Frage von ausberlin, 288

Anfängerfrage an alle Ausdauersportler… Hyperaktiv?

Hallo,

ich bin 34 Jahre, 1,88 groß und nähere mich so den 90kg. Ich habe leichten Bluthochdruck, daher habe ich mit Ausdauersport angefangen.

Ich fahre gerne Rad, also habe ich mir ein Rennrad gegönnt. Ich bin auf dem Fahrrad eigentlich ganz gut im Training, fahre alles im Umkreis von 20km mit dem Rad, im Sommer fahre ich Radtouren und mit ein bißchen Vorbereitung mache ich mit meinem Trekkingrad auch mal 180km am Tag.

Seit sechs Wochen trainiere ich, anfangs alle drei Tage, zuletzt alle zwei Tage. Entweder zwei Stunden Rennrad oder eine Stunde Schwimmen, je nach Wetterlage.

Das Gewicht geht leider nicht runter. Der Bauch wird aber trotzdem kleiner und der Blutdruck wandert in den grünen Bereich. Das plus an Kondition merke ich schon deutlich. Das motiviert mich wirklich.

Eigentlich alles ok, aber ich fühle mich wie so ein Aufziehmännchen, also ich bin innerlich unruhig. Dieses wohlige "Geschafftsein", dass ich eigentlich von Radtouren kenne, stellt sich leider nicht ein. Abends liege ich entweder ewig wach oder spaziere, wie heute, ewig durch die Nacht und hau mir dabei drei Bier in den Kopf um etwas zur Ruhe zu kommen.

Also die Sportlerfrage: Kennt ihr das, ist das anfangs normal, gibt sich das? Oder was mache ich falsch?

Antwort
von thonie, 209

Hallo,

DeepBlue (auch im Kommentar) und Jürgen haben dir schon wichtige und richtige Hinweise gegeben. Einen Aspekt möchte ich noch hinzufügen: diese Symptome können auch durch Übertraining ausgelöst werden. Das ist zwar beim amateurmäßigen Ausdauertraining eher selten der Fall, bei deiner etwas "unsportlichen" Vorgeschichte und deinen durchaus beachtlichen Trainingsumfängen aber nicht ganz von der Hand zu weisen.

Du musst als "Anfänger" darauf achten, mindestens 80% deines Ausdauertrainings im Leistungsbereich deiner individuellen aeroben Schwelle zu absolvieren, ich empfehle dir, höhere Intensitätsbereiche  nur einmal wöchentlich einzugehen. Die Schwelle kann nur bei einer Spiroergometrieuntersuchung zuverlässig ermittelt werden; zumindest im Süden Berlins kann ich dir zwei Internisten nennen, die dies gewissenhaft und mit viel Fachwissen durchführen. Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ausgeschlossen werden, die PKV übernimmt i.Allg. die Kosten.

Im Übrigen wäre es mir neu, wenn, wie Mohammed es beschreibt, Ammoniak, CO2 und Lactat durch Dehnung der Muskulatur abgebaut würde. Oder in Abwandlung eines BAP-Textes: Wenn et dehne sich lohne däät, ich däät dehne op Deufel kumm russ.

Ohnehin muss das Lactat eher als Nutz- denn als Schadstoff gesehen werden, wie z.B.  in diesem Artikel sehr gut verständlich nachzulesen ist:

http://www.nordicsports.de/de,de/training-und-technik/medizin-und-ernaehrung/lak...

Kommentar von ausberlin ,

Puh, habe mir den Artikel durchgelesen, harter Tobak, musste ich dreimal lesen, um es ansatzweise zu verstehen.

Also Übertraining hatte ich nicht auf der Rechnung. Aber es kann schon sein, ich gehe wahrscheinlich zu sehr von meiner Kondition im Frühjahr/Sommer aus (viel Radfahren, lange Abende Tischtennis spielen). Und der Unterschied lange Radtour vs. Rennradfahren tut hier nochmal sein übriges. 10 Stunden im Sommer bei entspanntem Tempo durch die Landschaft radeln ist wahrscheinlich doch etwas ganz anderes als 2 Stunden am absoluten Limit fahren … auch wenn es mir echt viel Freude bereitet (verdammt ;) ). Aber es stimmt schon, ich bin das ein oder andere mal ganz schön wackelig vom Rad gestiegen, der Kopf noch eine ganze Weile danach auf Autopilot.

