht unbedingt sein!

Kommentar von ElPhenomenon ,

Kurz und knapp:

Ist es umgekehrt möglich oder nicht?

Normalerweise ja nicht, weil der Nerv durch den Wirbelkanal läuft. Aber am Becken tritt der ja hinaus - und dann?

Ich fahr jetzt in die Klinik. Hab eh Piene hoch 10 und will mir ne Spritze holen. Scheiss Nacht gehabt. Dann frag ich den Arzt das. Hoffentlich hat der zur Abwechslung mal Ahnung....

Kommentar von wiprodo ,

Beantwortet habe ich dir den anatomischen Aspekt deiner Frage. Aber ich werde mich hüten, zu medizinischen Spezialfragen Stellung zu beziehen. Da musst du dich schon an einen Arzt wenden.

Kommentar von ElPhenomenon ,

Nee, hast Du nicht. Da steht lediglich, dass es "eher" möglich ist..... Und dass meistens die Bandscheibe Schuld ist, aber dass das nicht so sein muss.

Kommentar von ElPhenomenon ,

Ich habe seit 2 Jahren leichte Schmerzen im Bereich L4/L5, linksseitig der Wirbelsäule. Der Rückenstrecker linksseitig verspannt, zudem Dehnschmerzen die komplette Ischiocrurale links - von Hüftgelenk bis Kniekehle, Ansatz vom Wadenmuskel genauso.

Das ist mein Standbein und seit Kreuzband-OP rechts verlager ich jedes Gewicht linksseitig.

Vor 2 Jahren Lagerjob, immer Kisten geschleppt. Immer über links. Da ging das aber auch los mit Rückenschmerz, welcher sich aber gelgt hatte. Bis auf leichte Schmerzen bzw. ein Ziehen in dem Bereich.

Ich dachte halt immer, dass die komplette Muskelkette sich auf der linken Seite verspannt und verhärtet hat und dadurch der Nerv auf Höhe L4/L5 beeinträchtigt wurde.

Gestern aber hingesetzt und plötzlich übelste Schmerzen an der Stelle - mit Taubheitsgefühl und Ausstrahlung bis in den linken Fuß. Könnte somit gut die Bandscheibe sein.....

Aber darum frag ich.

Kommentar von wiprodo ,

Auch zu diesem Kommentar gebe ich dir nur eine anatomisch begründete Antwort, ob dir das reicht oder nicht! Ansonsten musst du dich an einen Wunderheiler oder Propheten wenden. Wenn es also für die Ursachen deiner Probleme mehrere Alternativen gibt, kann nur ein medizinischer Experte direkt vor Ort an deinem Rücken herausfinden (möglicher Weise!!!), was bei dir zutrifft

Noch einmal:

Dass eine Muskelverkrampfung retrograd eine „Nervenquetschung“ oder etwas in der Art erzeugt, erscheint aus anatomischer Sicht eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass ein Bandscheibenvorfall eine Nervenquetschung verursacht und als Folge davon Schmerzen in derjenigen Muskulatur auftreten, die von den gequetschten Nerven versorgt wird (s.o.!).

So wie du das im ersten Absatz (und im vorletzten Satz) deines Kommentars beschreibst, kann es sich sogar um ein Lasègue-Zeichen handeln, bei dem die Wurzeln des Ischiasnerven derart durch Bandscheibenvorfall (oder ähnlichem) eingeklemmt sind, dass sie beim Beugen der Hüfte nicht nachgeben (nachrutschen) können.

Kommentar von ElPhenomenon ,

Du redest um den heissen Brei, sonst nix.....

Wenn eine Beeinträchtigung der Nerven unwahrscheinlich, aber möglich ist, dann sag es doch einfach so.

Ob das Lasegue oder eine Verkürzung ist, von der Hüfte oder vom Rücken kommt, das lasse ich nächste Woche abklären.

Aufgrund der Vorgeschichte würde ich aber vermuten, dass die verspannte Muskulatur Ursache ist und nicht Wirkung. Die Dehnschmerzen hatte ich schon wesentlich früher als das Rückenproblem und immer dann, wenn ich viel Fußball gespielt habe.

Das Bein erscheint auch länger, obwohl das ISG anscheinend frei ist. Vielleicht wäre hier eine dezente Einlage sinnvoll.

Danke für die Antwort!

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