Ich hätte gedacht, das ich da mehr auf der Pfanne habe. Aber gut, gehe ich das erst einmal entspannt an, das Rennrad wird bis zum Frühjahr eh eher sporadisch im Einsatz sein und Schwimmen im Hallenbad weckt bisher nicht so den extremen Ehrgeiz in mir.

Also Danke an alle Antwortenden. Ich werde hier bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt mal einen kleinen Erfahrungsbericht posten, für alle, denen es ähnlich ergeht.

Antwort
von DeepBlue, 220

Hi,

das Problem haben viele. Es liegt daran, dass die Zeitspanne zwischen der sportlichen Belastung und dem Zubettgehen zu kurz ist. Der Körper ist noch zu aufgepusht. Abhilfe kann z.B. ein Entspannungsbad sein. Meist gewöhnt sich aber der Körper daran und schaltet von sich aus ab. Wenn das nicht funktioniert, solltest Du auf ein abendliches Training verzichten, und es auf den Morgen verlagern.

Hast Du vor dem Start Deines Ausdauertrainings einen Gesundheits-Check gemacht? Falls "nein": nachholen!

Gruß Blue

Kommentar von ausberlin ,

Hallo,

ich trainiere zu unterschiedlichen Tageszeiten, je nachdem, wie ich Zeit finde (Freiberufler).

Gibt es denn allgemein noch andere Tipps, um nach dem Training etwas runterzukommen? Ich kann ja leider nicht jedesmal in die Wanne. Auch wenn ich tagsüber trainiere, fällt es mir schwer mich danach konzentriert an den Rechner zu setzen.

Einen Gesundheitscheck habe ich nicht gemacht, ich werde aber eh bald 35, da ist das dann ja alle zwei Jahre kostenlos.

Der Hinweis, dass ich nicht der einzige mit dem Problem bin macht mir Hoffnung auf Besserung.

Gruß

Kommentar von DeepBlue ,

Aber da gibt es doch verschiedene Entspannungsmethoden: Muskelrelaxation nach Jacobson, Meditation, Quigong, Traumreise ...etc. Selbst für's Büro gibt es Kurzentspannungsübungen.

Kommentar von ausberlin ,

Stimmt, Muskelrelaxation nach Jacobson habe ich sogar schon gemacht. Das ist wirklich ganz hilfreich um runterzukommen. Muss ich mal die CD raussuchen…

Antwort
von mohammed, 179

Da stimme ich zu. Fausformel, mind. 2 Stunden zwischen Sport und Bettruhe, damit der Stoffwechsel runter kommt, also du zur Ruhe kommst.

Du solltest nach dem Sport dich dehnen. Dehndauervon 20-30Sekunden je Ausführung. Dadurch entspannen sich die Muskeln und "Schadstoffe" werden leichte aus den Muskelnabgebaut.

Nicht in den Schmerz dehnen, das Dehnen sollte für dich auch entspannend sein. Hilft dann auch mit dem unruhigsein.

Antwort
von Juergen63, 250

Was zu dem aufgewiegeltem Befinden führt ist so pauschal und aus der Ferne nicht zu beurteilen. Es ist richtig das gerade ein Training in den Abendstunden den Körper etwas aufputscht und es dann während der Nachtruhe zu Problemen mit dem Einschlafen kommen kann. Das geht mir, gerade in den Sommermonaten, wenn ich am Abend noch trainieren fahre manchmal auch so. Dieses Gefühl sollte allerdings nach einigen Stunden nicht mehr vorhanden sein. Vor allem wenn du vormittags oder Mittags trainierst, solltest du abends nicht mehr innerlich unruhig sein. Aus Körperlicher Sicht könnte eine Stoffwechselstörung oder auch eine Störung im Hormonhaushallt der Schilddrüse dafür verantwortlich sein. Unter Umständen bist du auch ein Mensch der zu Nervosität neigt. Von daher ist es sinnvoll über einen Checkup beim Arzt zu klären ob organisch alles im grünen Bereich ist. Ein erhöhter Blutdruck zieht auch diese Symptome nach sich. Von daher gut prüfen ob der Blutdruck jetzt wirklich im grünen Bereich ist. Wie sieht es mit Koffeein aus ? Trinkst du abends noch Kaffee oder schwarzen Tee ?


Kommentar von ausberlin ,

Koffein… ja leider viel zu viel. Auch gerne nochmal zu späterer Stunde. Ach Mann, die lieb gewonnen Gewohnheiten. Merke: nach 17 Uhr keinen Kaffee mehr.

Kommentar von Juergen63 ,

Gut, wenn du abends noch ordentlich Kaffee trinkst.....der putscht natürlich gut auf.

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